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Brotherhood (2004)
Eine Kritik von mario-pana (Bewertung des Films: 10/10) eingetragen am 15.08.2007, seitdem 273 Mal gelesen
Ich weiß nicht mehr genau wo, aber ich hörte über den Film, dass er ein ungemein beeindruckendes Kriegsdrama sei. Nun, dieser Umstand und, dass das südkoreanische in den letzten Jahren so herrliche Filme hervorbringt, war der Ausschlag für mich, diesen Film zu sehen. Ich sehe für mein Leben gern Filme mit phantastischen Elementen, aber auch genauso gern emotional berührende Dramen. Leider gibt’s da aber nicht immer die Themen, die mich interessieren. „Taegukgi“ interessierte mich sehr, denn über den Koreakrieg weiß ich so gut wie nichts.
Jin-tae Lee und Jin-seok Lee führen, trotz Armut, ein unbeschwertes Leben zusammen mit ihrer Mutter und Jin-taes zukünftiger Braut. Das ändert sich jedoch schlagartig, als der Krieg mit dem kommunistischen Nordkorea ausbricht. Jin-seok wird Zwangsrekrutiert und steht kurz vor der Abfahrt. Als Jin-tae davon erfährt eilt er, seinen Bruder zurückzuholen, denn dieser hat ein schwaches Herz. Doch der Befreiungsversuch misslingt und so muss auch er nun an die Front. Alles daran setzend, seinen Bruder vorzeitig wieder zurück schicken zu können meldet sich Jin-tae für die schwierigsten Einsätze, denn nur mit einer Tapferkeitsmedaille hat er die Möglichkeit Jin-seok die weiteren Gräuel des Krieges zu ersparen. Doch der Weg zur Medaille ist beschwerlich und je weiter der Krieg fortschreitet umso mehr büßen sie von ihrer Menschlichkeit ein. Jin-tae entfremdet sich immer mehr von seinem Bruder. Wird es ihnen gelingen, den immer erbitterter werdenden Krieg lebend zu überstehen oder werden sie auf dem Schlachtfeld sterben müssen?
„Taegukgi“, wie Brotherhood im Original heißt ist ein unheimlich beeindruckendes und auch schockierendes Kriegsdrama, das „Der Soldat James Ryan“ in nichts nachsteht. Sei es nun in emotionaler Hinsicht, oder hinsichtlich der authentischen Darstellung des Kriegsgeschehens. Man kann dieselben verwackelten Bilder sehen und auch abgesprengte Beine, Arme und Hände treiben einem das Grauen ins Gesicht. Zu sehen, wie sich die Brüder einander entfremden ist hart, spiegelt aber wieder, dass man in solchen Situationen dazu neigt zu verrohen. Jin-tae verliert Zusehens seine Menschlichkeit und beginnt zu töten ohne nachzudenken oder etwas dabei zu empfinden. Besonders heftig wird das, als sie auf einen ehemaligen Freund treffen, der von nordkoreanischer Seite zwangsrekrutiert wurde. Hier erreicht der Film eine Intensität, wie sie grausamer nicht sein kann, denn das schlimme am Koreakrieg war doch, dass sie sich im Grunde genommen gegenseitig umgebracht haben und durchaus auch Freunde aufeinander schossen. Jin-seok scheint hier, trotz Herzschwäche, der stärkere der beiden zu sein, denn er bewahrt sich seine Menschlichkeit und somit auch seinen Sinn für Recht und Unrecht und die Gefahr, die gewisse Taten mit sich bringen. Im Verlauf des Filmes kommen die Brüder wieder nach Hause, denn die Chinesen kämpfen auf der Seite der Nordkoreaner und dieser Übermacht haben die Südkoreanischen Truppen erst einmal nicht viel entgegenzusetzen und weichen zurück. Hier wird Young-shin, Jin-taes Verlobte, als Kommunistin bezichtigt und vor ein Erschießungskommando gestellt. Jin-seok setzt alles daran sie davor zu bewahren und auch Jin-tae stellt sich schützend vor sie. Diese Szenerie ist an Kehle zusammenschnürender Spannung nicht zu überbieten und mündet in ein dramatisches und ungemein emotionales Ende. Die Wut der Brüder ist hier spürbar und färbt auf den Zuschauer ab, der verkrampft im Sessel sitzt und den Beiden gern tatkräftig zur Hand gehen würde. Solche Momente bietet „Taegukgi“ des öfteren. Emotional wird’s schon zu Beginn, als die beiden Brüder mit Gewalt von ihrer Mutter getrennt werden. Der Schmerz des Verlustes ist hier merklich. Aber auch das Ende des Filmes stimmt tieftraurig und rührte mich zu Tränen. Hierzu möcht ich nichts weiter sagen.
Regisseur Je-gyu Kang ist ein Kriegsdrama gelungen, wie es emotionaler und schockierender kaum sein kann. In eindringlichen Bildern verdeutlicht er die Gräuel des Krieges und was er aus den Menschen gemacht hat. Ebenso Schonungslos wie Spielbergs Kriegsfilm ist seine Darstellung des Kriegsgeschehens und unheimlich emotional, die damit verbundenen dramatischen und traumatischen Ereignisse. Das Wort Unterhaltsam bleibt mir hier im Halse stecken, denn das verbinde ich mit leicht verdaulicher Kost in der unrealistische Elemente nicht selten sind. Aber nicht nur dem Regisseur ist die überzeugende Inszenierung zu verdanken, nein, auch den Darstellern muß man allen Respekt zollen, denn ohne ihre hervorragenden Leistungen würde „Taegukgi“ nicht diese Substanz und Tiefe besitzen. Besonders Dong-Kun Jang als Jin-tae hat mir hier gefallen. Er und auch Bin Won als sein Bruder Jin-seok sind die tragende Kraft des Filmes und meistern dies mit Bravour. Aber auch der übrige Cast liefert exzellente Leistungen ab. Abschließend sei noch die Filmmusik erwähnt. Komponist Dong-jun Lee macht hier John Williams ernsthafte Konkurenz. Er kreierte einen ebenso packenden, wie bezaubernden Score, der den Film zu einer absolut runden Sache macht. Unbeschreiblich, was man hier auf die Beine gestellt hat.
Am Ende war ich tief bewegt ob der emotionalen Geschichte und schockiert wegen der Schrecken dieses Krieges. Ein Drama, dass einen Oscar verdient hätte.
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