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Eraserhead (1977)

Eine Kritik von Arminowitsch (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 01.03.2003, seitdem 2354 Mal gelesen


Verfilmung des Albtraums.

David Lynchs Erstlingswerk zeigt bereits in voller Härte, was der malereibegabte Engländer drauf hat. Zum Inhalt lässt sich, wie bei vielen Lynch-Filmen in aller Kürze wirklich nichts sagen (erst recht hier nicht), da die gesamte Logik hinter dem Film wieder eine kaum nachzuvollziehende Traumlogik ist. Nur so viel: David Lynch hat es hier geschafft, einen wahren Albtraum sehr originell, ästhetisch und sehr bizarr in Szene zu setzen. Das verdient alleine schon Anerkennung, denn ein jeder, der schon mal Albträume hatte (wer nicht?) und "reif" genug ist, sich in den Film hineinzuversetzen, der erlebt hier sozusagen eine zugespitztere noch abstrusere Form dessen. Alles, was einen nachts zum Schwitzen bringt und brachte, ist hier aufzufinden: unerklärliche Schockeffekte, angsteinflößende Realitätsverzerrung, unangenehm bizarr anmutende Umgebungen und Formen...
Genau deshalb darf auch die starke Symbolik nicht fehlen. Lynch arbeitet hier auf breitester Basis und gibt sehr penibel (was auch seine Mitarbeiter bestätigen) jedem kleinsten Geräusch, jeder Requisite und jedem gesprochenen Wort einen metaphorischen, mehrdeutigen Sinn, sodass es für "Eraserhead" kein "Richtig" oder "Falsch" hinsichtlich der Interpretation gibt; vielmehr entdeckt jeder individuell für sich bedeutungsschwangere Details, die ein anderer womöglich übersieht.
Zudem zeigt der Film auf surrealistische Weise ein verzerrtes, finsteres Gesellschaftsbild, in dem Dinge wie z.B. Familie, Arbeit, Liebe, Sexualität bis zur Unkenntlichkeit "mutiert" dargestellt sind.

Der Film wirkt wie die Gedichte des Expressionismus und die Bilder beispielsweise des Surrealismus zugleich, auf allen Ebenen der Wahrnehmung. Der Zuschauer erlebt dabei eine Reise in sein eigenes Unterbewusstsein und entdeckt Gefühle, die es sonst nur in Träumen gibt. Genau die Tatsache, dass hier eine wirklich anspannende, angsteinflößende Atmosphäre geschaffen wird, derer man sich nicht entziehen kann, wenn man nur lange genug hingesehen hat, macht Eraserhead zu einem der besten und originellsten Vertreter des Horror-Genres. Denn ein guter Horror-Film ist immer auf eine bestimmte Art abstrakt und bizarr, oft sehr fantastisch, aber immer mit einem Bein in der Realität verankert (das schafft schließlich die Angst) und beschränkt sich eben keinesfalls nur auf Töten, Schlachten und ein Aneinanderreihen von Schockmomenten. Ein guter Horror-Film, das ist künstlerische Umsetzung des Unterbewussten und des Surrealen. Ein guter Horrorfilm, das ist Eraserhead, als einer der wenigen.


...Ach ja, da ich oft bei Kritiken zu "Pi" (damit meine ich nicht speziell die hiesigen Reviews) Vergleiche zu Eraserhead feststellen musste: Stilistisch stimmt das nur bedingt. Nur weil beide Filme in einem sehr "dreckigen", kontrastreichen Schwarz-Weiß gedreht wurden und beide mit abstrakten Metaphern und Bildern spielen, heißt das noch lange nichts. Man sollte hier direkter vergleichen.


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