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Staffel 15

Seit Januar 2002 ausgestrahlte Krimiserie im Vorabendprogramm des ZDF, die sich schnell zu einem dauerhaften Publikumserfolg mit auch Beteiligung bei jüngeren Zuschauerklientel als üblich mauserte und seitdem fester Bestandteil des Sendeschemas, mit einer auch jeweils zahlreichen Programmierung sowohl neuer als auch der Wiederholung alter Episoden ist. Dass sich das ZDF als Träger des Öffentlich-Rechtlichen Fernsehens nach dem Wegfallen anderer bisheriger Garanten wie dem Forsthaus Falkenau oder der Küstenwache weiterhin sehr auf die im Grunde allseits beliebte, nach erster Häme vor allem aufgrund des Titels mittlerweile längst etablierte Serie verlässt, lässt sich durch die durchgängig hohe Vorbestellung von mindestens 20, teilweise bis zu 30 Folgen/Jahr und so der langen Abdeckung über Wochen und Monate hinweg sehen. Zudem wurden bereits früh zwei Serienspecials in Auftrag gegeben, die in Spielfilmlänge zur direkten Abendzeit ausgesendet wurden und ist die Auswertung auch im Verkauf auf DVDs (sowie Büchern, Autogrammkarten etc. pp.) ein anhaltend lukratives Geschäft. [Bis zur Neuauflage der gesamten Staffelboxen im Repack wurden die bis dato als OOP gehandelte Serie auf den gängigen Verkaufsplattformen zu teils absurden Höchstpreisen angeboten und auch so verkauft.]

Das Erfolgsrezept ist dabei klar und eigentlich auch nicht schwer zu verstehen, aber dennoch nicht einfach zu kopieren, auch wenn der Sender selber dies bislang mindestens zweimal, mit Kripo Holstein und dem noch offensichtlicher angelehnten, auch mit Gaststars der Originalserie hausieren gegangenen Die Garmisch-Cops probiert hat. Während bei beiden 'Nachzüglern', die mehr oder minder das Gleiche mit gleichen Mitteln, aber ohne Geschick versuchten, nach zwei kleineren Staffeln Schluss war, sind Die Rosenheim-Cops mittlerweile auf 15 Jahrgänge angewachsenen und ist ein Ende bislang nicht in Sicht. Das Wesen der Serie lässt sich mittlerweile vor allem durch die Abwechslung zwischen Krimi als Rahmen und dem privaten Allerlei der Figuren in der tatsächlich roten Linie der Handlung erklären, ist der Anteil zwischen beruflich und persönlich auf gute 50/50 aufgeteilt und die jeweilige Klärung des Mordfalles und das Fangen des Täters so wichtig eigentlich nicht. Ein Platz zur gewohnten Zeit, Wo man alle Fünfe tatsächlich grad sein lassen kann. "Grüß Gott beinand !":

Im Polizeirevier zu Rosenheim herrscht wie immer hektisches Treiben. Aufgrund von personellen Engpässen, die sich vor allem aus dem Weggang des noch jungen Kommissar Sebastian König [ Mark-Alexander Solf ], des bis dato beurlaubten Sven Hansen [ Igor Jeftic ], des anfangs noch anderweitig umtriebigen Korbinian Hofer [ Josef Hannesschläger ] und des nur ausgeliehenen Anton Stadler [ Dieter Fischer ] ergeben, wechseln nicht nur ständig die Mordopfer und Verdächtigen im schönen Bayern, sondern auch die ermittelnden Beamten. Teilweise muss nun an der Front zeitweise gar vom Polizeidirektor Gert Achtziger [ Alexander Duda ] ausgeholfen werden, werden es im Büro selber auch drunter und drüber geht. Die festangestellte Sekretärin Miriam Stockl [ Marisa Burger ] und der das hausinterne Unikum, der Polizeibeamte Michael Mohr [ Max Müller ] halten den Laden zwar am Laufen, werden aber weiterhin durch die Controllerin Patrizia Ortmann [ Diana Staehly ] gepiesackt und durch das ständige Hereinschneien ihres eigentlich in München sitzenden Vorgesetzen Felix Seitz [ Gábor Biedermann ] nicht wirklich erlöst. Dennoch müssen die Fälle um einen toten Handwerkerkritiker [ Folge 3 "Der letzte Pfusch" ], einen ermordeten Heiratsschwindler [ Folge 5 "Der falsche Kaiser" ], einen erschlagenen Notar [ Folge 6 "Der Tod des Grafen" ] usw. schnellstmöglichst gelöst werden.

