|
 |

Ansicht eines Reviews
Blutgericht in Texas (1974)
Eine Kritik von lionel_cosgrove (Bewertung des Films: 10/10) eingetragen am 17.03.2007, seitdem 883 Mal gelesen
Der gutlaunige Ausflug fünf Jugendlicher wandelt sich zum puren Terror, als sie mitten in Texas in die Hände einer derangierten, ein Schlachthaus betreibenden Familie fallen, die ihre Opfer zu Würstchen un d Möbelstücken verarbeitet.
Handlung
Die junge Sally (Marilyn Burns), ihr an den Rollstuhl gefesselter Bruder Franklin (Paul A.Partain) und ihre drei Freunde Jerry (Allen Danziger), Kirk (William Vail) und Pam (Teri McMinn) wollen ein vergnügliches Wochenende auf einem ehemalige Bauernhof verbringen. Unterwegs nehmen sie in ihrem Kleinbus einen mehr als merkwürdigen Anhalter (Edwin Neal) mit. Dieser verletzt sich nämlich schräg motiviert selbst, erzählt ziemlich beunruhigende Dinge und bedroht schließlich die ganze Truppe. Man schmeißt ihn aus dem Fahrzeug, setzt aber trotz des Vorfalls, der schon eine kleine Warnung war, die Reise fort.
Das Haus, in dem man den Aufenthalt plant, entpuppt sofort nach der Ankunft als rechte Bruchbude, was aber in diesem Moment niemanden wirklich zu stören scheint. Ohnehin ist die Umgebung und ihre Erkundung viel wichtiger. Kirk, der mit Pam spontan die Gegend etwas durchforstet, verschwindet als erster von der Bildfläche. Die Suche Pams nach ihm ist weder erfolgreich, noch erfreulich.
Letztlich fällt die gesamte Gruppe einer nach dem anderen "Leatherface" (Gunnar Hansen) und seiner kannibalistischen Familie (Jim Siedow, John Dugan und Edwin Neal) in die Hände beziehungsweise zum Opfer. Die schrägen Vögel führen nämlich ein abgelegenes Schlachthaus, in dem das Fleisch ihrer Opfer untr anderem zu Wurst verarbeitet wird. Aus den „Abfällen“ fertigen sie dekorative Möbelstücke für ihr trautes Heim an.
Kritik
So, mehr gebe ich diesmal nicht bekannt, was den Inhalt betrifft. Ohnehin wäre es ein sehr schwieriges und vor allem unfaires Unterfangen, weitere Details herauszustellen.
Tobe Hoopers Regiedebut ist ohne Zweifel einer der intensivsten und aufwühlendsten Genrefilme überhaupt.
Als Marke sei an dieser Stelle erwähnt, daß er, Hooper, im Verlauf seiner weiteren Karriere nie wieder diese Klasse, annähernd noch mit seinem Nachfolgewerk „Eaten Alive“/“Death Trap“/“Blutrausch“, das ebenfalls eine freie Bearbeitung des „Ed Gein“-Falles darstellt, erreichte. Und nach nunmehr fast 30 Jahren wird er sie, unter völlig veränderten Produktionsbedingungen und in einer völlig anderen Zeit, wohl auch nie wieder erreichen (können).
Im Ergebnis ungeheuer bedrückend und verstörend, wird man hier mit einer dreckigen Geschichte und bizarren Charakteren konfrontiert, die wahrlich schwer an die Nieren gehen und eine der, wie ich finde, konsequentesten Film- Abscheulichkeiten, an dieser Stelle sei einzig die finale Quäl- Prozedur der „Heldin“ Sally genannt, aller Zeiten darstellen. Dabei fließt so gut wie kein Blut, was der Titel ja irgendwie gar nicht annehmen läßt, schon gar nicht im Sinne eine „Splatter“- Filmes, was das Werk ehrt und ihm gleichzeitig jegliche Effekthascherei abspricht. (ein "Massaker" im Sinn des Wortes gibt es also nicht)
Das der Hintergrund der Handlung, oder besser ihre motivische Basis, in der Realität zu finden ist, stimmt dabei umso schockierender (dazu später mehr), läßt aber parallel die angesprochene Konsequenz nicht als Ausgeburt eines kranken Gehirns dastehen (damit sind der Regisseur und der Drehbuchautor Kim Henkel gemeint), sondern als „True Crime“- Vertreter (der sachliche, erklärende Vorspann) für sich sprechen.
Inwieweit dies als solches Produkt anzunehmen ist, sei dahingestellt und ist nicht wirklich wichtig. Als Aufarbeitung eines Kriminalfalles sollte man den Film wie auch immer nicht sehen.
Aber ein Film wie dieser beschäftigt einen. Und wenn er wie dieser so eigenwillig gemacht wurde, fragt man sich, wie die Macher auf diese Fertigungsart kamen. Gab es Vorbilder, Orientierungspunkte, oder war es einfach der Mut zur Andersartigkeit ? (harte Schnitte, horrible Großaufnahmen, besonders geweiteter, tränenfeuchter Augen, die ungewöhnliche Tonkulisse)
Deutliche Parallelen sind wohl zu dem berüchtigten Streifen „Punishment Park“/“Strafpark“ zu ziehen. Es handelt sich dabei um ein semi- dokumentarisches Filmwerk, daß auf einer fiktiven Handlungsbasis die Allmacht des Staates, die Widersprüche von Gesetzen und diktatorische Systeme angreift und dies stilistisch im Sinn eines realen Dokuments präsentiert. Die bizarre Tonkulisse, die aus diversen Becken- Schlägen, Pauken und ähnlichen „Percussion“-Instrumenten- Klängen (zum Teil verhallt) zusammengebastelt wurde und vornehmlich Gewaltszenen begleitet, scheint tatsächlich diesem Film zu entstammen und schafft atmosphärische Passagen, welche die ohnehin krude und unheimlich perverse Anders- und vor allem Abartigkeit der „Saw“- Familie, Karrikaturen von „Backwoods“/„Hinterwäldlern“, ausdrücken beziehungsweise unterstreichen.
