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Blutgericht in Texas (1974)

Eine Kritik von kevinthebacon
eingetragen am 15.07.2001, seitdem 611 Mal gelesen


Der Titel verspricht eine Goregranate erster Güte, dabei ist "TCM" ein Psychothriller, der damals neue Maßstäbe in Sachen Publikumsmanipulation setzte. Der Film setzt wirklich starke Nerven voraus, um die sadistischen Exzesse der Saw-Family zu ertragen. Bedenkt man jedoch, mit welchen plumpen Stilmitteln Tobe Hooper die Nerven der Zuschauer strapaziert, sieht man den Film mit ganz anderen Augen. Stilmittel wie schräge Musikuntermalung, Schweinegrunzen und Frauenschreie bedürfen keiner inszenatorischen Genialität. So wirkt "TCM" im Endeffekt nicht beklemend, sondern nervtötend. Tobe Hooper scheint die Sinne des Menschen ausgiebig studiert zu haben, weiß er doch wie kein anderer, durch welche Bilder Schweiss auf der menschlichen Stirn produziert wird. So wird dem Film eine experimentelle Note aufgedrückt, denn der Film will provozieren, manipulieren, desillusionieren. Im Haus der Familie stehen Möbel aus Tierhaut und Menschenknochen - eine Müllschlucker-Ästhetik. Die Saw-Family hat einen metaphorischen Charakter in der Relation zur amerikanischen Gesellschaft, zeigt sie doch unverblümt die Schattenseite der Zivilisation. Ein Film als Experiment, der austestet, wann ein Zuschauer ausschaltet oder aus dem Kino rennt. Vergleichbar mit der Wirkung von "TCM" ist der Einfluss des Geräusches eines Presslufthammers, nur mit dem Unterschied, dass dieser keinen Kultstatus im Horrorgenre besitzt. Tobe Hooper ist zwar definitiv nicht der talentierteste Regisseur im Genre, bedenkt man die oben erwähnten plumpen Stilmittel, die wirklich nicht auf einen Geistesblitz zurückzuführen sind, doch entdeckt man im Laufe des Filmes den satirischen Unterton des Filmes, nämlich die Zerstörung der Wertvorstellung der Mittelklasse-Familie, eingebürgert in die Gossen Amerikas. Trotzdem enthält der Film einige unvergessliche Momente, wie beispielsweise den halbtoten Großvater oder Schreihals Marylin Burns. "TCM" zeigt keine inszenatorische Dichte, dafür aber positive gesellschaftskritische und schauspielerische Ansätze. So empfehle ich die kürzlich erschiene DVD von Laser-Paradise, die den Film im wesentlich interessanteren O-Ton zeigt.


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