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Infernal Affairs 3 (2003)
Eine Kritik von Der Mann mit dem Plan (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 04.03.2004, seitdem 2282 Mal gelesen
Was macht der durchschnittliche Filmschaffende, wenn man nach dem überraschenden Erfolg eines Copthrillers großspurig eine Trilogie angekündigt hat, und mit dem Nachfolger, einem verquasten, nur noch vom Charme des Erstlings zehrenden Prequel, die Erwartungshaltung für den finalen, dritten Teil verhältnismäßig niedrig hält? Bombast-Action? Explosionen und neue, unglaubwürdige, familieninterne Enthüllungen á la "Star Wars"? Während in den USA ein dritter Teil einer Trilogie meist nur die kompromissbereite Summe aller erfolgspendenden Eigenschaften der Vorgänger, ohne Sinn und Innovation, darstellt, überraschen uns die "Infernal Affairs"-Regisseure Mak und Lau mit ihrem dritten Teil der Cop-Saga. Denn der Abschluss der Geschichte um zwei parallele Maulwürfe ist urplötzlich der beste Film der gesamten Reihe geworden.
Teil 1 war ein High-Tech-Thriller mit enorm begeisterungsfähiger Besetzung, der das Popcorn-Kino in Hong Kong wieder aus dem Dornröschenschlaf wach küsste, und westliche Standards in die Traditionen der chinesischen Filmschmiede setzte. Der nachgeschobene zweite Teil wiederum krankt an vielen Gesetzmäßigkeiten eines Sequels, beziehungsweise eines Prequels. Die Darsteller sind längst nicht so überzeugend, und die in die Vergangenheit expandierte Storyline möchte gerne eine asiatische Variante von "Der Pate II" sein, scheitert aber kläglich am halbherzigen Drehbuch. Und nun kommt "Infernal Affairs III", dessen Konzept gefährlich kommerziell klingen mag, aber dennoch bei den Zuschauern für Erstaunen sorgen wird.
Die Geschichte, die im dritten Teil erzählt wird, ist zweigespalten. In Rückblenden erfahren wir, wie Undercover-Cop Yan (Tony Leung), 6 Monate vor seinem Tod, um das Vertrauen seines Triaden-Bosses Sam kämpfen, und dabei so manche Schmach und gefährliche Situation durchleben muss. Doch die schwierige Zeit wird von einem Hoffnungsschimmer am Horizont überflügelt: Anscheinend nähert sich seine Arbeit als Maulwurf bei der verbrecherischen Gegenseite dem Ende, und auch seine Liebe zu seiner Psychiaterin Dr. Lee (Kelly Chen) nimmt durchaus angenehme Formen an. Diese fälschlicherweise optimistische Seite, vor den Erlebnissen in dem ersten "Infernal Affairs"-Teil, fügen sich an die Hauptstoryline an, die wiederum 10 Monate nach dem Tod von Yan spielen: Hier kehrt Ming (Andy Lau) an seinen Schreibtisch für die "Internal Affairs" zurück, muss aber feststellen, dass sich sein Leben in eine ihm völlig unliebsame Richtung entwickelt. Nicht nur, dass sich seine Frau von ihm scheidet, und jeglichen persönlichen Kontakt mit ihrem Noch-Ehemann ablehnt, auf der Arbeit ist ein neuer Stern am Himmel: Der kalte, aufstrebende Elite-Cop Leung (Leon Lai), der das Ansehen von Ming noch überschatten könne. Ming ist sich sicher, Beweise für ein Doppelspiel Leungs in der Hand zu halten, und verwickelt sich in ein manisches Spiel aus Verschwörung und Selbstheilung, in dem er letzten Endes sogar seine eigene Identität verliert.
