Abermals haben wir es mit einem japanischen Film zu tun, der durch seinen amerikanischen Vertriebstitel sehr auf Gewalt reduziert wird. Doch auch Quentin Tarantino hilft in diesem Fall dem interessierten Zuschauer wenig, wenn er den Film im Audiokommentar zu Hostel 2 als den ersten der mit Roths Film nun zwei Filme annekdotiert, in dem ein abgetrennter Penis von einem Hund gefressen wird. Noch weniger nämlich als die mit Karate Bullfighter initiierte Masutatsu Ôyama Trilogie, dem der Film stilistisch ansonsten durchaus nahe steht, läßt sich The Killing Machine in die zeitgenössisch noch wogenden Exploitationwelle einordnen, obwohl Treffer hart und gnadenlos gelandet werden und neben der angesprochenen Szene auch ein paar ausgeschlagene Zähne, Knochenbrüche und ein amputierter Arm zu verzeichnen sind. Der feine Unterschied ist die Storydienlichkeit. Gewalt wird nicht etwa selbstzweckhaft ausgeschlachtet, was sich allein schon am Timing ausmachen läßt, denn ein blutiger Showdown wird hier nicht geboten. Gewalt wird hier eingesetzt, weil es am entsprechenden Punkt der Handlung eben zu einer solchen Auseinandersetzung kommt.
Anders aber läßt es das Sujet auch gar nicht zu. Immerhin geht es um eine ideologisch auf ein Miteinander bezogenen Selbstverteidigungskunst. Shôrinji Kenpô verknüpft chinesische und japanische Lehren unter anderem ausgehend von Buddha und Bodhidharma. Dafür, daß es dem Actionfan trotzdem nicht zu langweilig wird, bürgt die eingehende Texttafel, die darauf hinweist, daß die Geschichte um die reale Figur und den Shôrinji Kenpô Begründer Doshin So (Sonny Chiba) an dieser Stelle fiktiv aufgearbeitet wird, man muß also wohl davon ausgehen, daß einige Elemente gegenüber dem echten Hintergrund stilisiert wurden.
Während Masutatsu Ôyama in der Trümmerwelt der Nachkriegszeit mit seinem Kampfgeist und Dickschädel zu kämpfen und seine moralischen Rückschlüsse erst nach dem Begehen von Fehlern zu ziehen hatte, wird der in China aufgewachsene und dort in verschiedenen Kampftechniken ausgebildete Doshin So - nach dem Einmarsch der Russen in die Mandschurei nach Japan zurückgekehrt - von vornherein als zwar auch heißblütiger, aber für menschliche Gerechtigkeit einstehender Mann beschrieben. Die chronologisch Schlüsselerlebnisse mehrerer Jahre abhandelnde Geschichte umfaßt folglich die moralische Reifung der Figur, die man in dieser Erzählung schon fast mit einem Nationalhelden von Robin Hood Format empfinden muß. Störend ist dies allerdings nicht, da The Killing Machine mit einer Laufzeit von deutlich unter anderthalb Stunden einfach zu wenig Zeit hat, den Protagonisten bis aufs Äußerste glorifizierend zu beleuchten.
Genauso setzt der Film jedoch auch grundlegende Kenntnisse des Zeitgeschehens voraus, denn die Szenensprünge beschränken sich darauf, das aktuelle Jahr anzugeben und dann Doshin So mit relativ simplen Klischeerollen zu konfrontieren. Auf diese sehr japanische Art ist dann allerdings in wenigen Silben vieles ausgedrückt. The Killing Machine verarbeitet das allgemeine Kriegstrauma mit vielen Bildern der Lebensfortsetzung um jeden Preis, beleuchtet Recht, Moral, Kraft und Macht. Selbstredend erscheint So dabei als der menschlich richtig agierende, auch wenn er nach geltendem Recht verurteilt wird. Dieses wird allerdings auch von einer Besatzermacht oder durch die Korruption der Yakuza um den jeweils eigenen Standpunkt oder Vorteil bedacht ausgelegt.
Der Film bleibt aufgrund der relativen Greifbarkeit auch für Normalsterbliche nachvollziehbar und läßt sich nicht ausschließlich von Kampfsportphilosophen ergründen. Obwohl natürlich subjektiv gefärbt ist The Killing Machine ferner ein weiterer interessanter Einblick in eine Epoche, die in westlichen Gefilden vielleicht gerade mal mit den Atombombenabwürfen zur Sprache kommt. Menschlich läßt sich aber darüber hinaus einige Unzufriedenheit ablesen, was mindestens genauso interessant erscheint, wie die Vorstellung der weniger bekannten Selbstverteidigungskunst mit religiösem Anstrich. Wer sich des weiteren jedoch eine detaillierte Einführung in die Technik wünscht, verlangt schon etwas zu viel, denn mehr als den ungefähren Ursprung beleuchtet dieses kleine, aber durchaus sehenswerte Actiondrama nicht. Wohl aber wegen der gesunden Mischung aus Martial Arts und Tiefgang sollte man sich The Killing Machine nicht entgehen lassen.