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Dirty Harry (1971)
Eine Kritik von Fastmachine (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 11.04.2004, seitdem 393 Mal gelesen
Dirty Harry ist Clint Eastwood und Clint Eastwood ist Dirty Harry. Dieser Film begründete einen Mythos, der Schauspieler und Rolle zusammenwachsen ließ. Schwer ist es, sich unvoreingenommen den ersten Dirty Harry Film anzusehen, da man schon vorher glaubt, alles darüber zu wissen.
Es ist auch nicht so, dass man diesen Film wieder entdecken müsste. Seine Qualitäten sind seit über dreißig Jahren bekannt, auch Gegner erkennen sie meist an. Was fällt auf, wenn man trotzdem vorsucht, sich mit unverstelltem Blick dem Film und auch der ganzen Reihe zu nähern?
Dirty Harry bleibt auch nach dreißig Jahren ein spannender Polizeifilm. Der Film ist bei weitem nicht perfekt in Handlung und Dramaturgie, ja er ist sogar fahrig und unkonzentriert in der zweiten Hälfte. Punkten kann er mit einer illusionslosen, schmutzigen Atmosphäre, die sich selbst heute nur wenige Filme zutrauen. Wer genau hinsieht, wird einen Clint Eastwood entdecken, der hier keineswegs übertrieben agiert, sondern völlig eingepasst in die Gesamtheit des Films. Hier begründet Eastwood einen Mythos, aber er lebt nicht davon, wie in den späteren Filmen der Reihe. Spätestens ab Teil 3 gerät Harry zur Karikatur seiner selbst. Diese Filme sind nur Durchschnitt, der Dirty Harry Mythos muss sie tragen, damit sie wirken. Das ist im ersten Teil eben nicht der Fall.
Oft wird gesagt, der Film sei geradlinig. Das ist er nur bis zur Hälfte. Hier wird uns die Geschichte eines Heckenschützen erzählt, dessen Motivation zwar im Dunklen bleibt, aber der als Psychopath vollkommen glaubwürdig dargestellt wird. Die Szenen der Lösegeldübergabe im Park, mit Harry als Geldboten, gehören zu den Glanzpunkten des Films, ja sie wären ein würdiges Finale.
Indes geht der Film weiter: Der Heckenschütze wird jetzt endgültig zum vollkommen durchgedrehten Wahnsinnigen. Harry, enttäuscht von Polizeibürokratie und Justiz, wird im Gegenzug zum endzeitlichen Streiter für das Gute. Als der Gangster einen Schulbus entführt, wartet Harry auf ihn: einsam und offen steht er auf einer Straßenbrücke in der gleißenden Sonne: Spätestens hier verabschiedet sich der Film vom Anspruch des Realismus. Vorbild dieser Szene war ganz eindeutig der Italowestern: Wie auf dem Präsentierteller stehen sich die Feinde gegenüber, starren sich endlos an, um dann den Endkampf zu beginnen. Nur einer kann überleben. Wer hier gewinnt, ist klar.
Der Endkampf im Steinbruch ist eindrucksvoll, aber nicht mehr ein Duell zweier gleichwertiger Gegner, wie noch im Park. Harry ist nun der unerbittliche Jäger, der Bösewicht zunehmend kopflos auf der Flucht, dem Ende entgegen.
Harry hat sich aus dem System verabschiedet. Filmisch war es längst klar, am Ende wird dies anhand der Polizeimarke offen vollzogen. Im Grund endet hier schon der Polizeifilm Dirty Harry. Es beginnen hier die Filme über die Ikone Dirty Harry, die nur noch unter anderem auch Polizeifilme sind.
Der Film erschien 1971. Ein gutes Jahr für den Polizeifilm, denn gleichzeitig erblickte auch „French Connection“ das Licht der Welt. An Atmosphäre und Spannung steht er Dirty Harry nicht nach, ja er ist dramaturgisch sogar deutlich besser. Die schauspielerische Leistung Gene Hackmans möchte ich über der von Eastwood ansiedeln. Natürlich ist „French Connection“ auch heute noch vielen ein Begriff. Aber fragt man Fünfzehnjährige danach, wer Gene Hackman ist, wird man wohl Schulterzucken ernten. Clint Eastwood und Dirty Harry dagegen kennt jeder. Der Mythos lebt.
Also: Die mythische Figur „Dirty Harry“ bekommt 10/10, die Atmosphäre 9/10, Handlungsaufbau und Motivation des Ganzen aber nur 7/10. Da ich heute nüchtern bin, und vorrangig den Film bewerte, nicht aber den Mythos, bleiben 8/10.
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