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Was das Herz begehrt (2003)

Eine Kritik von Schlombie (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 14.05.2008, seitdem 150 Mal gelesen


VORSICHT! SPOILER!
Obwohl man nach 45 Minuten glaubt zu wissen wie die Geschichte weiter geht, wird man in diesem Werk eines besseren belehrt. Mit einem Mal erlebt man räumliche, zeitliche und inhaltliche Veränderungen, die am Ende überraschend zu dem werden, was man erwartet hat. Dass am Schluß jene Menschen, die das gleiche Alter haben, zusammenkommen heißt nicht, dass sich der Film moralisch gibt. In den Phasen, in dem das Partnerverhältnis genau gegenteilig ist gibt sich das Werk angenehm unverkrampft. Eine Position wird ohnehin nicht eingenommen. Dafür werden diverse über die verschiedenen Figuren eingebracht, und wie im echten Leben gibt es keine übereinstimmende Meinung. Das ist für einen Hollywoodfilm sehr reif und passt zum Rest der sehr erwachsenen Erzählweise. Denn trotz diverser Nacktheiten und gewollter kleiner Albernheiten zeigt uns doch gerade die eher ruppige, zweite Hälfte wie viel Niveau sie besitzt. Der Wandel Nicholsons Rolle wird nicht im Hauruck-Verfahren abgearbeitet. Dieser Mann erfährt aufgrund eines sehr schönen Erlebnisses eine komplette persönliche Veränderung. Diese will er zunächst nicht wahr haben, dann weiß er nicht damit umzugehen, und wie er im Endeffekt sein Leben umkrempelt und nach langer Zeit durch viel Ehrlichkeit und Selbstdisziplin den Weg zu sich selbst findet wird auch dem Zuschauer erst gegen Ende, über eine Erzählung Nicholsons Rolle, berichtet.
Dass gerade Nicholson in einem so reifen Film mitwirkt ist keine Überraschung. Er gehört zu den wenigen Hollywood-Stars, die mit Würde altern, und gerade mit fortgeschrittener Lebensdauer den Reiz ihrer Rollen erkennen, die sie zuvor nicht hätten spielen können. Späte Nicholson-Filme zeigen uns immer wieder dass auch im Alter noch viele verschiedene vielschichtige Rollen möglich sind. Er steht zu seinem Alter, und das ist sein Trumpf. Damit zeigt er, dass er mehr beherrscht als sein bekanntes, dämonisches Grinsen, was er auf der anderen Seite aber auch immer wieder schafft einzubauen.
Diane Keaton macht ohnehin stets einen sehr reifen Eindruck, auch sie passt hervorragend in diesen Film. In ihrer Rolle mag man sich gar nicht wen anderes vorstellen. Sie wirkt immer so unverkrampft emanzipiert, natürlich weiblich, und wie so oft spielt sie zwischen Perfektion und Authentizität, zumindest wirkt sie immer, als würde sie ein Stück sich selbst spielen. In dieser Rolle fällt sie nur einmal negativ auf, in der an sich lustig gemeinten Szene, in der wir sie tagelang weinen sehen. Das zunächst witzig wirkende, hysterische Weinen verliert mit weiterem Fortschritt seine Echtheit. Aber dieser Einbruch ist minimal und kaum der Rede wert.
In einer Nebenrolle überrascht uns Keanu Reeves, der für seine Verhältnisse eine ungewohnt sensible Rolle spielt. Da er ja nicht gerade zu den talentiertesten Vertretern seines Berufes zählt, wurde er seinem Können entsprechend eingesetzt. Das heißt zum einen das sich die Regie sehr wohl seiner Grenzen bewusst war und ihn nur innerhalb dieser agieren lässt, auf der anderen Seite darf Reeves aber auch zeigen dass doch mehr Potential in ihm steckt, als lediglich ewig den Coolen zu mimen. Auch sein Spiel wirkt sehr natürlich.
