Eine Kritik von Mountie (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 14.04.2009, seitdem 400 Mal gelesen
Der brachiale, "ernsthafte" Actionfilm, ohne Kompromisse, detaillierter Gewalt nicht abgeneigt und wenn irgend möglich ohne unnötige Handlungselemente. Immer wieder werden von Fans genau solche Eigenschaften vom Actiongenre gefordert und erwartet. Wenn es überhaupt einen Film gibt auf den diese Eigenschaften fast gänzlich zutreffen, dann ist es wohl „Mad Max II: The Road Warrior". Die Handlung ist geradeaus, ohne Wendungen und passt auf eine Streichholzschachtel, die Bösewichte klar als solche zu erkennen, der Held entspricht dem (Klischee-)Bild des „Lonesome Wolf" und die Dialoge sind, wenn sie denn überhaupt einmal vorkommen, aufs wesentlichste beschränkt. Im Falle von „Mad Max 2" hätte ohnehin nicht viel gefehlt um einen reinen Stummfilm daraus zu machen. George Miller hat durch diese Reduzierung auf das Wesentlichste einen Prototyp des Actiongenres geschaffen, der trotz seines mittlerweile hohen Alters erstaunlich gut reift und stellenweise immer noch so manches Actionherz vollends befriedigen kann.
Nach dem pessimistischen Ende von Teil 1 sind einige Jahre ins Land gezogen. Mit einem kurzen Einführungsmonolog werden wir mit den wesentlichsten Informationen ausgestattet. Das Öl ist ausgegangen, verschiedene Länder bekriegen sich und in Folge dessen, versinkt die ganze Welt im (postnuklearen?) verbrecherischen Chaos und der Anarchie. MaxRockatansky, der nach der Ermordung seiner Familie und dem anschließenden schonungslosen Rachefeldzug gegen die Mörder in die Abgeschiedenheit der Wüste geflohen ist, hat längst nichts mehr zu verlieren. Ziellos fährt er mit seinem aufgetunten, schwarzen V8 Interceptor durch die endlosen und menschenfeindlichen Weiten des australischen Outbacks. Immer wieder kommt es zu gewalttätigen Konfrontationen mit Straßenräubern, die brutal und schonungslos nach jedem zu ergatternden Tropfen Benzin her sind. Konsequent wurde nach dem Ende des ersten Teils, der das Gesetzt des Stärkeren heraufbeschworen hat, angeknüpft und weiter gesponnen. Wer den schnelleren Wagen hat, die besseren Waffen oder schlicht der bessere Krieger ist, hat die höheren Überlebenschancen. Für Schwäche ist in dieser staubigen Welt kein Platz. Max ist zum emotionslosen und vor allem ziellosen Menschen geworden, dem seine kämpferischen Fähigkeiten das Überleben sichern. Ähnlich dem von Sergio Leone mystifizierten und Clint Eastwood kongenial verkörperten heimatlosen Revolverhelden ist er einfach nach dem für ihn größten Profit aus. In der postapokalyptischen Welt von „Mad Max 2" ist Benzin das kostbarste Gut. Wofür bzw. wohin damit gefahren werden soll bleibt vor allem bei Max unklar.
Wie ein zufälliges Ereignis seines stets bewegten aber nur wenig abwechslungsreichen Lebens auf der Straße, entwickelt sich die eigentlich Story. Durch eine eher zufällige Verstrickung mit zwei sich bekämpfenden Gruppen, von mehr oder weniger gestrandeten Menschen bekommt Max die verlockende Chance auf reichlich Benzin. Die einen, eine verbrecherische Bande, bestehend aus Freaks, Vergewaltigern und Mördern im Neo-Punk-Outfit. Die anderen, eine sozusagen anständig gebliebene aber nichts desto trotz verzweifelte Gruppe von Menschen unter der Führung des gutherzigen Pappagallo. Schon an den Anführern der beiden Gruppen erkennt man die schlichte schwarz/weiß-Zeichnung des Films. Pappagallo ist ein klassischer, wenn auch leicht langweiliger Good-Guy, mit Verständnis, Intelligenz und menschlicher Wärme. Sein Widerpart, der vollkommen durchgeknallte, eine Hockeymaske tragende und mindestens leicht verstrahlt wirkende Humungus. Die Truppe rund um Pappagallo versucht nach langem Überlegen aus ihrer misslichen Lage und der ständigen Tyrannei von Humungus zu entfliehen. Natürlich soll auch ihr Öl bzw. Benzin, auf das es Humungus abgesehen hat, mit auf Reisen, und da schaltet sich der zufällig ihre Wege kreuzende Max ein. Er schlägt ihnen für eine fürstliche Entlohnung die Beschaffung eines Tanklasters vor. Nach langem hin und her macht er dies auch und wird danach - nach einem verunglückten Versuch, sich aus dem Staub zu machen – mangels Alternative, gezwungen bei der Gruppe zu bleiben und ihnen bei ihrer groß angelegten Flucht zu helfen.
