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Duell - Enemy at the Gates (2001)

Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 28.12.2003, seitdem 1605 Mal gelesen


Es sollte eine Antwort auf Steven Spielbergs „Der Soldat James Ryan“ werden und gleichzeitig zeigen, dass der europäische Film der amerikanischen Traumfabrik durchaus Paroli bieten kann. Man stattete den renommierten Regisseur Jean-Jacques Annaud („Der Name der Rose“, „Sieben Jahre in Tibet“ mit einem Riesenbudget von 100 Millionen Euro und künstlerischer Freiheit aus – vielleicht mit etwas zu viel, denn „Enemy at the Gates“ ist leider nicht der erwartete, spannungsgeladene Kampf zweier Scharfschützen in den Ruinen des umkämpften Stalingrads.

Spätestens seit Steven Spielbergs Geschichtsstunden weiß man, dass die ersten Minuten in solchen Spektakeln sitzen muss und so begleiten wird den jungen Soldaten Vassili Zaitsev (Jude Law) auf seinem Weg in die Stadt an der Wolga. Noch nicht das Grauen erahnend, kündigen verschlossene Waggons an, dass etwas Bedrohliches bevorstehen soll. Als man an seinem Ziel ankommt, sieht man im Hintergrund nicht nur das zerstörte Stalingrad, sondern auch noch den Fluss, der überquert werden muss und dabei zahlreiche Opfer fordert, vor sich. Stukas stoßen auf die unbewaffneten Boote herunter, von Angst erfüllte Soldaten springen in die Fluten und werden von Politoffizieren als Deserteure bezeichnet und erschossen. Da die Bewaffnung nicht nur qualitativ schlecht ist, sondern auch nur jeder zweite Soldat eine Waffe bekommen kann, rennen Tausende in ihr Verderben. Von vorn die MGs der Deutschen und von hinten das Politbüro, dass jeden erschießt, der nicht vorrückt. Ausufernde Schlachtszenen werden hierauf nur noch sporadisch und in kleinerem Rahmen stattfinden.

Annaud hat seine Hausaufgaben gemacht, inszeniert packend, blutig und, sofern ich das beurteilen kann, realitätsnah, ohne auf plakativ abgerissene Körperteile oder explizite Verletzungen zurückzugreifen, wie Spielberg es bei seinem Angriff auf die Normandie zelebrierte. Das „Mittendrin statt nur dabei“ Gefühl stellt sich in diesem gnadenlosen Kampf ein, denn er beweist, dass Krieg grausam ist. Kugeln fliegen uns um die Ohren, Menschen werden gnadenlos niedergemetzelt und ringsherum schlagen die Granaten in die letzten verbliebenen Gebäude ein. Nicht nur die Action, sondern auch die Kulisse, dass in seiner Zerstörung geisterhaft wirkende Stalingrad, ist ein beeindruckender Alptraum.

Als das Inferno vorbei ist, türmen sich Leichenberge sowjetischer Soldaten auf, unter ihnen Zaitsev, mit dem Unterschied, dass er sich nur tot stellt. Hier trifft er auf den Politoffizier Danilov (Joseph Fiennes), der ihm nach fünf meisterlichen Schüsse als Zugpferd der Propaganda sieht. Ab hier beginnt das Script langsam sauer aufzustoßen. Nicht nur, dass Danilov wie ein Irrer mit seinem Auto durch die Front rast, es muss sich auch noch ein fetter deutscher General, mitten im Kampfgebiet als Ziel anbieten, in dem er dort seine Morgentoilette verrichtet. Na besten Dank! Aber es soll, nachdem auf russischer Seite ein wenig mit Klischees jongliert worden und die Hierarchie gestrafft worden ist, besser werden, denn Zaitsev wird zu den Scharfschützen versetzt und soll von nun an zur lebenden Legende, ideal für aufbauende Propagandamaßnahmen, avancieren

