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Maschinist, Der (2004)
Eine Kritik von Schwarz (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 17.03.2005, seitdem 482 Mal gelesen
Die deutsche Übersetzung (Machinist = Maschinist) ist nicht nur überflüssig, sondern auch etwas unzutreffend, denn die Geschichte handelt von Trevor Reznik, einem einfachen Maschinenschlosser. Natürlich funktioniert er zunächst noch ein Jahr wie eine Maschine, geht Tag für Tag zur Arbeit, obwohl er nicht mehr schlafen kann und nur noch ein körperliches Wrack ist, bis er eines Tages aus Unachtsamkeit einen Unfall eines Kollegen verursacht, der dabei einen Arm verliert. Von da an fühlt er sich von seinen Kollegen gemobbt, unter anderem dem Neuen, den jedoch niemand außer Trevor gesehen haben will. Immer weiter verstrickt sich Trevor in seine Verschwörungstheorie, zumal er in seiner Wohnung mysteriöse Hinweise findet, doch fragt sich, von wem. Dieser hochklassige Thriller ist kein neues Rip Off von „Sixth Sense“ oder „Lost Highway“, wenngleich sich zu David Lynchs verstörendem Werk Parallelen finden lassen, nämlich in neuralgischen Szenen, in denen der Zuschauer vermeintlich ein Puzzleteil für sich einordnen kann, um dann später eines Besseren belehrt zu werden. Äußerst clever baut Brad Anderson ("Session 9") die Story auf und gibt fragmentarisch wieder, wie der zerrüttete Trevor seine Welt sieht. Die ist passend in blassen, unterkühlten Farben eingefangen, wie die ermüdeten Augen des Hauptprotagonisten fängt die Kamera in urbanen, stylischen, teils unscharfen Bildern seinen Albtraum ein. Auf ausufernde Spezialeffekte verzichtet man zum Glück, Anderson zeigt wohltuend viel Understatement, wenn es darum geht, ein erschreckendes Psychogramm aufzuzeigen, statt sich in Effekthascherei zu verlieren. Dieser Neorealismus ist es auch, der den Zuschauer abseits platter Blockbuster zu fesseln versteht, selten sind so ruhige Thriller so packend. Mit einer beklemmenden Präzision schließt der noch recht unbekannte Anderson zu Genregrößen wie "Memento" auf, auch David Fincher bekommt ernsthaft Konkurrenz, wenn auch mit anderen Mitteln. Christian Bale gibt eine beeindruckende Vorstellung ab, ausgemergelt, knöchern und mit tiefen Augenhöhlen ist er ein Schatten seiner selbst und das genaue Gegenteil seines schnieken „American Psycho“. Etwas psychopathisches hat er zweifelsfrei auch an sich, doch hier getrieben von paranoiden Wahnvorstellungen, die auch der Zuschauer kaum von der Realität zu unterscheiden vermag. Halluzinationen durch permanenten Schlafentzug und die erkauften Kontakte zu Stevie (Jennifer Jason Leigh mit Mut zum abgewrackten Callgirl) und Marie (Aitana Sánchez-Gijón) lassen den Maschinenschlosser allein dastehen, unnötig zwar, doch Trevor ist gar nicht mehr in der Lage, eine wirkliche Bindung einzugehen. Sein ganzes Leben zerfällt zu einem Trümmerhaufen, wie eine defekte Maschine, bei der die Zahnräder vernichtend ineinander greifen. Schwierig, wenn nicht sogar unmöglich ist es, das Konstrukt seiner Einbildung und die tatsächlichen Vorkommnisse auseinanderzudivieren, umso erstaunlicher ist das Ende, in dem sich tatsächlich alles schlüssig auflöst. Überraschend ist auch, wie viele Hinweise man eigentlich schon im Laufe des ganzen Filmes bekommt, ohne sie richtig zuordnen zu können, dabei wäre es alles ganz einfach gewesen…
Fazit: Ein großartig beklemmender, abgründiger Albtraum. Neben "Saw" vielleicht der verstörendste und düsterste Thriller aus dem Jahr 2004. 9/10 Punkten
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