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Event Horizon - Am Rande des Universums (1997)

Eine Kritik von nickpicker (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 05.02.2007, seitdem 454 Mal gelesen


So gut, dass es weh tut (die Spoiler sind nicht ganz so schmerzhaft)...

...hätte der Film werden können (ob er es in seiner wohl 40 Minuten längeren Unrsprungsfassung war?). Es gibt einige Ideen, die eine äußerst weitreichende Variation und Tiefe an Umsetzungsmöglichkeiten bieten, auch wenn (oder gerade weil) sie grundsätzich recht simpel sind. Der Kern der Geschichte von "Event Horizon" gehört dazu. Da niemand wissen kann, wie es innerhalb eines schwarzen Lochs aussieht, wird in diesem Film der Fantasie ziemlich freien Lauf gelassen. Dass dabei die Plausibilität (wie z.B. überhaupt die Möglichkeit, ein Schiff wie die "Event Horizon" zu kreieren) ein wenig auf der Strecke bleibt, ist völlig unerheblich, da es hier vor allem um zwei Kernpunkte geht: die Erzeugung von Angst und ihre audiovisuelle Umsetzung (zum Ton werde ich weiter nichts sagen, darum hier nur die kurze Feststellung, dass er das Gezeigte in allen Belangen sehr gut zu untermalen vermag). Es geht nicht um großartige "messages", es wird nicht moralisiert (was bei der Höllenthematik, die sich im Verlaufe des Films auftut, eigentlich naheliegt), nein, Anderson reduziert den Stoff auf dessen direkte Wirkung auf den Zuschauer, der mit Augen und Ohren voll gebannt sein soll. Und das wird er sein, so viel ist klar, wenn...

...der Zuschauer bereit ist, sich auf den sehr speziellen Stil Andersons einzulassen. Dieser liegt, zugegebenermaßen, ziemlich auf meiner Wellenlänge. Während besonders "Resident Evil" ein Lieblingsziel der Andersongegner ist, mochte ich dessen aufgeschlossene, comichafte Umsetzung sofort. Lediglich "Alien vs. Predator" konnte ich allerdings deutlich weniger abgewinnen, was aber nicht an der graphischen Umsetzung, sondern am viel zu niedrigen Gewaltgrad, der sich in der Aussparung der interessantesten Alienwaffen ausdrückt, sowie an den letzten 20 Minuten lag... Aber ich schweife ab.
Andersons Stil also, der recht comichaft ist, oder, kurz und knapp gesagt, die Umsetzung vor den Inhalt stellt (wie es bei Comics nun mal üblich ist, widerspreche da, wer wolle), spricht vor allem die Emotionen an - hier eben Angst. Was ebenfalls zum Stil des Regisseurs gehört, ist sein Einfallsreichtum, was eben vor allem die visuelle Umsetzung angeht.
Die "Event Horizon" zum Beispiel zeichnet sich durch ihr großartiges Design aus. Außen in Kreuzform, ähnelt auch innerhalb alles einer Kathedrale: Die Pfeiler, Bögen, "Fackeln", Fenster, Verzierungen... Die Krönung dessen stellt ganz klar der Kern des Schiffes dar. Die Kugel erinnert nicht zufällig an den Kubus aus "Hellraiser", lehnt sich doch die Höllenidee stark an Clive Barker's Meisterwerk an (leider habe ich den vierten Teil noch nicht gesehen - wegen der Allparallele). Die gothisch-hypermoderne Architektur und Ausstattung des Raumschiffs erzeugt eine Mischung aus archaischer und rational-aufgeklärter Wirkung auf den Zuschauer und vermag so die Mischung aus menschlicher Technik und dem Etwas aus dem schwarzen Loch in ständige Präsenz zu bannen.
Als anderes Beispiel der Umsetzung seien nur kurz die Höllenszenen sowie die letzten Videoaufnahmen der Originalcrew der "Event Horizon" genannt, die sämtliche anderen Horrorsequenzen des Films gezielt auf die Spitze treiben. In ultrabrutalen Bildern (die in ihrer Fantasie auch "Hellraiser" noch um einiges zu übertreffen wissen!) wird die Essenz der Angst in diesem Film eingefangen - ist es doch die Hölle, die sich immer weiter Platz verschafft. Da es aber bekannt ist, dass endlich aufgedecktes Grauen in Horrorfilmen dank magerer Monsterkostüme oder viel zu hoch gesteckter Erwartungen seitens des Zuschauers regelmäßig für Enttäuschungen sorgen, hat man es hier anders gemacht: So gibt es die genannten Sequenzen nur für wenige Sekunden zu sehen, die dazu noch aus unzähligen Einzelschnitten bestehen; zudem gibt es viele Close-ups, unscharfe und verwackelte Bilder zu sehen, sodass von einer umfassenden Aufklärung, was auf dem Schiff genau passierte oder wie denn nun die Hölle aussieht, keine Antwort gegeben wird - gut so! Zwar habe ich teilweise gemerkt, dass hier und dort wohl etwas geschnitten wurde (was aber auch daran liegt, dass ich vorher von den Schnitten wusste), allerdings ist der Film auch so noch ein geschlossenes Werk und gut anzusehen.

Dass die teils sehr blutigen Horror- sowie die Actionszenen den Film nicht ersticken, bewirken die Szenen, die die Einsamkeit der Meschen im All zeigen - auch das wieder mit originellen Bildern unterlegt, ohne jegliche Déjà-Vu-Szenen zu bedienen (was Anderson über die Länge des gesamten Films gelingt).
So zum Beispiel gleich zu Anfang: Hauptcharakter Weir blickt aus dem Fenster - die Kamera sieht ihm entgegen und bewegt sich von ihm weg, wobei sie sich um 720° Grad drehend den Blick auf die Raumstation, das All und die Erde freigibt. Die Balance, die Anderson zwischen schnellen und langsamen Szenen findet, sowie der latente Unterton des unerforschlichen Grauens, das auch tatsächlich niemals im Film aufgedeckt wird, erschaffen zusammen mit der gelungenen Umsetzung des Regisseurs einen ganz besonderen Beitrag zum SciFi-Horror-Genre.
Und doch schöpfte die Fantasie hier nur aus einem kleinen Teil der ganzen Idee, ließ Anspielungen auf Dantes Göttliche Komödie nahezu außen vor, hat die krative Dimension der Zeitlosigkeit des schwarzen Lochs (angefangen beim übrigens nicht ganz korrekt übersetzten lateinischen Spruch, hin zur Architektur des Schiffs) nur angekratzt. Was, wenn sie noch weitergegangen wäre?


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