Noch ein paar Worte zu den Gewaltakten an sich. Kühler, nüchterner, treffender und, das ist der wohl wichtigste Punkt, erschütternder (also abschreckender!) kann man Gewalt nicht inszenieren.
Eine Faszination geht den Untaten völlig ab. Keine (Masken-, Blut-) Effekte (bis auf den der Kettensäge im Oberschenkel von „Leatherface“, der aber nichts mit Gewalt zu tun hat) stören die Wirkung, bringen optische Sehenswürdigkeiten oder beeindruckende Illusionen. Nichts als die trockene, entmenschlichende Unbarmherzigkeit ist es, die schockieren soll und es, unumwunden gesagt, auch tut.
Genannt sei das erste Auftauchen von „Leatherface“, der entschlossen in Berufsmanier seinen „Sledgehammer“ schwingt (Tonkulisse und Pause zum Luft holen beachten!) und das „betäubte Fleisch“ in den Schlachtraum zieht, das aufhängen einer jugendlichen Protagonistin an einem riesigen Fleischerhaken (wie ein Stück Fleisch eben, kein Blut zu sehen!) mit einer teilnahmslosen, routinierten Bewegung, das verfrachten einer selbigen in eine Tiefkühltruhe (wie ein Stück Fleisch eben) oder das, bereits benannte, Zerr- Finale (über der Zinnwanne), das in seiner Länge von über 2 Minuten geradezu eine emotionale Zumutung bedeutet.
Selten waren Schreie (bis dato und seitdem wieder) so markerschütternd und keine Schraffur. (oder gar Dialogersatz, wie es so mancher Schlitzer- Film beweist)
Die surrealistische Aura, die über allem schwebt hilft zu keiner Zeit weiter beziehungsweise macht das Gesehene verdaulicher oder entschärft es.
Hintergrund der Geschichte bildete der wahre Kriminalfall des Amerikaners Ed Gein aus dem Jahr 1954. Gein lebte in Plainfield/ Wisconsin , war ein unauffälliger, ruhiger, 51 Jahre alter Junggeselle, der als fauler, etwas zurückgebliebener, aber ansonsten unauffälliger Bürger in dem Örtchen bekannt war. Sein Geld verdiente er mit Gelegenheitstätigkeiten.
Der Kauf eines Frostschutzmittels wurde ihm damals zum Verhängnis. Der Sheriff durchsuchte nach einem Hinweis Geins Haus und fand den Körper der gesuchten Verkäuferin (des Frostschutzmittels) an den Füßen aufgehangen im Wohnzimmer, ohne Kopf und ausgeweidet, diverse Körperteile in Folie verpackt (von gesuchten und ungesuchten Personen) und einen Stuhl, der mit Menschenhaut bezogen war.
Bereits Alfred Hitchcock (also ein anerkannter, geschätzter Regisseur) verarbeitete in „Psycho“ (1960), nach Robert Blochs Roman, die Motive um den Fall Gein, wie später auch „Deranged“, „Three On An Meathook“ und neuerlich „Ed Gein“ von Chuck Parello, der mit „Henry- Portrait Of A Serialkiller 2“ Erfahrung zum Thema sammelte. Natürlich gibt es noch weitere Filme, die den Fall mehr oder minder genau als Motiv einflochten. So ist auch „The Silence Of The Lambs“/“Das Schweigen Der Lämmer“ (Regie: Jonathan Demme) dazuzuzählen.
Die systemlos wirkenden Kürzungen, die versuchen, jedes widrige Detail auszumerzen, in der ursprünglichen, trotzdem verbotenen Deutschen Fassung (VPS) sind sinnlos, da der Film nicht von kürzbaren Details lebt und nichts von seiner inhaltlichen Härte einbüßt. Wohl deswegen entschied man sich, das Werk trotzdem zu verbieten.
Die neue, durch die Jugendkommission geprüfte Version (VCL) ist gegenüber der alten Fassung weniger und vor allem geschickt(er) geschnitten worden und auf 185:1 ge-„matted“. Sie stellt insgesamt eine annehmbare „Light“- Version dar, da wenigstens nicht wild im Kontext umher geschnippelt wurde.
Die volle Wirkung entfaltet das Ganze aber natürlich nur in einer ungeprüften Version, die dem Original gleich ist.
Fazit
Einer der ganz großen, mit dem Kopf entstandenen Tabu-Brecher der Filmgeschichte, ein echter Tritt in die Magengrube und ein Denkmal des Horror- Genres, das kommentarlos „zeigt“ und nicht versucht, Gefühle manipulativ hervorzurufen.
 | "Surprise me!" BETA |
Zur Übersichtsseite des Films Liste aller lokalen Reviews von lionel_cosgrove
Zurück
 |
 |
|