Das geht so lange gut, bis zwei Dinge eintreten. Zum einen offenbart sich in seinem Unterschlupf die sowjetische Soldatin Tania Chernova (Rachel Weisz), welche den sagenumwobenen Schützen nicht nur anhimmelt, sondern bald auch schon von den beiden Freunden Zaitsev und Danilov umworben wird, was zu einer komplizierten Dreiecksbeziehung wird, die schließlich die Freundschaft der beiden zerstören soll. Wer jetzt glaubt, dass dies ein kleiner Subplot wäre, den muss ich enttäuschen, denn dieses Drama wird ausgewalzt und soll sogar zu einem heftigen Angstfick führen – womit ich dann auch erstmal bedient war. Ein gewisser Major König (Ed Harris), extra aus Deutschland angereist, gibt dem Film gerade so noch den entscheidenden Kick, bevor er sich im Leerlauf totgestrampelt hätte. Als Meister seines Fachs soll er Zaitsev ausschalten, um die Moral der eigenen Truppe aufzubauen. Dank Ed Harris ernster, charismatischer Spielweise brachte zumindest ich, diesem Gegner wesentlich mehr Sympathien entgegen. Seine Auftritte strotzen vor Selbstbewusstsein und Professionalität, er zweifelt selbst, wie später deutlich wird, am Sinn dieses Kriegs, aber er ist bereit seinen Teil zum siegreichen Ende beizutragen. Königs Strategie ist gerissen und minutiös durchdacht seine Pläne – ein wahrhaft würdiger Gegner, der sein Ziel auch schon bald vor die Flinte bekommen soll.

Wieder ist der Kampf, das Katz- und Mausspiel zwischen den beiden, auch dank Ron Perlmans kurzem Mitwirken als Ex-Schüler des elitären, deutschen Scharfschützen wirklich sehenswert. Zaitsev versucht seinen schier übermächtigen Gegner als der Reserve zu locken, welcher das vorhersieht, weil er ihm stets einen Schritt voraus ist, verfehlt sein Ziel diesmal jedoch. Insbesondere das ersten Zusammentreffen in einem Gebäude, dass von den heran fliegenden deutschen Bombern und der sich entladenden Flacht erschüttert wird, zeugt von Annauds Können. Leider wird dazwischen nun jedoch immer wieder auf diese alberne Beziehungskiste zurückgegriffen, die nicht die Bohne interessiert und das spannende Szenario ausbremst. Viel spannender ist es doch herauszufinden, wo König seinen nächsten Versuch startet oder Zaitsev auf seine Weise zum Ziel zu gelangen versucht.

So endet „Enemy at the Gates“ natürlich, mit ziemlich drastischer Charakterreduzierung in einem finalen Duell, nach dessen Ausgang man resümieren darf und diesem Film immerhin zugestehen muss, dass er sich zu einem Großteil von gängigen Klischees, auch wenn dieses ab und zu durchleuchten, fern hielt. Jude Law und Joseph Fienes können dabei leider in keiner Szene gegen Ed Harris Boden gutmachen und liefern nur durchschnittliche Leistungen ab. Als etwas enttäuschend und oft etwas unpassend erwiesen sich Horners Kompositionen, da er sich anfangs sehr in orchestrale Töne verliebte und erst später die richtigen Laute trifft. Ergänzend sei noch erwähnt, dass sich, zumindest in der deutschen Synchronisation, ungewöhnlich oft moderner Wörter bedient wird, die damals noch nicht mal existierten.

Fazit:
„Enemy at the Gates“ ist ein typischer Kriegsfilm der Neuzeit mit beeindruckenden Effektspektakeln wie Kulissen. Jean-Jacques Annaud inszeniert nicht so plakativ wie das amerikanische Kino, vermittelt das Grauen des Krieges aber dennoch. Die Mängel sind im Plot zu finden, der sich, an statt auf ein lineares Sniperduell zweier Persönlichkeiten zu konzentrieren, allzu oft in dieser seltsamen Dreiecksbeziehung verfängt und dem Film so der Spannung beraubt. Während Ed Harris hier eine unvergessliche Leistung abgibt, bleiben Jude Law und Joseph Fienes eher unauffällig. Es ist kein schlechter Kriegsfilm, sicher sehenswert, aber von Genregrößen wie „Der Soldat James Ryan“ oder unvergesslichen Klassikern wie „Steiner“ doch recht weit entfernt.


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