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Was das Herz begehrt (2003)

Eine Kritik von Ulthar (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 18.02.2004, seitdem 314 Mal gelesen


Nancy Meyers gelang vor 4 Jahren mit ihrem zweiten Regiewerk "Was Frauen wollen" ein sensationeller Erfolg, und das nicht nur hier in Deutschland. Nun ist sie als Drehbuchautorin, Produzentin und Regisseurin zurück und wieder inszeniert sie eine Geschichte über die Liebe und ihre Irrungen und Wirrungen. Doch irgendwie will der Funke nicht überspringen, wirkt alles zu gewollt.

"Was das Herz begehrt" erzählt von dem 63 jährigen Plattenproduzenten Harry Sanborn (Jack Nicholson) der sein gesamtes Liebesleben auf ein Ziel ausgelegt hat: junge Frauen, die nicht älter als 30 seien dürfen. Und mit eben so einer (Amanda Peet) versucht er ein schönes Wochenende zu verbringen. Dumm nur das ihre Mutter Erika (Diane Keaton) und deren Schwester Zoe (Francis McDormand), eine Emanze wie sie im Buche steht, ebenfalls an diesem Wochenende in das Strandhaus fahren und dort am ersten Abend erst mal Harrys ersten (von einigen) Herzinfarkten miterleben. Da Harry anschließend nicht undingt in bester Verfassung ist wird beschlossen ihn im Strandhaus einzuquartieren wo er dann auch bald mit der reifen Erika alleine ist und sich, ganz wie es Hollywood typisch nicht anders sein kann, natürlich auch verliebt. Da wir aber in einem Film sind, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal die Hälfte seiner Spielzeit hinter sich hat, kann man davon ausgehen das es wohl noch eine Weile und einige Verwirrungen braucht ehe sich das Paar am Ende in Paris (wo auch sonst) in den Armen liegt.

Der Film beginnt als herrlich leichte Komödie, die mit einigen interessanten Charakteren aufwarten kann und von der Spielfreude ihrer großartigen Darsteller lebt. Egal ob es nun Jack Nicholson ist, der den gealterten Aufreißer grandios spielt, sich dabei wohl auch nicht groß verstellen musste, oder Diane Keaton, die die anfangs zurückhaltende, verbitterte Erika, die sich langsam aber sich öffnet und sich sichtlich zu Harry hingezogen fühlt, mit sichtlicher Freude und Begeisterung spielt. Da passt die Chemie und es kommt zu etlichen, von intelligentem Wortwitz geprägten, Wortduellen zwischen den Beiden. Auch gibt es grandios witzige Situationen, so etwa wenn Nicholson auf anraten seines Arztes verzweifelt versucht eine Treppe zu erklimmen, da die Faustregel gillt: wenn man nach einem Infarkt ohne Anstrengungn eine Treppe erklimmen kann, darf man auch wieder Sex haben. Doch mit zunehmender Spieldauer versandet die Story immer mehr. Der Humor tritt mehr und mehr zurück und es kommt wie es kommen muss, Nancy Meyers dreht den Film zu einer langatmigen, vorhersehbaren Schnulze, die einen fast vergessen lässt was man in den ersten 45 Minuten für einen Spaß hatte, da reicht dann auch eine Szene in der Diane Keaton Jack Nichsolson während dem Sex erstmal den Blutdruck misst nicht mehr aus um noch viel zu retten. Leider werden auch aus den interessanten Charakteren mehr und mehr reine Klischee Abziehbilder und auch die Nebencharaktere wirken wie reine Stichwortgeber.
Hier merkt man dann deutlich den Unterschied zu Filmen wie "Besser gehts nicht" oder "Was Frauen wollen", die zwar auch die Romantik im letzten Drittel mehr in den Vordergrund stellen, dabei aber nicht vergessen zu unterhalten.

Nancy Meyers Film ist zudem doch einiges zu lang geraten und hätte eine Straffung zum Ende hier durchaus vertragen können, denn wenn hier dann zum x-ten mal versucht wird einen Gag auf Kosten des Musicals zu machen, das Erika auf Grund ihrer Erlebnisse mit Harry, inklusive Viagra-beichte und nacktem Hintern im Krankenhaus-Hemdchen geschrieben hat, dann langweilt das einfach irgendwann. Auch wurde das "er kriegt sie, er kriegt sie nicht" - Spielchen doch etwas übertrieben, da wohl keiner wirklich daran zweifeln dürfte, dass er sie letztlich bekommt.
Die Nebendarsteller sind bis auf eine Ausnahme alle durchweg passend besetzt und zeigen sichtliche Spielfreude, auch wenn man sich von so manchem Charakter doch mehr Screentime gewünscht hätte. Ein Totalausfall ist, einmal mehr, Keanu Reeves, der eindrucksvoll beweist das er ohne Computereffekte und Sonnenbrille die Qualitäten eines Schauspielers vermissen lässt. Wenn er dann auch noch einen Arzt verkörpert, der sich zudem in die großartig aufspielende Diane Keaton verliebt, sind unfreiwillige Lacher leider vorprogrammiert.

"Was das Herz begehrt" ist kein schlechter Film, er ist im Endergebnis sicherlich sogar überdurchschnittlich gelungen, aber irgendwie hatte ich dann doch mehr erwartet. Da können auch tolle Schauspieler und ein witziger und humorvoller Beginn nicht über deutliche Längen zum Ende hinwegtäuschen und so bleibt letztlich ein Film, den man sich durchaus ansehen kann, aber den man sicher nicht gesehen haben muss. 6,5 von 10 Punkten.


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