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Into the Mirror (2003)

Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 05.02.2005, seitdem 1132 Mal gelesen


Im Osten nichts Neues – jedenfalls nichts Wesentliches. Es ist nur allzu bekannt was Regisseur Kim Seong-ho hier mal wieder an Motiven bemüht, um dem koreanischen Publikum das Gruseln zu lehren. Ein tragischer, nie aufgeklärter Tod, der unruhige, tödlich reagierende Geist, das verfluchte Gebäude und die so sehr mit ihrem eigenen Schicksal hadernde Hauptfigur.

Der Titel „Into the Mirror“ fasst den Film eigentlich auch schon recht gut zusammen. Denn in den Spiegeln eines im Vorjahr abgebrannten und jetzt vor der Wiedereröffnung stehenden Kaufhauses lauert etwas Todbringendes, dass sich dann gleich in der Opening-Sequenz sein erstes Opfer sucht. Die düsteren Bildkompositionen dieses eigentlich nur des Nachts zu Hochform auffahrenden Mysterythriller tragen ihren Teil zu der beklemmenden Stimmung bei. Irgendwann ist der Zuschauer soweit, dass er bei jedem Blick der Figuren in den nächstbesten Spiegel, gleich die nächste Gräueltat einplant. Das weiß Kim Seong-ho und spielt im Verlauf auch genüsslich mit dieser Gruselbereitschaft.

Haupt- und gleichzeitig Identifikationsfigur ist der junge Sicherheitschef Young-min. Der bis vor wenigen Jahren noch als talentierter Cop und erstklassiger Schütze geltende Mann verschuldete den Tod einer Geisel, weil er zu selbstsicher in einen Spiegel (!!!) schoss. Seitdem schleppt er ein Trauma mit sich herum, hat nie wieder eine Waffe in die Hand genommen und verdient sich sein Geld auch nur, weil sein Onkel zufällig Chef des Ladens ist.

Als die ersten Mordopfer aufgefunden werden und seine ehemaligen Kollegen zu ermitteln beginnen, gerät der in Selbstmitleid versinkende Young-min schnell ins Visier der Fahnder, da die einen Insider und Linkshänder, wie Young-min einer ist, für den Täter halten. In Wirklichkeit ist der Hund ganz woanders begraben.

Die Schiene, die Seong-ho hier fährt, ist mit Sicherheit keine neue, aber dafür ist sie sehr effektiv. Die Verselbstständigung der Spiegelbilder ist raffiniert und technisch einwandfrei inszeniert und lässt dem Publikum ein ums andere Mal einen kalten Schauer den Rücken hinunterlaufen. Die oben schon erwähnte düstere Optik trägt ihren Teil zu den nächtlichen Morden natürlich bei.

Die Krimikomponente funktioniert indes weit weniger, weil der Zuschauer nun mal zum Schluss vor den Kopf gestoßen werden muss und die Cops natürlich schlecht Richtung Übernatürliches ermitteln können. Dafür gelingt „Into the Mirror“ dabei aber eine, abgesehen vom dämlichen Assistenten, gelungene Charakterisierung seiner Hauptdarsteller.

Die Schocks werden sparsam eingesetzt. Berstende Spiegel verfehlen, auch aufgrund der in dieser Hinsicht effektiven Musikbegleitung, ihr Ziel jedoch nie. Das eigentlich weniger überraschende Finale konzentriert sich dann aber auf einen ganz bodenständigen, natürlichen Kampf auf Leben und Tod – ohne dabei auf eine familiengerechte Inszenierung zu achten. Seong-hos inszenatorische Spielereien mit Spiegel und Licht kommen auch hier wieder zum Einsatz. Überhaupt grenzt sich seine Inszenierung vom Standardprodukt durch endlich mal innovative Ideen, wie das Herauszoomen aus der Heckscheibe eines Autos mit darin spiegelnden Tiefgaragenbeleuchtungen, ab.


Fazit:
„Into the Mirror“ ist ein gut gespieltes, top inszeniertes, narrativ etwas zähes Gruselkrimikonstrukt aus Südkorea, dass sich dann doch überraschenderweise über dem Durchschnitt ansiedelt. Ich für meinen Teil hätte mir ein etwas höheres Tempo und straffere Dialoge gewünscht, aber meinen Wünschen werden die Jungs dort drüben wohl nie nachkommen . ;-)


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