Zwar wird wie gehabt und dies seit Beginn an ein Opfer als (dekorative) Leiche gleich in der ersten Szene, ohne Aufbau, ohne Einleitung oder etwaige Warnung für die Zartbesaiteten präsentiert, und erfolgt auch tatsächlich die Ermittlung im Zusammenspiel der Kommissare mit weiteren Teamkollegen, steht dies aber immer hinter der Zeichnung der Hauptfiguren, der schon länger anwesenden Nebenfiguren und dem Geklüngel dazwischen, der Spezlwirtschaft aller Beteiligten zurück. Wer den Krimi sehen und den oder die Täter raten will, kann dies mithilfe von Hinweisen und dem üblichen crime procedural von Abfragen nach Zeugen, nach Alibis, nach Feinden des Opfers und dem Checken von Anruflisten, Kontoauszügen, der wirtschaftlichen Verhältnisse, der Post des Nachlassgerichtes in Form des Testaments und dem Abwarten des pathologischen Berichtes auf jeden Fall und gerne tun. Verdächtige werden auch genug, aber auch übersichtlich und Reihe nach, auf keinen Fall mehr als ein halbes Dutzend und mit glaubhaften bzw. klassischen möglichen Mordmotiven aus der Funduskiste präsentiert.

An erster Stelle steht dabei oft die verschmähte Liebe, die Eifersucht, oder "Das süße Erbe", der "Kampf um die Krone", “Tödliche Laster“, gleichgezogen mit der Gier, vielleicht noch gefolgt von einem gefährlichen Wissen, was die potentiellen Verbrecher dann zum Handeln und zur Ausführung der Tat zwingt. Sowieso fällt auf, dass hier in der Gegend um Rosenheim – die Stadt selber wird kaum gezeigt, und ist ganz ehrlich, in der Innenstadt auch enttäuschend und keinen Besuch wert – oft die Zweigleisigkeit und die Untreue und damit Lug und Betrug in den Premium-Gesellschaftsschichten regiert, was allerdings keinen Nachteil auf das Klima der Leute und sicherlich auch keinen touristischen Rückgang zur Folge hat.

Während das reale Rosenheim mit eher negativen Schlagzeilen aufwartete, die Stadt selber ihrer namensverliehenen Serie gegenüber auch gar nicht so positiv, wenn im besten Falle gleichgültig eingestellt ist und Bayern als Oberbegriff auch nicht jeder mag, kommt das fiktive Rosenheim, dass nunmal nicht der Boden der Tatsachen, sondern eine Wohlfühloase der Phantasie ist, durchgängig im ganzen Lande als manierlich oder bejahend, also als im guten Sinne weg. Die Sonne scheint immer, die Temperaturen sind angenehm, die Kleidung der Leute entsprechend, was bei den (schicken) Frauen zu locker-luftigen Röcken knapp oberhalb des Knies und auch zu sichtbaren Dekolletes, bei manchen gar zur vielen Einblicken vom Holz vor der Hütt'n, gerade bei der langjährig anwesenden Frau Hofer führt. Außerdem ist alles machbar, werden Probleme zwar gezeigt und vor allem auch Missverständnisse im Büro als Dreh- und Angelpunkt der Serie aufgeworfen, aber am Ende des Tages auch wirklich geklärt. Die meisten Rollen sind zudem sympathisch besetzt, wechseln stetig und bieten nicht nur eine, sondern mehrere Identifikationen, die zwar auch ihre kleinen Fehler an sich haben, aber nicht böswillig und trotz viel Tratsch und Klatsch – wovon die Serie lebt – noch nicht mal hämisch, sondern allerhöchstens leicht schadenfroh für die Sekunde, dann aber wieder helfend an Ort und Stelle sind. [Das spinoff Garmisch-Cops hat den Teil mit dem Krimi genauso gut hingekriegt und vielleicht gar die bessere Geographie, hatte auch die gleichen Aufhänger aus bürokratischen Verwirr und anderem Missgeschick, aber mit einer erst aufgedrehten, dann verlangsamten Sekretärin, einem depperten Hilfssheriff, einem Stinkstiefel als Vorgesetzten usw. kaum einnehmende Charaktere an Bord und zusätzlich auch noch eine depperte Ehekrise als erzählerischen Mittelpunkt.]

