Review

The Black Scorpion sticht aus der schier unermeßbaren Masse an Monsterfilmen aus den fünfzigerjahren gleich durch mehrere Faktoren heraus. Schauen wir hinter die Kulissen, erblicken wir zunächst den Produzenten Jack Dietz, der schon Ray Harryhausens Monsterstartschuß der Dekade, Dinosaurier in New York, auf die Leinwände gebracht hatte und mit diesem Film sein letztes Projekt vorstellt. Auch hier ist die Effektabteilung prominent besetzt. Es ist Willis H. O'Brien, Harryhausens Vorbild und Lehrmeister, der hier zumindest anleitend und ideengebend Einfluß nahm, während die Animationen großteils von Pete Peterson ausgeführt wurden. Diesen Job hatte Peterson als Unterstützung Ray Harryhausens auch schon bei Mighty Joe Young übernommen.

Auch abseits dieses Stelldicheins fällt dem geneigten Genrefreund auf, daß die Katastrophe nahezu untypisch für seine Entstehungszeit verläuft. Keine Radioaktivität, keine genetische Überzüchtung. Es genügt ein Vulkanausbruch, um einen ländlichen Teil Mexikos zu verwüsten und nicht wie der Titel vermuten lassen würde einen, sondern gleich eine ganze Horde gigantischer Skorpione freizusetzen. Bevor diese aber als Übeltäter ausfindig gemacht werden, glaubt man vor Ort noch an mythische Riesenkühe.
Wo die stacheligen Viecher nicht selbst für Richtigstellung sorgen, forschen die Geologen Hank Scott (Richard Denning) und sein Sidekick Artur Ramos (Carlos Rivas) nach, was leider inklusive aufgesetzter Romanze zwischen Hank und Teresa Alvarez (Mara Corday aus Tarantula) nicht über das Niveau eines durchschnittlichen B-Movies hinausgeht. Auch die Integration des Jungen Juanito, gespielt von Mario Navarro der einigen vielleicht noch als Panchito aus Der Fluch vom Monte Bravo bekannt ist, gerät eher zur nervigen Nummer, da der Naseweiß seine Neugierde natürlich nicht zu zügeln vermag.

Für O'Brien, der ein Jahr zuvor immerhin gemeinsam mit Harryhausen die berühmte Dinoszene aus Die Tierwelt ruft animieren konnte, war The Black Scorpion der erste Spielfilm seit Mighty Joe Young. Nachdem The Valley of the Mist und das Cinerama Remake von King Kong und die weiße Frau bereits in der Produktion scheiterten und er nach dem Verkauf des Drehbuchs zu Der Fluch vom Monte Bravo als Effektmann ausgebootet wurde, grenzt es schon an Hohn, dem Künstler, der vor dem zweiten Weltkrieg zwei bahnbrechende Meisterwerke der Stop-Motion abgeliefert hatte, mit dem schmalen Budget eines durchschnittlichen Monsterfilms abzuspeisen.

Gerade die Actionszenen, die man aber in diese Sparte gerne sehen möchte, wissen trotzdem zu überzeugen. Da der Titel schon kein Geheimnis um das Thema dieses Filmes macht, braucht sich die animalische Bedrohung nicht lange zu verstecken, sondern rückt sich unter aus Formicula bekannt vorkommender Geräuschkulisse schnell ins Bild und damit in die Herzen der Zuschauer. Riesige Skorpione schlachten rasant ein um die Reperatur der Telefonleitung bemühtes Mechanikerteam und bedrohen das abgeschiedene Dörflein. Verzeilich dabei, daß in Panik aufeinander treffende Personen im Dialog nicht im Geringsten über die Gattung der monströsen Bedrohung stutzen, sondern weiter ihr Heil in der Flucht suchen, wo den meisten doch erstmal ein zünftiges: "Ja, ne, is klar, Murrat..." entfleuchen würde.
Als die Geologen in die freigelegte Höhle hinabsteigen, tut sich eine an den Grenzen der Mittel knabbernde Welt auf, in der es nicht nur von Skorpionen wimmelt, sondern auch ein Wurm sowie eine Spinne aus der verlorenen Spinnengrubenszene in King Kong und die weiße Frau zum Einsatz kommen. The Black Scorpion hebt hier ein besonders großes Exemplar als möglichen Anführer hervor und läßt die Krabbeltiere in einem kannibalischen Akt vornehmlich auf sich selber losgehen.

Töricht, wer hier glaubt, die in letzter Verzweiflung durchgeführte Sprengung des Höhleneingangs wäre schon die Allzwecklösung gewesen. Angeschlossen an ein Höhlensystem, begeben sich die Monster in Richtung Mexico City. Vom Umfang kann der Aufwand hier zwar nur als zweckmäßig eingestuft werden, doch vergleicht man, wie wenig andere B-Filme an dieser Stelle geboten haben, wirkt The Black Scorpion an dieser Stelle noch sehr gut. Sogar die Konfrontation zwischen Modelleisanbahn und Kreatur verläuft hier wesentlich aufwändiger und glaubwürdiger, als die ähnliche, aber haarsträubende Szene in The Giant Gila Monster.
Wenn beim großen Finale schließlich Militär und Kreatur noch einmal Auge in Auge konfrontiert werden, weicht der Film kaum vom Instantrezept ab. Doch das leere Stadion erinnert noch einmal an den ausgestellten King Kong oder einen Circus Maximus, wo Menschenmassen schaulustig jubelten. Jetzt, wo sie wahre Helden feiern könnten, gibt es keine Zuschauer. Dieser Kampf um die Sicherheit eines ganzen Landes findet einsam statt.

Wissend um das vorhandene Potential der Effektschmiede um Willis H. O'Brien, der persönlich wie beruflich nach seinen großen Filmen einige Tiefpunkte zu überwinden hatte, fragt man sich natürlich, wie The Black Scorpion hätte aussehen können, wenn Zeit und Geld vorhanden gewesen wäre. Auch die Zeit spielt bei O'Briens noch sehr langsamen Verfahren eine große Rolle, was für ein eventuell schnell abgefragtes Monsterfilmchen Einbußen auf Seiten der vielfältigen Details bedeutet. Anstatt liebevoller Kleinigkeiten liefert Obies Studio hier lediglich ab und wird durch eine nach zeitgenössischen Genrekonventionen häufigen Einblendungen einer Fratzen-Nahaufnahme sogar stilecht in die Monstermania integriert.
Bedenkt man die Vielzahl von Überschneidungen praktisch aller Kreaturenfilme dieser Epoche, so kann man The Black Scorpion jedoch seine über weite Teile erstreckte Innovationsfreiheit angesichts der soliden Ausnutzung aller Möglichkeiten schnell verzeihen. Der Film unterhält durchgehend und erfüllt so seinen Zweck hervorragend.

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