Diese verschachtelte Erzählweise funktioniert großartig, denn sie gibt dem Zuschauer genau die Informationen und die Einblicke in das Leben der Protagonisten, die man bei dem sonst sehr soliden ersten Teil vermisste. "Infernal Affairs" war ein High-Tech-Thriller, kein Film über echte Menschen. Die Figuren waren zwar toll gespielt, aber recht schablonenhaft geschrieben. Die Damenwelt im Erstling wurde sogar nur auf hübsches Beiwerk reduziert, während gerade im dritten Anlauf auf die Charaktere wert gelegt wird. Der Film nimmt sich die Zeit, die romantische Beziehung zwischen Yan und Dr. Lee zu ergründen. Und so ist hier Tony Leungs Yan viel lebendiger, eine viel vollere, ausformuliertere Figur, als noch im Vorgänger. Dass das Rückbesinnen auf die Tage vor dem ersten Teil durchaus einen kommerziellen Aspekt hat, sehen wir in einer megalomanistischen Szene, in der Lau und Mak alle ihre Stars in einem einzigen Setting auflaufen lassen: Lau, Leung, Wong, Tsang, Lai, To und Chen stehen sich in einer Sequenz gegen Mitte des Films alle gegenüber.
Es wirkt sicherlich hin und wieder übertrieben, wenn der Film immer und immer wieder die beiden Protagonisten Leung und Lau durch Flashbacks und Halluzinationen in gemeinsame Szenen steckt, aber dennoch scheint diese Strategie hinsichtlich der Story aufzugehen. Die Parallelen in dem Leben zwischen den beiden Maulwürfen werden aufgezeigt und miteinander verglichen. Wenn kurz vor dem Ende dann jene Grenzen ineinander zusammenbrechen, und Ming die Ereignisse durcheinander wirft, dann scheint jene Star-Vehikel-Vorgehensweise nicht kalkuliert, sondern der Story dienlich. Da möchte man dem Film lieber einen Strick daraus drehen, wieder konsequent in jeder Filmminute einen Product Placement auszuführen. Zwar noch nicht in jener penetranten Art, wie es die letzten "James Bond"-Filme gezeigt haben, aber dennoch schon recht ärgerlich.
In "Infernal Affairs III" müssen wir fast den gesamten Film auf den ersten Schusswechsel warten, und selbst dann, im Showdown, verfällt der Film nicht in hippe Action-Manierismen, sondern verzichtet gänzlich auf jegliche Kampf-Szenen im Bloodshed-Stil. Ja, der Fokus liegt hier wirklich auf dem Charakter von Ming. Dem Mann, der in dem kontroversen Ende vom ersten Teil noch als "Bad Guy" die Flucht aus der Schuld gelang. Schon damals war dem östlichen Publikum jene sarkastische Auflösung zu subversiv - nun bekommt Ming das, was er verdient. Und der Fall eines Verbrechers, der verzweifelt versucht sein Leben zu ordnen, einer von den Guten zu werden, und gleichzeitig einen Schuldigen für seine Misere zu finden, ist perfekt gespielt und grandios in Szene gesetzt. Aus den oberflächlichen Gimmick-Thrillern, die die Vorgänger waren, wird in "Infernal Affairs III" eine beeindruckende Charakterstudie.
Mit dem Ende von "Infernal Affairs III" sind alle Moralisten und Komplettisten zufrieden zu stellen: Jeder der Protagonisten hat das bekommen, was er verdient: Ming seine höllische Bestrafung, Yan hat man eine hübsche, leichte Vergangenheit hinzuaddiert. Die Fans der Reihe haben ein paar Plotlöcher weniger zu bemängeln, und haben nach den zwei Stunden "Infernal Affairs III" endlich echte, dreidimensionale Figuren erlebt, keine angekratzten Drehbuchskizzen. "Infernal Affairs III" ist ein spannender, auf ganzer Linie funktionierender Thriller-Triumph, optisch wie inhaltlich ein Genuss. Nur die Actionfans dürften enttäuscht werden, aber das ist eh eine andere Baustelle. "Infernal Affairs III" ist alles in allem genau das, was ein Hollywood-Filmemacher nicht aus einem dritten Teil eines erfolgreichen Film-Franchises machen würde - und genau darin liegt die Stärke dieses Filmes.
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