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Maschinist, Der (2004)

Eine Kritik von Dean-Corso (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 12.06.2006, seitdem 361 Mal gelesen


"Unfälle passieren aus reiner Nachlässigkeit,
das hier war ganz sicher eine Bosheit!"

Es gibt Filme die hinterlassen einen massiven Eindruck.
Über manche denkt man intensiver nach und über andere möchte man
sogar sprechen. Diesen hier möchte ich euch aber ans Herz legen, warum?
Weil er es verdient hat! Ich befürchte nämlich, dass er in der Flut
an Veröffentlichungen Gefahr läuft unterzugehen,
was in diesem Falle äußerst Schade wäre...

Der Film den ich euch vorstellen möchte heißt: "Der Maschinist".
Die Hauptrolle spielt 'Christian Bale', (synchronisiert von David Nathan),
den ihr vielleicht noch aus dem Film "American Psycho" kennt.
Falls nicht, hier werdet ihr ihn so erleben dass ihr ihn nie wieder vergessen werdet!
Nein, ich mache euch keine leeren Versprechungen wenn ich sage
er wird in bleibender Erinnerung verweilen...

Bevor sich jemand Sorgen macht dass sich im meinem Beitrag
unfreiwillige Spoiler eingeschlichen haben, so kann ich beruhigen.
Ich beachte hier ganz genau was ich von mir gebe
und die Dinge welche angesprochen werden, sind nicht die,
welche euch den Film in irgendeiner Weise verderben könnten.
Ich möchte euch den Film 'schmackhaft' machen
und vor allem euer Interesse dafür wecken.
Und geistige Bereitschaft erweckt man meist durch sorgsames stimulieren ;-)

Trevor Reznik (Christian Bale) leidet unter Schlaflosigkeit.
Er bekommt kein Auge zu und das schon seit einem Jahr.
Warum das so ist kann er sich selbst nicht erklären, aber er leidet darunter.
Und als ob das nicht schon schlimm genug wäre,
so leidet Trevor auch noch an einer deutlichen Unterernährung.
Hier muss ich schon mal sagen: Das was 'Christian Bale' für diese Rolle getan hat
ist unglaublich und sollte mit dem größten Respekt gewürdigt werden.
Der Mann hat so viele Kilos abgenommen,
dass er wirklich nur noch aus Haut und Knochen besteht.
Wer den Schauspieler schon mal gesehen hat wird zunächst erschrecken,
denn so wie er sich hier präsentiert, das ist erschütternd.
Es gibt zb. eine Szene wo er in den Spiegel schaut
und einem seelenlosen untoten Zombie gleichkommt.
Dieser Anblick wird niemanden kalt lassen,
vor allem weil das was wir in seiner Gestalt sehen echt ist...

Trevor Reznik hat nur zwei 'Freunde',
die Prostituierte 'Stevie' welche ihn regelmäßig besucht,
sich um ihn sorgt und auch insgeheim etwas für ihn empfindet.
Und die Flughafenkellnerin 'Marie' mit der er jeden Abend
bei einem Stück Kuchen seine Gespräche führt.
Ansonsten hat Trevor nur noch seine Arbeit, er ist Maschinist in einer alten Fabrik.
Fleißig und vor allem seinen Pflichten (und Rechten!) deutlich bewußt,
fügt er sich in einen Alltag der ihn seelenlos am Leben hält.
Sein Leben gerät völlig aus den Fugen als eines Tages
ein schrecklicher Unfall an der Maschine passiert.
Trevor nimmt eine Schuld auf sich welche ihn noch um den Verstand bringen soll...

Gleich zu Anfang werden wir ziemlich direkt mit Trevor
und seinem Umfeld konfrontiert.
Das was uns sofort auffällt ist sein Körper der absolut nicht Gesund aussieht.
Man fragt sich dann natürlich wie es dazu kommen konnte,
oder war er schon immer so?
In diesem Zuge der Überlegung erwischt man sich auch als 'Gaffer'.
Man ist geschockt, vielleicht sogar angewidert, aber auch betroffen.
Trevor ist Andersartig, und man betrachtet seine Äußerlichkeit genau.
Natürlich kann man sich dem auch nicht entziehen, denn wir sollen ja
im Laufe des Films ein Gefühl für das Wesen seiner selbst erhalten.
Wenn wir uns von seiner 'äußeren Hülle' so sehr beeinflussen lassen,
dann liegt es ganz allein an unserem Wahrnehmungsvermögen
welches zunächst oberflächlich und rein auf das Äußerliche anspringt...

Es gibt Leute die beim Anblick eines dicken Menschen der sich
(salopp gesagt) Essen 'reinstopft', einen abstoßenden Ekel empfinden.
Hier gibt es eine Szene in der ein extrem
dünner Mensch eine Hähnchenkeule verschlingt.
Ich würde zugerne mal wissen wollen wie jene Leute dies betrachten?
Nach welchen Normen sie beurteilen und wie sehr sie jenen Anblick 'ertragen'...

Da Trevor unter akuter Schlaflosigkeit leidet und sein Leben recht trostlos verläuft
empfindet man schon irgendwie Mitleid mit ihm und seinem dasein.
Auch hier baut der Film eine in sich gut verdeckte Analyse ein:
Warum empfindet man Mitleid für ihn?
Ist es weil er kein schönes Leben führt? Weil er wenig Freunde hat?
Oder ist es weil er sich in diesem ungesunden Körper befindet?
Mag sein das unterbewußt alle drei Faktoren eine Rolle spielen,
aber fragt euch mal selbst: "Warum ist es traurig ihn so zu sehen?"
Was wiegt schlimmer, das was wir "sehen"oder das was
als Materie unsichtbar aber dafür deutlich "spürbar" ist?

