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Vielleicht ist Robert Bentons Stil tatsächlich etwas zu altbacken für das heutige Publikum. Immerhin hatte er wenige Jahre zuvor schon den späten Paul Newman Film Nobody's Fool inszeniert, dessen menschliche Größe auch nur bedingt zum Publikum durchsickern konnte. Doch auch Im Zwielicht bietet unterm Strich durchaus mehr Sehenswürdigkeiten als Reese Witherspoons Sportschnuller.
Die von den meisten Überraschungen durchzogene Sequenz ist dennoch ohne Frage die Einleitung, in der wir noch nicht so recht wissen, was wir vom Privatdetektiv Harry Ross (Newman) zu halten haben. Mit diesem Schnüffler im Rentenalter versucht Benton nicht den Detektiv- und Noirfilm beziehungsweise die Kondensation der Folgegeneration daraus in die moderne Zeit zu übersetzen, er kopiert ihn jedoch auch nicht. Vielmehr bedient er sich unter anderem auch Gene Hackman, Susan Sarandon und James Garner, um zu zeigen, wo die Figuren des harten Hollywoodfilms heute abgeblieben sind. Damit steht er Billy Wilders Sunset Boulevard in der Herangehensweise relativ nahe.

Robert Benton, als Autor von Bonnie und Clyde quasi Veteran des New Hollywood, verarbeitet seine Geschichte unter ähnlichen Herausforderungen wie zuvor schon Nobody's Fool. In Wünschen, Gedankengängen oder Erfahrungen zu einem gewissen Teil sicher autobiographisch - immerhin ist Benton selber Jahrgang 1932 und scheint in der Reife ein Hauptthema gefunden zu haben - befindet sich Newman in einer gewissen Abhängigkeitssituation. Auch eine Beinverletzung ist quasi identisch, genauso, wie der Protagonist nun, obwohl noch zu erstaunlichen Leistungen fähig, mit seinem fortgeschritten Alter fertig zu werden hat.
Newman ist in Im Zwielicht nicht ganz so arg der fluchende Griesgram. Eher wirkt er durchaus aus einer tiefen Verbundenheit hilfsbereit, jedoch erweist sich diese Bindung nicht für alle Parteien als befriedigend. Im Fall selber lassen sich gewisse Parallelen zur früheren Newman-Figur Lew Harper (Ein Fall für Harper, Unter Wasser stirbt man nicht) nicht leugnen.

Benton paßt sich in Rhythmik und Tempo seinen Figuren an, was im Kontrast zum immer jungen und agilen Hollywood als ein mutiger Schritt erscheint. Vielleicht sind seine Filme deshalb schon so erfrischend anders. Er hat den mangelnden Generationswechsel als einer der ersten adaptiert, markiert mit diesem Grenzstein den unbedingten Bedarf an großen Schauspielern, die über eine eingeschränkte Trendpopularität hinaus in der Lage sind, große Filme zu tragen. Gerade eine dieser potentiellen Größen hat er engagiert, um sie nach einer aufsehenerregenden Einführung als wenig schillernde Nebenrolle verkümmern zu lassen. Es ist die Frage, ob er Reese Witherspoon nun mehr geholfen hat, als sie als Publikumsmagnet für die jüngeren Zuschauer zu benutzen.
Wenn junge Menschen in Im Zwielicht auftreten, dann sorgen sie für Ärger, sind frech oder inkompetent. Doch so verbittert diese Sicht erscheinen mag, so sehr sollte sie in Anbetracht der Alten auf dem Sterbebett und Weg in den Ruhestand als Aufruf an die Filmindustrie verstanden werden. Das Publikum beweist ein höheres Interesse an inhaltsleeren Knallbonbons, die diesen Kommentar ohne weiteres übertönen. Irgendwie traurig.

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