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Mann unter Feuer (2004)
Eine Kritik von Apollon (Bewertung des Films: 3/10) eingetragen am 16.01.2007, seitdem 707 Mal gelesen
Natürlich könne man sich an der beleidigenden Darstellung der mexikanischen Hauptstadt, die zur Residenz alltäglicher Entführungen und tief verwurzelter Korruption stilisiert wird, echauffieren. Natürlich könne man die Figurenzeichnung kritisch beäugen, die Nebencharaktere - wie des Protagonisten alten Freund Rayburn (Christopher Walken) oder den zwielichtigen Rechtsbeistand Jordan (Mickey Rourke) - in einen Plotbrei einmassiert, um sie dann irgendwann einfach fallen zu lassen. Natürlich könne man hinterfragen, warum Tony Scott Bilder wie auf einem Drogentrip wild aneinander reiht, klatscht, näht, schweißt; alles verbleicht, verfiltert, vergrobkörnt, als bettle er um die Aufnahme in die Hall of Fame der MTV Music Video Awards?
Doch das ist es gar nicht einmal, was mich hier am Kopf kratzen lässt. Es ist dieser Creasy, gespielt von Denzel Washington. Ein versoffener Aushilfsbodyguard auf der Suche nach sich selbst. Die zu Beschützende, die kleine Pita (einzig wahrer Lichtblick: Dakota Fanning), holt ihn zurück ins Leben. Aus dem ungesprächigen Miesepeter wird so etwas wie ein Ersatzvater. Dann schlägt Mexico City zu: Pita wird entführt, die Lösegeldübergabe platzt. Man befindet das Mädchen für tot (freilich, der Zuschauer tut das nicht). Nun brechen Creasy die Flügel des Racheengels aus dem Rücken und er schwört, alle in die mexikanische Entführungsszene Involvierten zu töten. Und Creasy steht zu seinem Wort.
Wenn er mit Raketenwerfern auf Autos feuert und auf dem Weg zur Einschlagsstelle ganz nebenbei noch schnell ein paar Widersacher terminiert, könnte man sich vielleicht an einen Film wie "Phantom Kommando" erinnert fühlen. Doch Arnold Schwarzenegger ist nicht in Sicht. Auch John McClane nicht, der sich ebenso durch die Gegend one-linern würde. "Mann unter Feuer" meint es völlig ernst. Creasy ist weder Action- noch Antiheld, noch Amokläufer oder rot sehender Mann. - Er ist Held; zumindest in der Konzeption, für mich allerdings ein gänzlich niederträchtiger Selbstjustizler. Creasy foltert und quält den Leuten Geständnisse aus dem Leib, indem er ihnen Finger abtrennt oder Sprengstoff in den After schiebt, um sie anschließend so oder so kaltblütig zu exekutieren oder den Timer des Zünders auf null runterzählen zu lassen. Es genügt dem Film jedoch nicht, uns zurück in eine mittelalterliche Welt niedrigster Rachegelüste zu führen, er muss diesem Umstand auch noch eine religiöse Komponente beimengen. Denn Creasy, Bibel-kundig, richtete im Trinkerstadium die Waffe gegen sich selbst, doch die darin befindliche Kugel zündete nicht. Durch reichlich symbolische Aufladung nur als göttliches Zeichen deutbar. Und dies verleiht "Mann unter Feuer" eine äußerst bedenkliche Lesbarkeit: Ein mitunter religiös motivierter Amerikaner begreift seine Mission als Mission von Gottes Gnaden und versucht in vom Unrecht durchwucherten, fremdländischen Gefilde mit zweifelhaften Methoden der Gerechtigkeit zu dienen. Warum nur kommt mir das irgendwie so bekannt vor?
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