Wenn man sich auf die unscheinbaren Details des Films einläßt
bekommt man viele, sehr viele Möglichkeiten gewisse Dinge zu durchleuchten.
Der Film liefert uns seine Philosophie nicht mit dem Vorschlaghammer,
hier ist eine eigene und offene Auffassungsgabe erforderlich.
Deshalb sollte man den Film auch nicht zwischendurch gucken
sondern ihn wirklich aufmerksam und konzentriert beobachten...

Trevor bekommt es im Verlauf der Ereignisse mit vielen Dingen zu tun.
(Die Bildoptik mit ihren kühlen Farben spiegelt Trevors Welt deutlich wieder).
Mobbing am Arbeitsplatz, Schuldgefühle, Verfolgungswahn, Klärungsbedarf usw.
Sein inneres Gleichgewicht wird mächtig erschüttert und er steuert
direkt auf seine eigene Selbstzerstörung zu. Es gab Momente bei denen
ich sofort an Roman Polanskis "Der Mieter" erinnert wurde.

- "Geschieht das alles wirklich mit mir? "
- "Wollen meine Mitmenschen mir etwas böses tun?"
- "Oder drehe ich einfach nur in meiner eigenen Wahnvorstellung durch?"

Dann gab es auch die für Polanski typischen Kameraeinstellungen,
wie zb. in der Wohnung von Trevor welche optisch in Winkel vorgeführt wird.
Trotzdem kann man hier nicht von einem 'Polanski typischen Werk' sprechen,
inspiriert ja, aber dann muß man auch Namen wie 'David Lynch'
und 'David Fincher' nennen...

Wer jetzt die Besorgnis verspürt dass er am Ende des Films völlig überfordert
und ohne Möglichkeit einer nachvollziehbaren Aufklärung zurückgelassen wird,
dem möchte ich schon mal die Garantie geben dass er sie doch bekommt!
Die Frage ist nur ob sie ausreicht, den eigenen Ansprüchen gerecht wird,
und wieviel von dem was gesehen wurde, auch tatsächlich von Bedeutung ist..
Sprich, in dem Film werden haufenweise Details freigelegt
die je nachdem was uns auffällt (bzw. als wichtig erscheint) mitgenommen werden.
Am Ende möchten wir unser angesammeltes 'Haben'
natürlich auch Stück für Stück erklärt bekommen.
Nun, hier sollte man bedenken dass vieles nur der Wichtigkeit entspricht,
die wir den Dingen die wir sehen (und für uns wahrnehmen) selbst zuteilen!

Trevor spürt dass etwas in seinem Umfeld nicht stimmt.
Er möchte der Sache auf den Grund gehen,
zuviele Veränderung die einfach keinen Aufschluss geben quälen ihn.
Die harmonischen Gespräche mit "Stevie" und "Marie",
(denen er sich beiden anvertraut), stehen zum krassen Gegensatz
wie sich die anderen Menschen ihm gegenüber verhalten.
Er wird nicht ernst genommen, verspottet, als seltsam eingestuft, weil er anders ist.
Ist er wirklich anders? Optisch ja, aber führt er nicht dasselbe Leben wie die anderen?
Er hat seine Wohnung, seine Arbeit und '(s)eine Frau'.
Damit erfüllt er schon mal die Grundvoraussetzung eines 'gewöhnlichen Menschen'.
Und trotzdem ist Trevor nicht 'normal', dafür ist seine Entwicklung,
sowohl körperlich wie auch aus seinem Lebensinhalt, zu sehr belastet.
Und genau die Frage sollte eure Motivation für den Film sein:
"Warum ist Trevor so (geworden) wie er ist?"

Das Herzstück des Films ist die Frage nach dem Gewissen.
Wie sehr begleitet es uns durch das Leben?,
Wie lange können wir es zur Seite schieben bis es sich bemerkbar macht
und uns eines Tages gnadenlos den Hals zudrückt?
Ist es überhaupt möglich der Verantwortung zu entfliehen?
Werden wir letztendlich zu dem was wir zu verdrängen versuchen?
Opfer der eigenen Auseinandersetzung mit uns und unserem Handeln?

Diese Fragen werden uns unterschwellig serviert.
Ob wir sie annehmen liegt an dem jeweiligen Ego des Zuschauers.
Menschen die ein äußerst geringes Moral Empfinden haben und die
ihr Gewissen gerne mit selbstzurechtgelegten Ansichten außer Gefecht setzen,
werden wohl nicht wirklich Zugriff zum Kernpunkt des Film finden.
Für andere, besonders diejenigen welche nicht nur dem
Hollywood typischen Kino gefallen entgegenbringen
und die sich gerne mal von einem Film beanspruchen lassen wollen,
sei dieser Film als etwas außergewöhnliches ans Herz gelegt.
Er ist kein Meisterwerk, soweit kann ich nun nicht gehen,
aber er ist ein kleines Juwel im Sumpf von mäßigen Veröffentlichungen...

9 Punkte

Dean-Corso


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