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Wild Bunch - Sie kannten kein Gesetz, The (1969)

Eine Kritik von Adalmar (Bewertung des Films: 5/10)
eingetragen am 22.07.2006, seitdem 1195 Mal gelesen


The Texas Schnauzbart Massacre

"The Wild Bunch" - dieser Titel lässt eigentlich anderes vermuten als ein Grüppchen abgehalfterter, vom Leben und vom Alk gezeichneter Ganoven mit Schnauz- und Vollbärten, die, teilweise schon nahe dem Rentenalter oder schon in selbigem angekommen, noch mal ein großes Ding drehen wollen. Dabei sieht vor allem Hauptdarsteller William Holden so desillusioniert aus, als würde er gleich vom Pferd fallen.
Dies kann man natürlich im Einklang mit intellektuellen Kultfilmschwärmern, die sich immer wieder mal über einen Film hermachen und dann tausend versteckte künstlerische Botschaften ausmachen, als Allegorie für das bevorstehende Dahinwelken der Westerngattung ausmachen. Leider fehlt diesem Film die Intensität und das Feuer von Filmen wie etwa denen eines Sergio Corbucci. Dass er an expliziter Gewalt, vor allem in Form von heftigsten und blutigen Feuergefechten, alles damals sonst vorhandene in den Schatten stellt, hat dem Film letztlich seinen "Kultfaktor" verliehen und zeigt, wo z. B. John Woo seine Inspirationen her hat. Aber alles drumherum sieht leider deutlich schwächer aus, vor allem im deutlich über zwei Stunden dauernden "Director's Cut".
Der Film besteht im Grunde aus einer Ballerorgie am Anfang, einem Zugüberfall in der Mitte und einer Ballerorgie am Ende und liefert zwischendurch eine Menge Hin und Her, einen Haufen von Szenen, die für die eigentliche Handlung nicht relevant sind. Der Film dürfte eigentlich nur etwa 90 Minuten lang und mit einem sinnvollen Verlauf versehen sein, dann würde man nach dem übersättigend-explosiven Anfang des Films nicht regelmäßig unkonzentriert auf die Uhr schauen. Nichts gegen eine maßvoll und zurückhaltend aufgebaute, spannende Handlung. Es muss ja nicht immer geschossen werden. Aber nach einer derartigen Einleitung, die durch ihre Zerstörungswut schon mal sehr abstumpfend auf die Empfänglichkeit des Zuschauers wirkt, strengt einen das müde Vorwärtsplätschern des Films schon sehr an. Zumal die Handlung zu einem großen Teil aus Geprächen besteht wie z. B. einer Unterhaltung über die Erlebnisse mit Prostituierten. Das geht dann ungefähr so:

- Hähähä! Da hast du also nach Pferden gesucht, während xyz mit den Nutten... hähähä...
- Ja, hahaha! Ich bin mit denen Tandem gefahren, hähähä!
- Hohoho, was heißt das denn?
- Ja, eine vorne, eine hinten! Hähähähä!
- (alle): Hähähähähähähä!

Das stelle man sich noch viel ausgedehnter vor, in Verbindung mit geifernden Alkoholikergesichtern, und man hat ungefähr eine Vorstellung vom Großteil dieses Films. Das ständige zynische Gelächter geht irgendwann einfach mächtig auf die Nerven. Abgesehen davon ist die eigentliche Handlung auch nicht logisch motiviert. Z. B. die Gangsterbande um William Holden überlässt den Feinden einfach einen von ihren Leuten mit dem Hinweis "You take care of him" und wundert sich wenige Zeit später, dass sie ihn total fertiggemacht haben. Ach nee, das war ja gar nicht vorherzusehen? Auf diese Weise werden dann Gewaltexzesse motiviert, was wahrscheinlich auch auf die Sinnlosigkeit von Gewalt hinweisen soll. Aber die hat dem Film ja schließlich seine Berühmtheit verschafft.
Vollkommen sinnlos sind auch Nebenfiguren wie der deutsche Offizier, der immerhin dann mal ein paar deutsche Worte im O-Ton sagen darf: "Nein, nein! Hört auf mich! Das ist falsch!", während die als saudumm dargestellten Mexicanos sich gegenseitig mit dem MG niedermähen.
Insgesamt für Western- und Ballerfilmfreunde interessant, aber erfüllt seinen Ruf meiner Ansicht nach nicht, aufgrund der viel zu langgezogenen und sinnlosen Handlung und der lustlosen Schauspielerei.


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