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Blutgericht in Texas (1974)

Eine Kritik von Ebert (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 15.06.2001, seitdem 824 Mal gelesen


"Kettensaegenmassaker - Nur etwas fuer freude von Hackfleisch". So unterschrieb VPM in den 80er Jahren diesen Film und brachte ihn damit naeher ins Kreuzfeuer der Sittenwaechter heran. Ein Film mit Kettensaegen, in dem Menschen bestialisch gefoltert und ermordet werden? Der Schund musste weg. Schade, aber dank auslaendischer Fassungen kein Problem. Denn "The Texas Chainsaw Massacre" ist einer der besten, aber auch billigsten Horrofilme, die je gedreht wurden. Was zeichnet diesen Film aus? Er ist effektiv im produzieren von Angst ohne viel Blut zu zeigen. Ueberhaupt ist es tricktechnisch schwer moeglich gewesen, einen Menschen zu zersaegen. Es war fuer Hooper auch nicht noetig. Das der Film beschlagnahmt wurde, ist nur Juristen zu verdanken, die niemals filmanalytisch taetig geworden sind. Horror bezeichnet nicht nur Blut und Gedaerme, das heute als "Splatter" angedeutet wird und meistens nur stumpfes Schlachten bedeutet, ohne jeden Sinn (ausser dem Selbstzweck der Gewalt). Also, was gefaellt mir an TCH: in der Eingangszene sitzen die Freunde im VW-Bus und nehmen den geistig etwas Verwirrten mit, wie sich spaeter herausstellt ein Freund der "Chainsaw-Family". Der Junge im Rollstuhl beschreibt das Toeten von Kaelbern mit einer Art Drucklufthammer. Diese Szene ist fuer mich die Eindrucksvollste gewesen. Mit Kameraschnitten entlang der Kuehe, die getoetet werden sollten, und der Beschreibung des Jungen, der das erregend findet, wird das spaetere "Abschlachten" der Jugendlichen quasi gerechtfertigt. Der Mensch ist wie Vieh und wird auch so behandelt (so auch die durch die Juristenkommission der SPIO/JK beanstandete Szene in der das Maedchen mit einem Hammerschlag ueber einem Kuebel vom Opa getoetet werden soll. Eine sehr eindrucksvolle und beaengstigende Szene). Hooper vergleicht das Schicksal der Tiere mit dem der Jugendlichen. Eine erstaunliche Vermischung, die die Frage um das Toeten erneut stellt. "The Texas Chainsaw Massacre" hat einen erstaunlich niedrigen Blutgehalt. Trotdem ist er schwer zu geniessen. Seine Kraft liegt mehr im Brechen von Tabus als dem "Splatter". Er ist ein Meisterwerk, und ist nicht zuletzt deswegen ins "New York Museum of Modern Art"aufgenommen worden. Die SPIO/JK Fassung ist auch geschnitten, und echte, aber kritische Horror-Fans besorgen sich den Film am besten in de USA oder Holland, wo eine neue uncut version vom Label DUTCH FILMWORKS fuer 29.95 hfl zu haben ist.


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