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„Onkel Sam und sein Ninja"

Der eigenbrötlerische GI Joe Armstrong landet auf einem US-Marinestützpunkt in den Philippinen. Dort wird er schnell zum roten Tuch bei Vorgesetzten und Kameraden, denn weder Respekt noch Sozialkompetenz gehören zu seinen Primärtugenden. Eigentlich hat er nur eine, die dafür in Reinkultur. Der gute Joe ist ein Kampfakrobat allererster Güte. Auch ohne schwarze Vermummung und so netter Spielzeuge wie Wurfstern, Handkrallen und Kunai-Messer gibt Joe eine fulminante Bewerbung zum Ninja des Jahres ab. Dummerweise leidet er seit seiner Kindheit an Amnesie, so dass er keine Ahnung hat, woher seine exzeptionellen Kampfkünste herrühren. Für seine Gegner macht es die Sache aber nur noch aussichtsloser, schließlich muss Joes Verstand sich ausschließlich mit dem Hier und Jetzt befassen.  

„American Ninja" wird auch 30 Jahre nach Erscheinen keinen Award mehr für sein geistreiches Drehbuch einheimsen. Als Gegenstand filmhistorischer Abhandlungen und Diskussionsrunden taugt er auch nicht unbedingt, außer man hält diese in dunstigen Kneipen, oder bei bierseligen Männerabenden ab. Nein, „American Ninja" ist keine hohe Filmkunst und auch kein verkanntes Meisterwerk, sondern schlicht das filmische Äquivalent zu Burger und Pommes. Ist billig, schmeckt trotzdem und stillt effektiv den kleinen Hunger zwischendurch.

In der ersten Hälfte der 80er Jahre waren die Cannon-Studios eine Art Franchise-Unternehmen für selbst ernannte harte Kerle. Charles Bronson, Chuck Norris und später Michael Dudikoff bedienten deren Bedürfnisse in schöner Regelmäßigkeit und erfrischender Gnadenlosigkeit. Da wurde sich nicht lange mit glaubwürdigen Geschichten oder gar mehrdimensionalen Figuren aufgehalten, da gab es ohne viel Firlefanz praktisch pausenlos auf die Zwölf. Irgendeine Form der Rücksichtnahme auf empfindsamere Gemüter oder anspruchsvollere Geister konnte man sich so getrost schenken, was dem ungestörten Filmgenuss - entsprechende Neigung natürlich vorausgesetzt - nur zuträglich sein konnte.

Im Falle von „American Ninja" - warum der deutsche Verleih auf die grandiose Idee kam, „Ninja" durch „Fighter" zu ersetzen, wird für immer sein Geheimnis bleiben - heißt die Devise dann konsequenterweise: fight and kill, fight and kill und zum krönenden Abschluss noch einmal ein beherztes fight and kill. Dazwischen kommt Joe einer Waffenschieberverschwörung auf die Spur (in die auch ein paar seiner Vorgesetzten verwickelt sind), schließt Freundschaft mit dem ebenfalls recht kampfeslustigen Ausbildungssergeant Curtis Jackson (Steve James) und hat auch noch ein wenig Zeit, um mit dem feurigen Töchterchen seines Colonels anzubandeln.  

Ex-Model Michael Dudikoff spielte hier seine erste Actionrolle und machte dabei eine ausgezeichnete Figur. Die Cannon-Mogule Golan und Globus wollten einen Actionstar im James Dean-Look - Bronson und Norris taten sich da erkennbar schwer - und den bekamen sie dann auch, zumindest physisch und optisch, aber mehr war ja auch gar nicht nötig.
Der Rest lief quasi von selbst, denn Cannon-Hausregisseur Sam Firstenberg hatte schon zwei fokussierte Ninja-Streifen für das Studio abgeliefert und bewiesen, dass er aus den knappen Budgets ein erstaunliches Maß an schicker Action destillieren konnte. „American Ninja" legt da noch eins drauf und gipfelt in einem Finale Furioso, in dem Dudikoff und James eine ganze Ninja-Armee nach allen Regeln der asiatischen Kampfkunst auseinander nehmen. Ein mehr als schmackhafter Appetizer auf den Leckerbissen ihrer fruchtbaren Zusammenarbeit, den im Folgejahr gedrehten „Avenging Force".

Location, Darsteller und Story fügen angesichts ihrer Limitationen dem Spektakel dann noch eine sympathisch trashige Note bei, die durch das inzwischen eindeutig identifizierbare 80er-Flair noch zusätzlichen Charme bekommt. Filme wie diese werden heute schlicht nicht mehr gemacht, die Flut an B- und C-Produktionen kann nicht annähernd eine vergleichbare Action-Expertise vorweisen, geschweige denn in Sachen Unterhaltungswert und Tempo Schritt halten. So gesehen heißt es diese vom Aussterben bedrohten Pflänzchen sorgsam hegen und pflegen, sprich an nachfolgende Genrefan-Generationen weiter geben. Scott Adkins ist schließlich auch nicht mehr der Jüngste.

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