Eine Kritik von Thurgod (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 13.10.2005, seitdem 254 Mal gelesen
Christian Bale als spindeldürrer Fabrikarbeiter Trevor Reznick in einem düsteren, atmosphärischen Mystery - Verwirrspielchen. Die spanische Produktion ist exzellent anzusehen, und größtenteils verdankt der Film dies seinen hervorragenden Darstellern. Allen voran Bale, der hier das erste Mal nach „American Psycho“ wieder hochrangige Leistungen abgibt. Diesmal ist er jedoch nicht der strahlende Schönling mit Luxuskörper – in welch einer Rolle auch immer – sondern ein total abgemagertes, verkümmertes kleines Licht in einer düsteren Fabrikanlage, in der die Arbeiter (u.a. der hoch dekorierte Michael Ironside, den viele eher als harten Burschen aus diversen Verhoeven-Filmen in Erinnerung haben) den ganzen Werktag lang an Maschinen stehen oder sitzen. Ansonsten hängt der Einzelgänger am liebsten mit einer Tasse Kaffe und einem Stück Kuchen (was beides allerdings nicht angerührt wird) bei der netten Bedienung einer Flughafen-Bar herum oder aber gegen Entgelt (oder auch gratis) bei seiner Stammhure (Jennifer Jason Leigh, die seit Verhoevens – wo wir schon wieder bei ihm wären – „Flesh & Blood“ nie mehr so sexy war wie hier). Das Besondere an Trevor: er hat seit einem Jahr nicht geschlafen. Eines Tages begegnet er während einer Schichtpause einem merkwürdigen neuen Kollegen, dessen Erscheinung ihn ins Grübeln bringt. Als er während einer Reparatur abgelenkt wird, kommt es zu einem Unfall und Reznick stürzt mehr und mehr in eine alptraumhafte Scheinwelt hinein.
Ursprünglich ein Geheimtipp, entpuppt sich „El Maquinista“ als exzellenter Thriller, der meiner Meinung nach mit vergleichbaren Werken wie „The Sixth Sense“ (mit Bruce Willis) locker mithalten kann. Hier sind keine großäugigen Hosenscheißer am Werk, die irgendwelche Geister sehen, sondern hier zerfällt ein Mann nach und nach mental in seine Einzelteile. Durch diverse mysteriöse Bilder und Flashbacks wird der Zuschauer nach und nach in den Strudel der Ereignisse gezogen, und es wird immer ein Stückchen mehr des Puzzles freigelegt, bis es sich am Ende komplett zusammen setzt, leider – und das haben schon viele andere vor mir bemängelt – ohne große Überraschung. Zwar ist der exakte Sachverhalt der Ursituation nicht hundertprozentig klar, doch was es mit dem seltsam grinsenden, glatzköpfigen Counterpart auf sich hat, kapiert man meines Erachtens nach leider doch etwas zu früh. Dafür entschädigt allerding der übrige, sehr gut gelungene Aufbau des Streifens und die großzügige Ladung an Übersinnlich-Schaurigem. Christian Bale ging einen harten Weg, um in die Rolle des Trevor Reznicks zu schlüpfen, und er beweist auch sonst, dass er es durchaus drauf hat – genauso wie der Rest der zum Teil internationalen, wie auch spanischen Darstellerriege. Interessant auch die „Verkleidung“ der Stadt Barcelona, die im Film als künstliches L.A. herhalten muss – inklusive vieler atmosphärisch ausgeleuchteter Schauplätze, durch Farbfilter verzerrt und düsteren Innenbildern der kargen Fabrik, in der sich ein Großteil des Filmes abspielt. Die Spannung weicht wie schon angesprochen leider nur zu Ende hin etwas, da der Ausgang doch zu schnell klar ist, doch ansonsten macht der Film jede Minute echt Lust auf noch mehr davon und hält durchaus, was er verspricht.
Unterm Strich ein exquisiter Beitrag zu einem immer beliebter werdenden Genre mit fast allem, was das Herz begehrt, einem anspruchsvollen Drehbuch und sehr wandelbaren, engagierten Schauspielern. Ein Film, der gerne in Jedermanns Regal zu finden sein darf und sein Geld voll und ganz wert ist.