Damals wars. Die Achtziger waren gerade verstrichen, die Splatterfans der ersten Stunde waren weitestgehend erwachsen geworden. Es gab kein Internet, kein Mobiltelefon. Die CD hatte sich gerade auf dem Tonträgermarkt durchgesetzt. Mit ein bisschen Geld in der Tasche und einer Heimvideokamera ausgerüstet vertrieben sich ein paar hamburger Jungs ihre Zeit damit, den Videos nachzueifern, die sie so gerne konsumierten. Regisseur Andreas Schnaas und sein Kameramann Steve Aquilina hatten ein Jahr zuvor schon den qualitativ mäßigen Amateurslasher Violent Shit abgedreht. In Kürze würden sie außerdem ihren Videoladen für allerlei Importe eröffnen - Hard To Get. Vielleicht die bodenständigere Idee und seinerzeit durchaus eine Marktlücke.
Natürlich ist Zombie '90: Extreme Pestilence nur ein bescheiden-pubertärer Streich. Etwas anderes konnte man in dieser Phase auch kaum erwarten. Zudem passt ein Zombiefilm ganz gut zur noch erfolgreich wogenden Death-Metal-Welle und einer entsprechen genrefreundlichen Stimmung. Apropos, in der Besetzungsliste, die sich natürlich aus dem Bekanntenkreis zusammensetzt, findet sich auch Marc Trinkhaus, hamburger Mädchen für alles, unter anderem auch Gitarrist in verschiedenen Bands und neben Schnaas-Filmen, an denen er später auch, unter anderem musikalisch, hinter der Kamera zum Einsatz kommt, des weiteren an der Produktion von einigen Karl-May-Hörspielen beteiligt.
Doch der Schlüssel für den "Kult", wie es die DVD-Veröffentlichung verspricht, ist offensichtlich der Laden, der zum zentralen Verbreitungsknoten geworden sein muß. Schnaas gehört dabei nicht zu den zurückhaltenden Künstlern, die selbst ihr Meisterwerk verschämt im Verborgenen halten. Selbstbewußt haut er alles raus, was keine Miete zahlt. Was Kontakte im Videozeitalter noch nicht besorgten, wo der Splatterfan an sich natürlich wesentlich dankbarer für jeden Tropfen Blut war, den er in der zensierten Welt ergattern konnte, das besorgten schließlich Astro mit ihren Blaurücken, die genau zu einer Zeit zur Stelle waren, als der Horrorfan atemlos von der Fülle an plötzlich recht einfach verfügbaren Werken der Indexkataloge, geblendet vom positiven Erscheinungsbild in die Tasche griff und bummelig 20 Euro allein für dieses Machwerk berappte.
Dabei bekommt der sogenannte Gorehound eigentlich genau, was er verdient. Jede Menge Zombigemetzel billigster Machart, mit unnatürlichem Kunstblut, Papptorsi und Gipsköpfen, dafür genug niederträchtigem Gedankengut, um weitestgehend auf eine Story verzichten zu können, die sich auf einen üblichen Konterminationshintergrund beschränkt. Was hier als wackelige Handkamera-Hommage an das italienische Kino gedacht war, krepiert leider an dem selben kranken Humor, der später Violent Shit II zur Spaßgranate machte. Da beißt sich der Zombie sozusagen selbst ins Bein. Anstatt halbwegs auf die Produktion zu achten, existiert nämlich nur eine deutsche Audiospur mit dem Produktionston, der sämtliche Regieanweisungen jedoch keine Musik beinhaltet. Diese wurde erstmals auf der DVD veröffentlicht. Zuvor kannte man lediglich eine englische Synchronisation und was den Schnaas da geritten hat, das weiß nur Karl the Butcher. Zombie '90: Extreme Pestilence wird pseudo-cool und lippen-asynchron von geschätzt einer Person gesprochen, die zu den verschiedenen Figuren die Stimme verstellt.
Dabei vermutet man im Ausland tatsächlich, daß es eine bessere deutsche Version geben müsste! Scott Ashlin von 1000misspenthours.com schreibt "Lord knows the German dialogue can’t have been any worse.", doch eigentlich trifft seine Einleitung eher ins Schwarze wo er berichtet "It fills my heart with terror when I try to imagine the director who is even worse than him…". Erinnern wir uns an Quentin Tarantino, der einmal sagte, daß es keine Schule brauche, es würde genügen jede Menge Filme zu schauen. Entweder er hatte Unrecht oder Schnaas hat zu wenig beziehungsweise die falschen Videos konsumiert, wie sonst soll man sich dieses schlecht montierte Debakel erklären?
Andreas Schnaas macht in Zombie '90: Extreme Pestilence ungefähr alles falsch, was man nur falsch machen kann und läßt damit sogar Violent Shit subversiv als Kunstwerk erscheinen. Dabei ist es wie immer die Streitfrage, ob man derartigem Amateurschund doch lieber im Freundeskreis halten sollte, oder ob es tatsächlich eine Qualifikation um ein Maximum an Dilettantismus geben kann, da die Grenze zum Film hier lange durchbrochen worden ist, wo ein Ed Wood sich im Gegensatz noch ganz anderer Mittel bedienen mußte und konnte. Natürlich gibt es immer Gestalten, die sich auf dem Gipfel der Dekadenz in einem fragwürdigen Schwanzvergleich auch mit dem mutigem Genuß dieser Ergüsse brüsten müssen, doch letztlich bleibt es vordergründig eine mutwillige Täuschung des Kunden, da die wenigsten Käufer dieser Produkte über die mindere Qualität des Inhaltes im Bilde gewesen sein dürften.
Anstatt mit dem forcierten Witz für Unterhaltung zu sorgen, ist Zombie '90: Extreme Pestilence nicht einmal unfreiwillig komisch und damit stinkend langweilig. Einzig für die ultimative Terror-Tortur taugt diese silberne Tontaube, mit der sich der Zuschauer die Qualität des vermeintlich schlimmsten Machwerks verdeutlichen kann. So wäre eine Schwitzhüttenzeremonie unter Zuhilfenahme dieser Medizin sicherlich eine Initiation, bei der die Erkenntnis Dankbarkeit wäre. Dankbarkeit gegenüber einem Label, daß es einem nur einen Film aus dem staubigen Archiv eines Bruno Mattei oder Joe D'Amato angedreht hat, anstatt einen Magnetbandstreifen wie Zombie '90: Extreme Pestilence. Wohl euch, die ihr Leistung noch nicht zu schätzen lernen mußtet.