Wenn ihn Freund und Lebensgefährte und hier Regisseur und Autor Angelo Colagrossi in einem TV-Film positioniert, dann steckt in dieser Hape-Figur ganz viel Kerkeling. Wir denken uns den angekratzten Glanz und Glamour der Fernsehwelt aus Kein Pardon weg, denn Lothar Brömmer ist Busfahrer in Pinneberg. Er hat aber insofern auch mit einer Spielshow zu tun, daß er dort als ersten Preis ein Surfbrett samt Dachgepäckträger gewonnen hat. Er surft nur nicht, daher verstaubt das Teil im Keller.
Brömmer ist mit einer Polin verheiratet und hat zwei Kinder. Im das Familiengefüge beobachtenden Humor besteht in Die Oma ist tot letztlich auch die Parallele zu Kerkelings Meisterwerk. Sein Stil ist nicht ganz so fein wie der eines Loriot, jedoch ebenfalls kokett aber keinesfalls pietätlos. Dennoch reicht die Schamgrenze um ein alltägliches aber pikantes Thema aufzugreifen. Als die polnische Oma zu Besuch kommt, um ihren Geburtstag zu feiern, gibt es ein zünftiges Saufgelage gemeinsam mit Lothars Eltern. Als dieser am Morgen die Oma zum Frühstück rufen will, ist sie gestorben.
Natürlich wäre dies alles kein Beinbruch, wäre es nicht Omas letzter Wille gewesen, neben ihrem Mann im polnischen Heimatort beerdigt zu werden und wäre die Überführung nicht so unverschämt teuer. Die Brömmers haben nämlich kein Erspartes, dafür offene Rechnungen und Schulden. Kurzerhand wird also die Oma in den Dachgepäckträger verladen und auf geht's zu einem Straßenabenteuer gen Osten.
Eigentlich müßte man nach diesem vorkonstruierten Szenario erwarten, daß sich der beste Teil nun abgespielt hätte und die Fahrt für eine bunte Revue aus abgenutzten Zoten herhalten müsste. Obwohl die Lachkurve tatsächlich hier ihre Tiefpunkte erreicht, gelingt es doch gerade wegen des charmant zurückhaltenden Humors, Die Oma ist tot als qualitativ hochwertigeren Film erscheinen zu lassen.
Besonders hervorzuheben ist, daß man es schier nicht nötig hat, übermäßig auf der transportierten Leiche herumzureiten. Eine ganz klare Stärke des Films ist zudem die Bedienung von Klischees, in dem man diesen durch skurrile Verkehrung begegnet, so also dem Zuschauer auf den ersten Blick mit Unerwartetem vor den Kopf stößt.
Die Vorkommnisse auf der Reise sind leidlich spannend gestaltet und dank ausgewogenem Fokus auf die Figuren abwechslungsreich genug, um sich interessant zu halten. Auch wenn Die Oma ist tot letztlich kein Meisterwerk geworden ist, so profitiert der Film von der Tristesse der Straße, zeugt schließlich von authentischer Größe. Mit genügend Biß ist Unterhaltung gewährleistet und diese war im Rahmen der Möglichkeiten wohl auch angestrebt. Zumindest ist noch keiner zurückgekommen und hat sich beschwert. Liebevolle Details machen gar Lust, mehr als einmal in den Genuß zu kommen.