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Duell - Enemy at the Gates (2001)
Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 6/10) eingetragen am 20.05.2006, seitdem 669 Mal gelesen
Aufwendige europäische Großproduktion, die jedoch inhaltlich nicht mit den hohen production values mithalten kann.
Der auf „Der Soldat James Ryan“ getrimmte Auftakt beschäftigt sich aber noch kritisch wie aufwendig mit der Lage der russischen Truppen im Stalingrad des Jahres 1942: Wer sich nicht verheizen lässt, wird kurzerhand erschossen, Truppen hat man ja genug, allerdings ur Waffen für die Hälfte der Leute. So müssen sich zwei Leute ein Gewehr teilen und die deutschen Truppen richten mit besserer Bewaffnung (Stukabomber usw.) ein Gemetzel unter den Infanteristen an, die von ihren Politoffizieren unbarmherzig angetrieben werden.
Auch der junge Vassili Zaitsev (Jude Law) befindet sich in dem Regiment und versteckt sich auf dem Schlachtfeld zwischen Gefallenen: Als er dort auf den Politoffizier Danilov (Joseph Fiennes) trifft und vor dessen Augen mit einem Karabiner einer Meisterschuss vollbringt, hat er einen neuen Freund gefunden. Dieser stilisiert ihn zum Helden, womit „Duell – Enemy at the Gates“ sich mit einem Thema beschäftigt, das in vielen Kriegsfilmen kaum behandelt wird: Die Nutzung von Propaganda.
Von da an ist Zaitsev als Scharfschütze tätig, hat Erfolg und wird von der Propagandapresse als Held gefeiert. Da dies droht den Mut der deutschen Truppen zu schwächen, holt man den Scharfschützen Major König (Ed Harris), um Zaitsev zu töten…
So wandelt sich der anfängliche Kriegsfilm schnell zum simplen Scharfschützenthriller, der nur vor der Kulisse des Zweiten Weltkrieges stattfindet. Kritische Blicke auf die Zustände hat nur der Anfang parat, wenngleich „Enemy at the Gates“ zum Glück nicht allzu klischeehaft wird, jedoch ganz frei davon ist er nicht: Russische Offiziere müssen sich bei Versagen stets und ständig selbst richten, der deutsche General hat mindestens einen Speichellecker dabei usw.
So mag der Krieg bald nur noch Kulisse sein, doch immerhin eine recht ansprechende: „Enemy at the Gates“ ist einer der teuersten europäischen Filme und das sieht an der Ausstattung an, die für ein dreckiges realistisches Flair sorgt. Sowieso kann man Regisseur Jean-Jacques Annaud wenige Vorwürfe machen, denn Stimmung kann „Enemy at the Gates“ schon verbreiten, vor allem in den Szenen, in denen sich die beiden Meisterschützen ihre Opfer oder einander belauern. Keine große Action, stattdessen kleine Gefechte getreu dem alten Snipermotto „One Shot, One Kill“.
Abseits des Schlachtfeldes kann „Enemy at the Gates“ jedoch weniger überzeugen. Recht ordentlich, aber keinesfalls überragend ist der Mainplot um das Duell zwischen Zaitsev und König. Beide Seiten versuchen die Gegner auszuspielen, indem sie Informanten nutzen, Leute opfern, um die Position des gegnerischen Schützen herauszukriegen usw. Auch die Erfolge und Niederlagen beider Männer werden stets und ständig für Propaganda ausgeschlachtet, was den Druck noch verstärkt und dem Duell mehr Brisanz verleiht.
Unschöne Bremser in der Geschichte sind dafür die Subplots um Zaitsev, Danilov und die Soldatin Tania Chernova (Rachel Weisz). Wie es denn sein muss, verlieben sich beide in dieselbe Frau, der Film lässt Danilov aber immer negativer dastehen, sodass sein Werben immer unberechtigt und anmaßend wirkt. Es kommt zum großen Streit, in dem sich Zaitsev natürlich richtig und Danilov natürlich falsch verhält, Klischee lass nach. Man muss nicht besonders helle sein, um zu erraten, wer die Frau am Ende kriegt, kitschige Schlussszene inklusive.
Auch darstellerisch ist „Enemy at the Gates“ nicht immer optimal. Jude Law ist in der Hauptrolle recht ordentlich, Joseph Fiennes hingegen bleibt furchtbar blass und auch Rachel Weisz kann kaum Akzente setzen. Ganz groß trumpft dafür Ed Harris als Gegner auf und stiehlt dem Rest der Truppe mit seiner charismatischen, gar nicht mal gänzlich unsympathischen Verkörperung der Figur ganz einfach die Show. Mit wenig Screentime bedacht, aber ebenfalls gut: Bob Hoskins und Ron Perlman.
Unterm Strich bleibt ein ganz ordentlicher Scharfschützenthriller im Gewand eines Kriegsfilms. Spannungsmomente gibt es einige, Atmosphäre hat „Enemy at the Gates“ ebenfalls doch diverse Hänger durch Subplots sorgen für Längen. Recht ordentlich, aber nicht herausragend.
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