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Ring - Das Original (1998)

Eine Kritik von Der Mann mit dem Plan (Bewertung des Films: 7/10)
eingetragen am 01.09.2002, seitdem 1462 Mal gelesen


"Ring" attackiert den heimischen Cineasten an einer seiner empfindlichsten Stelle: Der Genuss des Videofilms. Denn in einer japanischen Stadt geht ein Videotape um, eine eigenartig-surrealistische, minutenkurze Montage, die sowohl schockiert - als auch tötet. Denn kurz darauf bekommen die Zuschauer des Tapes einen Anruf, der besagt, dass man nur noch eine Woche zu leben hätte. Eine Woche später ist Tomoko, die Cousine der Journalistin Reiko Asakawa tot.

Nach dem beunruhigendem Anfang geht es gemächlich zu. Langsam aber sicher baut Regisseur Nakata eine bösartig-beklemmende Atmosphäre auf, die an Mysteryfilme á la "Sixth Sense" erinnert. Denn Reiko stellt mit ihrem Exmann Ryuichi Nachforschungen an. Gemeinsam kommen sie einer alten Legende einer übersinnlichen Seherin nach, die die Integrität eines hochdekorierten Professors gefährdete. Dies ist nun 40 Jahre her - und doch sieht man ihr lebendiges Gesicht auf dem Videotape, das sich natürlich auch Reiko und Ryuichi angesehen haben. Daraus resultiert ein böser Countdown. Sieben Tage haben die beiden Zeit, um den Fluch des Videotapes abzuwenden. Diese 7 Tage werden von Nakata in kühle, unheilvolle Bilder getaucht. Die Kamera wandert nur langsam über die angsterfüllten Gesichter, sucht sich aber auch die seltsamsten Winkel aus, aus denen man hätte filmen können. Unterbrochen wird dieses hinterhältige Verweilen durch Schwarzweiß-Flashbacks, die zwar aufgrund ihrer Querverweise auf das Tape zunächst kaum Sinn ergeben, aber dadurch einen noch beängstigenderen Touch bekommen.

"Ring" entfaltet seine komplette Genialität dann zum Ende hin. Der eher langsam vorrantrabende Mysterythriller mutiert in den letzten Minuten dank Plot-Twist und visueller Überraschungen zu einem astreinen Schocker. Bei diesem peride-bösen Finale wundert es den Zuschauer auch nicht, dass Regisseur Nakata die gesamte Laufzeit über 94 Min. es vermieden hat, Gewalt oder übermäßige Effekte zu produzieren. Anstatt auf Blut und Gedärme setzt er clevererweise auf Spannung, Stimmung und diesem unguten Gefühl, das sich in dem Zuschauer breit macht.

Für alle diejenigen, die meinen das Horrorgenre wäre tot, ist dies der Pflichtfilm. Der Beweis, dass die größten und interessantesten Innovationen der späten 90er Jahre aus Asian kommen, und der Beweis, dass das Horrorgenre doch noch neu zu erfinden ist. "Ring" ist Pflicht... auch wenn das Telefon nach Genuss dieses Meisterwerkes klingeln könnte...


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