Dass die Schauspieler ihre Rollen so hervorragend meistern klingt sehr nach Star-Lobhudelei. In anderen Bereichen des Werkes wird allerdings mit gleicher Professionalität gearbeitet. Besonders hervorheben möchte ich hierbei die Fotografie von „Was das Herz begehrt“. Wann was wie mit der Kamera eingefangen wird ist einfach künstlerisch wertvoll. Gerade in den stillen Momenten wissen die Macher das Geschehen poetisch und sensibel einzufangen, und z.B. die laute Szene, in der Keatons Nacktheit im Mittelpunkt steht, überrascht einen mit dem Kunstgriff nicht ins Voyeuristische abzurutschen. Die Klasse der Bilder sichtet freilich nur der der sie entdeckt. Im Gegensatz zu bemerkenswerten Computereffekten wird einem diese Art bildlicher Kunst nicht aufs Auge gedrückt. Und so passt die Bildkomposition ebenfalls gekonnt zum erwachsenen Stil des Gesamtwerkes.
Lediglich die Musik ist schlicht. Dass sie nicht auffällt bedeutet zumindest, dass sie nicht negativ wirkt. Sie wurde für die einzelnen Momente richtig ausgesucht. Es bleibt einem allerdings auch kein Stück in Erinnerung, bzw. man nimmt auch keines dieser Werke bewusst wahr.
Dass uns mit diesem Film, trotz all seiner Professionalität, kein Meisterwerk vorgesetzt wird, liegt einzig und allein an der Wirkung der zweiten Filmhälfte. Da die erste relativ aalglatt erzählt wurde fällt es einem schwer sich in die Ereignisse der zweiten hineinzufühlen. Durch die ruppige Erzählweise wird man immer wieder aus dem Film geworfen. Gerade war man noch mittendrin, schon ist man, dank des eher emotionslosen Gezeigten, wieder nur Betrachter. Das ist vom psychologischen Effekt sicherlich gut, immerhin dürfte sich die Rolle des Nicholson zu dieser Zeit ähnlich wie der Zuschauer fühlen, letzten Endes soll ein Film aber hauptsächlich unterhalten. Und darin besaß die an sich schlichtere erste Hälfte mehr Stärke als die lobenswerte letzte. Einige Elemente, die den Film so reif machten, sind gleichzeitig sein Verhängnis im Unterhaltungsbereich. Orientierungslos beobachtet der Zuschauer was ihm gezeigt wird. Diese Unvorhersehbarkeit ist an sich zwar ein Trumpf, aber man versteht nicht das Ziel auf das das Werk zusteuern will. Erst recht spät begreift man, dass es letzten Endes nun doch zu dem Schluß führen wird, das man im ersten Abschnitt noch vermutete.
Dass am Ende nicht alle Figuren glücklich werden beweist nur erneut die reife und konsequente Umsetzung. Dass diese unangenehme Situation der betroffenen Figur eher nur angedeutet wird spricht wiederum ganz klar für Hollywood, das seine Zuschauer in dieser Phase des Films nun doch nicht mehr aus der Träumerei reißen will. Doch auch wenn der Schluß einem mit einem wohligen Gefühl zurück lässt hat man hier nicht einfach eine schlichte Romanze gesehen. Dieses Genre würde dem Film nicht gerecht werden. Irgendwo ist „Was das Herz begehrt“ zu witzig für eine Tragikomödie, wiederum zu ernst für eine Komödie, zu unromantisch und emotionslos für einen Liebesfilm, zu emotional für einen rein sachlichen Film. Trotz seiner Tendenz zur Liebeskomödie trifft es dieses Genre eben nur bedingt, aber gute Filme lassen sich ja häufig nicht so leicht in eine Schublade stecken. Schade dass dem fertigen Film der letzte Schliff im Unterhaltungsbereich fehlt, er ist nämlich ein tolles Beispiel dafür, dass Hollywood auch mal was anderes servieren kann als immer nur den ewigen Einheitsbrei. Und gerade ein erwachsenes Produkt sichtet man von dort nur sehr selten. Dies ist ein anspruchsvoller Film, der von seinem Zuschauer das selbe erwartet. Vielleicht scheitert er in seiner letzten Konsequenz auch genau aus diesem Grund an mir, vielleicht besitze ich einfach nicht genügend Anspruch um den Film besser zu finden.


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