Eine heile Welt, sauber und aufgeräumt, an einem Platz, wo die Meisten gerne mindestens einmal im Urlaub wären, mit herrlicher Gegend, in der die Zeit gleichzeitig stehengeblieben scheint als auch ruckzuck vorüber rinnt. Eine Langlebigkeit den Umschwüngen in der Gesellschaft zum Trotz, eine angenehme Routine, in der die Menschen um einen herum noch die gleichen wie früher sind; sind doch mehrere Urgesteine der Serie sind als Hauptpersonen quasi von Anfang an dabei und immer noch eng im Geschäft. Dafür sind die Arbeitstage fließend vorüber, kommt immer erst das Frühstück und ist nach Mittag eigentlich schon Schluss bzw. kommt das rettende Rotweinglas direkt danach. Eine Regelmäßigkeit, die wie die Serie mittlerweile ein großer Gleichklang ist, in dem auch keine Folge so wirklich auffällig, d.h. nach oben herausragend oder als Gegenteil scheiternd, sondern alles wie mit ewigen Garantieanspruch überzogen ist. Selbst die vorübergehende und zufällige Einführung einer weiblichen Hauptkommissarin (auch noch am Frauentag 2016, geschrieben von der neuen Autorin Claudia Leins, die auch für die näheren Ausgaben davor und danach verantwortlich war) in “Eine Überraschung für Hansen“, dem diese unverhoffte Zusammenarbeit auch “ein bisschen zu viel Chichi“ hat,  steht durch dieses Novum nicht wirklich außen vor. Wird das Zusammenspiel jetzt eben durch Sprüche und Sätze wie “Ladypower“, “Genuss der hochgelobten weiblichen Sicht der Dinge“, den “Wesen vom anderen Stern“ und der “weiblichen Intuition, der männlichen Ratio manchmal durchaus überlegen“ und so dem “Thema Gleichberechtigung und dabei Frau sein dürfen“ nur marginal ergänzt.

Überhaupt hat die Produktion trotz vieler Jahre auf dem Buckel, und im Grunde immer dem gleichen Schemata eine erstaunlich flotte, wie unmerklich beschwingte Dramaturgie zustande gekriegt, in der einzelne Folgen nicht nur tatsächlich auch einzeln, egal welcher Reihenfolge zu schauen* als auch gleich mehrfach aufgrund ihrer Leichtigkeit und Behändigkeit fern jeder Altbackenheit zu konsumieren sind.

*Selbst Episode 6, "Der Tod des Grafen", die mit einer hiesigen Zeugin auf sowohl Season 14, Episode 5 "Zu Tode meditiert" und Season 12, Episode 3 "Der Club des toten Dichters" verweist und auch einen ehemaligen Kollegen als ihren neuen Partner mit ins Boot der Gastauftritte holt, ist ohne Vorwissen darum beschwerdefrei sichten zu können.

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