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Purpurnen Flüsse, Die (2000)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 20.02.2006, seitdem 435 Mal gelesen


Man wird immer wieder mit Klonen von „Sieben“ überschüttet, meist aus Hollywood, da ist ein Film wie „Die purpurnen Flüsse“ doch etwas erfrischend anderes.
Der französische Kriminalpolizist Pierre Niemans (Jean Reno) wird zu einem Leichenfund gerufen, denn in der Nähe einer Eliteuniversität in den Bergen hat man die grausam verstümmelte Leiche eines Doktoranden gefunden. So etwas hat die lokale Polizei noch nicht erlebt, der Mann wurde mehrere Stunden lang mit größter Präzision gefoltert. Doch der abgeklärte Niemans lässt sich davon nicht abschrecken und sucht nach dem Mörder und Gründen für die Bluttat.
Der junge Kommissar Max Kerkerian (Vincent Cassel) untersucht derweil in einer anderen Stadt einen Fall von Grabschändung und Aktenraub. In beiden Fällen scheinen die Täter es auf ein verstorbenes Mädchen namens Judith Herault abgesehen zu haben, wie Kerkerian herausfindet. Kerkerian ist das Gegenstück zu dem abgeklärten, ruhigen Niemans: Ein junger Heißsporn, aufbrausend und voller Tatendrang.

Natürlich will es das Gesetz des Kriminalfilms so, dass die beiden Plotstränge nach einer Weile zusammenlaufen und so begegnen sich die beiden Polizisten ungefähr zur Halbzeitmarke um festzustellen, dass ihre beiden Fälle miteinander verknüpft sind…
„Die purpurnen Flüsse“ präsentiert sich als düsterer, ziemlich spannend inszenierter Thriller, der zum Miträtseln einlädt. Zwar ist es mal wieder wenig glaubwürdig, dass vom Täter Hinweise für die Polizisten ausgelegt werden, aber „Die purpurnen Flüsse“ begründet es besser als viele andere Genrefilme. Insgesamt ist die Infromationssuche von Niemans und Kerkerian auch sehr spannend aufgebaut, langsam setzt sich das Puzzle zusammen. Dabei bleibt „Die purpurnen Flüsse“ auch stets angenehm düster, um die richtige Gruselstimmung zu erzeugen, was in Verbindung mit den Bildern zugerichteter Leichen auch gelingt. Trotzdem setzt „Die purpurnen Flüsse“ nie übertrieben auf Gewalt.
Zudem besitzt „Die purpurnen Flüsse“ einige Qualitäten, welche ihn von diversen 08/15-Thrillern unterscheidet, denn Regisseur Mathieu Kassovitz gibt dem Film eine ganz eigene Note. So behält Niemans seine Schlussfolgerungen oft für sich, sodass sich die Lösungen mancher Rätsel erst spät für Kerkerian und den Zuschauer ergeben, zum anderen besitzt „Die purpurnen Flüsse“ eine etwas andere Bildsprache, die sich geringfügig und doch signifikant vom Gewohnten unterscheidet (z.B. die Art der Verwendung von Kamerafahrten und Zooms). Auch sonst lockert hier mal ein wenig Humor die Handlung auf, da dürfen die Inspektoren mal Gefühle zeigen und auch etwas Action lockert den Film auf. Die erste Actionszene, ein Martial Arts Kampf zwischen Kerkerian und zwei Schlägern ist etwas unmotiviert eingebaut, sieht aber sehr schick aus, Actionszene Nummer zwei, eine Verfolgungsjagd, lässt keinen Grund zur Klage.

Ganz makellos ist „Die purpurnen Flüsse“ jedoch nicht. Zum einen ist die Anzahl der Verdächtigen so überschaubar, dass man meist den richtigen Riecher hat, wer was mit den Morden zu tun, wer anderweitig Dreck am Stecken hat und wer unschuldig ist. Nur gegen Ende zeigt sich sehr deutlich, dass die Vorlage von Jean-Christoph Grangé ist, der seine Bücher ja gerne überfrachtet, um möglichst viele Wendungen einzubauen. Bei der Aufdeckung der Mörderidentität gibt es noch eine echte Überraschung, doch des Rätsels Lösung ist doch arg überkonstruiert. Was die Vorgänge an der Uni angeht, ist „Die purpurnen Flüsse“ ja noch halbwegs nachvollziehbar, doch bei dem Mördermotiv laufen Logik und Plausibilität doch etwas Amok.
Jean Reno ist in der Hauptrolle dafür mal wieder eine sichere Bank und spielt seine Paraderolle als abgebrühter Profi gewohnt gut. Vincent Cassel ist auch ganz gut, auch wenn er teilweise etwas overactet (z.B. der psychopathische Ausbruch, als er den einen Schlägertypen mit der Pistole bedroht).

Alles in allem ist „Die purpurnen Flüsse“ ein sehenswerter Thriller, der mit seiner nicht ganz alltäglichen Art und des düsteren Stimmung überzeugt. Würde das Ende nicht so sehr aus dem Ruder laufen, dann könnte man vielleicht von einem Meisterwerk sprechen, so sind nur gute 7,5 Punkte drin.


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