|
 |

Ansicht eines Reviews
Was das Herz begehrt (2003)
Eine Kritik von Moonshade (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 23.02.2004, seitdem 838 Mal gelesen
Ein Film mit Jack Nicholson hat immer ein Problem: es ist ein Film mit Jack Nicholson!
Nur wenige Schauspieler haben eine derart alles verschlingende Präsenz, daß sämtliche Nebenrolle gegen ihn wie Cameoauftritte wirken. Doch allmählich kommt Jackie in die Jahre und er wird bisweilen milder, so daß sein komödiantisches Potential immer mehr zum Tragen kommt. „Besser geht’s nicht“ war das beste Beispiel dafür, der dritte Oscar der Lohn und „Somethings gotta give“ stößt nun ins gleiche Horn, etwas weniger sperrig, etwas vorhersehbarer, aber keinen Deut weniger liebenswert.
Und noch immer muß man sich gegen ihn behaupten und Diane Keaton gelingt das Kunststück. Fast!
Das Problem bei Nicholsons Auftritten ist: man verzeiht ihm fast alles. Boshaftigkeiten, Geschmacklosigkeiten, Beleidigungen, Grenzverletzungen, stets funkelt hektoliterweise Charme im Augenwinkel, hat man das Gefühl, er könnte mit einem kurzen Lächeln und einem Zwinkern alles in Luft auflösen. Und dann tut er genau das.
Auf diese Art nimmt er jede Szene per simpler Anwesenheit, zumindest wenn in Comedy-Richtung gezielt wird und so ist es auch hier. Da muß Diane Keaton beachtlich strampeln und ihren eigenen abstrakten Glanz verstrahlen und dann reicht sie doch in den meisten Szenen an ihn ran. Und das allein ist selbst oscarverdächtig.
Der Film, die Geschichte an sich, ist dabei fast nebensächlich, ein alter Hut. Man stelle sich „Harry und Sally“ im gesetzten Alter von Ende Fünfzig/Anfang Sechzig vor und man hat ungefähr eine passende Einschätzung für „Was das Herz begehrt“ (übrigens ein scheußlich sülziger Titel für so einen leichten Film).
Zwei Menschen, die scheinbar nicht zueinander passen, finden zufällig zueinander, trennen sich wieder, entfremden sich scheinbar und können sich doch nicht entkommen, bis das HappyEnd gnadenlos zuschlägt. Das riecht nach Klischeekeule und man sollte auch nicht nach Plot-Wendungen der subtilen Art suchen.
Doch Regisseurin Nancy Meyers, die auch gleich noch das Buch verfaßt hat, gelingt das Kunststück, jede Szene im bekannten Ablauf ungewöhnlich frischen wirken zu lassen. Keaton strahlt praktisch Licht aus, Nicholson wurschtelt sich mit lässiger Nonchalance durch seine Szenen und sein volltönender Bass läßt jeden Widerstand schmelzen. Der Supportcast um Keanu Reeves, Amanda Peet und Frances McDormand müht sich beachtlich und swingt in den Szenen beschwingt mit.
Und das Geheimrezept für einen Erfolg beherzigen die Verantwortlichen auch: keine abgenützten Bilder. Ob die beiden nun als Kampf der Titanen aufeinandertreffen, spazieren gehen oder im Bett landen, stets bringen die Szenen einen anderen Blickwinkel, einen ungewöhnlichen Witz. Der Dialog ist über die volle Laufzeit geschliffen wie nur für diese Altersklasse möglich und mit Sexanspielungen und Nacktheit geht man auch nicht gerade prüde für die vertretenen Stars um.
Tatsächlich filtern sich einige brüllendkomische Szenen aus der Uraltstory: Nicholsons nackter Hintern unter Beruhigungsmitteln ist da noch das Platteste. Man beachte mal das Zusammenspiel der Frauen beim Abendessen; der Augenblick, bei dem alle drei Frauen Reeves zu Füßen liegen; der E-Mail-Dialog, der besser ist, als der ganze Hanks/Ryan-Film;
Überhaupt ist das reibungslose Zusammenspiel aller Beteiligten der Schlüssel zum Erfolg.
Natürlich gibt es einige Bremser im flotten RomCom-Gerumpel, aber es wird nie langweilig. Keatons mehrtägige Heulattacke auf die Trennung ist Slapstick pur, aber allein schon die Oscarnominierung wert. Das letzte Viertel hat dann ein winzigen Touch von Vorfertigung, wenn die Konflikte ein wenig hausgemacht wirken und das Happy End schließlich ganz klassisch und praktisch pointenlos draufgelegt wird.
Das stört aber die Breitenwirkung dieses Feelgoodmovies wenig, mit dem sich Altersklassen zwischen 20 und 90 vermutlich gleichermaßen totamüsieren können, wenn sie dafür bereit sind.
Am Ende trägt Nicholson die meisten Szenen nach Hause, weil er sich praktisch selbst spielen darf, aber Keaton zeigt dafür mehr Profil. Aber wer will schon Punkte zählen, wenn das Grinsen eh nicht mehr aus dem Gesicht weichen will. (9/10)
 | "Surprise me!" BETA |
Zur Übersichtsseite des Films Liste aller lokalen Reviews von Moonshade
Zurück
 |
 |
|