Eine Kritik von Dionysos (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 16.06.2004, seitdem 306 Mal gelesen
Einen guten Horrorfilm zu drehen ist eigentlich schon seit den frühen 80er-Jahren ein sehr schwieriges Unterfangen, da die wenigen wirklich guten Ideen bereits völlig verbraucht und abgenutzt sind: Geisterhäuser, Dämonen, düstere Mächte - alles schon x-mal gesehen und an die wenigen Klassiker reicht es doch nie heran.
Auch "Event Horizon" macht da keine Ausnahme, nur dass das "Geisterhaus" hier ein Raumschiff ist, das sieben Jahre zuvor unter mysteriösen Umständen verschwand und urplötzlich im Orbit um Neptun wieder auftaucht. Eine Rettungseinheit wird losgeschickt, um nach Überlebenen zu suchen, doch was sie findet, ist das pure Grauen - auch für den Zuschauer. Und das ist in diesem durchaus im positiven Sinne gemeint!
Denn was hier aus einem aus diversen Genre-Filmen zusammengeplotet und mit SciFi - Elementen aufgepeppt wurde ist von Anfang an fesselnd und unvorhersehbar. Die Charaktere wirken anfangs noch wie das übliche Kanonenfutter, werden einem aber im Laufe der Handlung immer sympatischer bzw. unheimlicher. Sie haben einen grossen Anteil daran, dass die von Beginn an durchweg bedrohliche Atmossphäre immer ihre Glaubwürdigkeit behält; besonders Sam Neil gibt als psychisch labiler Wissenschaftler eine genial-dämonische Vorstellung ab. Die Atmossphäre selbst ist eine der besten, die ich je erlebt habe, ja erlebt! Wenn beispielsweise besagter Sam Neil durch einen beengten Schacht kriecht, plötzlich das Licht flackert - unheimliche Stimmen - eine blasse menschliche Gestalt, die für Sekundenbruchteile neben ihm erscheint...Klaustrophobie, Angst vor der Dunkelheit, das nicht greifbare Unbekannte - in dieser einen Szene werden sämtliche menschliche Urängste wachgerufen, so dass es selbst dem horror-erfahrenen Zuschauer kalt den Rücken runterläuft - von den weiteren Schockeffekten ganz zu schweigen. Man bekommt wirklich Angst! Ein Effekt, den nicht mal eine Handvoll Filme herbeirufen können(Der Exorzist, Nightmare on Elmstreet 1).
So jedenfalls gelang Paul Anderson das Kunststück, aus einem B-Movie-reifen Drehbuch ein Horrorevent zu produzieren, wie man es in dieser Qualität danach aüsserst selten gesehen hat, ähnliche Produkte wie "Ghost Ship" waren dagegen lachhaft.
Einer meiner Lieblingsfilme 10/10
P.S.: Wer "Event Horizon" mag, sollte sich mal den B-SciFi-Horror "The Dark Side of the Moon" von 1990 ansehen - die Stories sind fast identisch, nur die Atmo bei weitem nicht so perfekt.