Dieses Spiel mit den verfeindeten Clans erinnert stark an Leones „A Fistful of Dollars" bzw. an Kurosawas „Yojimbo“. Das ganze in ein postnukleares Szenario zu verlegen gibt dem ganzen aber gerade so viel Pepp um Eigenständig aufzutreten. Im Mittelpunkt steht hier klar die Figur Max. Seine Rache wurde bereits am Ende des 1. Teils gestillt, nun zählt nur noch das Überleben in der kargen, menschenfeindlichen Wüste, bei der Stillstand den sicheren Tod bedeutet. Ein einsamer desillusionierter Held, der gleich einem Vagabunden durch die verstrahlte und karge Zukunft stapft. Auffallend dabei, dass sein zielloses Leben keine wirkliche Wandlung durchlebt. So wie Max am Anfang dargestellt wird, so entlässt man ihn auch am Ende. Eine weitere Etappe ist geschlagen und sein zielloses Treiben geht weiter. Das einzige was zählt ist Benzin um dieses sinnlose Treiben fortzuführen. War Leones Held wenigstens noch auf Geld aus, so hat Max nicht einmal mehr diese Motivation. Sein Verlangen nach Benzin sichert ganz pragmatisch sein Überleben und seine vagabundierende wie freudlose Existenz. Es ist ein ganz schön großer Sprung vom Cop-Actionfilm mit einem naiv idealistischen Jüngling, der zur Rache getrieben wird, des 1. Teils, zum totalen Zusammenbruch der Zivilisation mit einem nihilistischen und planlosen Einzelgänger als Helden. Auch wenn die anarchistischen Zustände bereits im ersten Teil vorkommen, und damit auch ein wenig den apokalyptischen Fortgang vorweg nehmen, ist es wohl eher unwahrscheinlich, dass sich George Miller groß Gedanken über die Kohärenz beider Filme gemacht hat.
Aber kommen wir zum Kernstück des Films, die Action. Es ist erstaunlich und schlicht atemberaubend was Miller mit seinem vergleichsweise geringen Budget hier auf die Beine gestellt hat. Mit einer unverwechselbaren Kameratechnik wird hier eine Rasanz hervorgerufen, die bis heute zu verblüffen weiß. Oft knapp über dem Asphalt gehalten, erzeugt die Kamera dabei ein höllisch wirkendes Geschwindigkeitsgefühl und überzeugt damit als innovatives wie charakteristisches Stilmittel. Die episch dargebrachten Verfolgungsjagden mit brachialen Karambolagen bilden das Herzstück des Films. Zerberstendes Metal, brutale und halsbrecherische Kämpfe mit archaischen Waffen auf den oft selbst gebastelten Vehikeln und die treibend theatralische Musik von Brian May (Nein, nicht der von „Queen"). Diese Szenen verdanken ihren rohen Charme einer geradezu kindlichen Freude an der Zerstörung. Wenn die Stuntleute auf den Wagen herumturnen und sich mit den primitiven Waffen bekämpfen oder im wahrsten Sinne unter die Räder kommen, lacht doch das Actionherz von so manchem vor Verzückung. Ja manchmal braucht es einfach nur ein paar fahrtaugliche Vehikel, eine lange Straße und ein paar leicht verrückte Stuntman um diese Bedürfnisse zu stillen.
Nein, ganz so einfach ist es dann aber doch nicht. Eher ist es, neben der bereits erwähnten Kameratechnik, das inszenatorische Händchen von Miller für Timing und Tempo, dass "Mad Max 2" zu einem der Vorzeigefilme des Genres macht, der überdies unzählige Filme maßgeblich beeinflusst hat. Das Wegfallen von unnötigen Rahmenhandlungen und der Konzentration auf das Wesentliche - die Action - machen ihn damit zu einem der pursten Actionfilme.
„Mad Max 2“ ist in Tradition des 1. Teils, ein enorm ökonomisch inszenierter Actionfilm, der durch sein zutiefst pessimistisches Zukunftsbild und brachial zelebrierte Actioneinlagen besticht. Mel Gibson gibt den Helden, dessen Gesichtszüge sich im Gegensatz zu Teil 1 arg verfinstert haben und überzeugt einmal mehr als Neuinterpretation des zynisch Wortkargen wie nihilistischen Einzelkämpfers. Mag sein, dass diverse Elemente des Films heute ein wenig veraltet wirken und nicht selten zum schmunzeln animieren. Vor allem die Bösewichte wirken durch ihr extrem theatralisches Auftreten ein wenig befremdlich. Und auch einige etwas naiv gezeichnete Rollen, auch bei den „Guten“, amüsieren durch ihr obskures und nicht selten hölzernes Auftreten. Letztlich wird das Gesamtbild des Films dadurch allerdings nicht getrübt. Durch die leicht verschrobenen Charaktere wird dem Film eher ein ganz eigener Stempel aufgedrückt, der ihn unverwechselbar macht und eine ordentliche Portion Charme verleiht. Bis heute hat „Mad Max 2“ nichts von seiner Faszination verloren, im Gegenteil, das leicht variierte „Cowboy-und-Indianer-Spiel“ vor postapokalyptischer Kulisse hat etwas ungemein Zeitloses an sich.
Unser News-Bereich wurde überarbeitet und wird in Kürze weiter ausgebaut werden, damit Sie stets aktuell über alle Neuigkeiten rund um die Welt des Films informiert sind.