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Purpurnen Flüsse, Die (2000)

Eine Kritik von Der Mann mit dem Plan (Bewertung des Films: 5/10)
eingetragen am 06.04.2002, seitdem 787 Mal gelesen


In der ersten Stunde von seinem ersten kommerziell erfolgreichen Film, herrscht Verwirrung. Denn Matthieu Kassovitz präsentiert uns gleich zwei, voneinander gelöste Handlungsstränge. Die erste dreht sich um die Polizistenlegende Pierre Niémans (Jean Reno, so cool wie in seinen Luc Besson-Filmen), der einen ekelerregenden Mord aufklären soll: Eine Bergsteigerin hat Remy Guernon, dem Bibliothekar in einer angesehenen Elite-Uni in der Nähe, gefunden. Tot und schrecklich zugerichtet: Sein Körper wie ein Fötus zusammengebunden, überall von stundenlanger Folter gezeichnet und Hände und Augen entfernt. Niémans ist sich sicher, daß der Zustand der Leiche ein Hinweis auf die Vorgehensweise des Killers ist. Nachdem er in der Uni vergeblich um Hilfe bittet, beschließt er, in den Bergen nach weiteren Hinweisen zu suchen.

Währenddessen ist der jugendliche Kommissar Max Kerkérian (Vincent Cassel) gleich auf zwei Fälle angesetzt. Zusammen mit zwei vertrottelten Polizisten soll er die Schändung eines Grabes und einen Einbruch in einer Schule aufklären. Schnell findet sich hier ein Zusammenhang. Das Grab, beschmiert mit Hakenkreuzen, gehört zu dem Mädchen Judith Herault, die Anfang der 80er schrecklich zu Tode kam. Ein Zwölftonner hatte sie auf der Autobahn überfahren. Zu identifizieren konnte man sie lediglich an einem Finger. Und das einzige Gestohlene in der Schule sind ausgerechnet Klassenfotos und Akten über Judith. Auch Judiths Mutter, eine verrückte Nonne, kann Kerkérian nicht weiterhelfen.

Erst als Niémans im Berg eine zweite Leiche findet, trifft er auf Kerkérian, der den Ermordeten für einen Verdächtigen im Falle Herault hielt. Obwohl Niémans ein Einzelgänger ist, braucht er den jungen Kollegen, da der ja wichtige Informationen innehat.

Kassovitz (Haß) verbindet diesen parallelen Zusammenhang zwischen den beiden Hauptfiguren Renos und Cassels bereits mit der Auflösung seines Krimis. Ähnlich wie sich nun Langsamkeit und Nachdenklichkeit (Niémans redet nicht viel, richtet aber so viel an, wie eine ganze Armee) mit Cleverness und Übermut (Kerkérian versucht sich mit verdächtigen Skinheads anzulegen; er kämpft mit ihnen im gängigen Matrix-Stil, während die Musik eines Prügel-Videospiels auf die Szene gelegt ist) paart, werden auch in der Elite-Uni versucht Intelligenz und Stärke (von den Bewohnern des nahegelegenen Dorfes) zu verbinden, und eine Art Überrasse zu schaffen.

Schnell erkennt Niémans: Er hat es hier mit einer Schule voller kleiner Hitlers zu tun!

Kassovitz hat einen wirklich intelligenten Thriller gedreht. Kleine technische Spielereien und die beiden tol aufgelegten Darsteller und die Hülle und Fülle an kleiner Details machen den Film wirklich sehenswert. Zwar ist die Auflösung des Films kein Oberhammer á la "Sieben", ist aber auf jeden Fall unvorhersehbar.

Ein atmosphärisch dichter Thriller, mit krassen Szenen und (ich muss es noch mal sagen:) saucoolen Jean Reno!


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