|
 |

Ansicht eines Reviews
Wild Bunch - Sie kannten kein Gesetz, The (1969)
Eine Kritik von Cinecritic (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 11.03.2008, seitdem 290 Mal gelesen
Wenn man beschließen würde, in seinem Leben nicht mehr als 10 Western zu sehen, dann sollte "The Wild Bunch" unbedingt darunter sein! Sam Peckinpah´ s ebenso brutaler wie melancholischer Film strahlt auch nach mehr als 35 Jahren noch die gleiche Frische aus, die er wohl am Tage seiner Uraufführung innegehabt haben dürfte.
Texas, 1914: Der Überfall auf ein Lohnbüro in San Rafael endet in einem Blutbad, dem fast eine ganze, zufällig vorbeikommende Prozession zum Opfer fällt. Pike (William Holden) und seinen Männern (u.a. Ernest Borgnine und Edmond O` Brien) gelingt die Flucht vor denen, die sie schon erwartet und darum das Feuer auf sie eröffnet hatten. Doch sie werden gnadenlos verfolgt, angeführt von Thornton (großartig: Robert Ryan), ehemals selbst ein Teil des "wilden Haufens", der jedoch aufgrund einer Leichtsinnigkeit von Pike ins Gefängnis kam. Nun soll ihm die Haftstrafe erlassen werden- vorausgesetzt er liefert seinen ehemaligen Kumpanen und dessen Bande ans Messer! Doch das erweist sich als schwierig, zumal Pike und die anderen inzwischen die Grenze nach Mexiko passiert haben- und dabei sind, ihre Dienste dem selbsternannten General Mapache (Emilio Ferández) anzubieten...
Wer nun glaubt, alles würde auf ein Rachefinale vom Schlage eines Films wie "Spiel mir das Lied vom Tod" hinauslaufen, wird überrascht sein, denn ganz so einfach gestrickt gibt sich das Drehbuch nicht. Auch verkommt Thornton immer mehr zu einer Nebenfigur, die zwar durchaus eine wichtige Katalysatorrolle einnimmt, aber gerade im Hinblick auf das Ende nicht wirklich bedeutsam ist. Viel wichtiger sind Peckinpah und Co-Autor Walon Green die Konflikte innerhalb des "Haufens". Das Augenmerk liegt also auf diesen Antihelden, die nicht einmal (wie zu Beginn) den Tod Unschuldiger in Kauf nehmen, wenn es dazu dient, ihr eigenes Leben zu verlängern. Gerade darin liegt wohl ein Großteil der Qualitäten dieses Films: die Charaktere sind alles andere als Gutmenschen. Doch je weiter die Geschichte voranschreitet, desto vertrauter werden dem Zuschauer diese Männer, die bei aller Verkommenheit letztendlich wenigstens füreinander einstehen, anstatt Ihresgleichen dem Schicksal zu überlassen.
Im Gegensatz zur politischen Korrektheit (und der damit verbundenen Formelhaftigkeit) vieler Streifen heutzutage, ist es immer noch beeindruckend zu sehen, wie rau, energiegeladen und konsequent das Hollywoodkino in den ausklingenden 60er Jahren schon war (und wieviel von dieser Freiheit es bis in die jetzige Zeit hin eingebüßt hat). "The Wild Bunch" steht damit ganz in der Tradition von Arthur Penn´s wegweisendem Gangsterklassiker "Bonnie und Clyde"- zumal beide Filme von einer ähnlich hohen Qualität sind. Die Zeitlupe wird hier wie da zum Einfangen der Gewalttätigkeit genutzt, was für schonungslose, aber auch atemberaubend realistische Bilder sorgt. Es wäre jedoch falsch, Peckinpah´s Geniestreich nur auf seine Brutalitäten hin zu reduzieren. Denn der Streifen hangelt sich nun einmal nicht von Actionszene zu Actionszene, sondern bietet zwischenzeitlich immer wieder Momente der Ruhe, die der gefesselte Zuschauer fast ebenso nötig hat wie die Protagonisten. Was in so manch anderem Genrefilm womöglich zu Längen geführt hätte, wird in "The Wild Bunch", bedingt durch die zurückhaltende wie kraftvolle Inszenierung Peckinpah´s und dem hervorragenden Spiel der Darsteller, zu fast schon exemplarischen Momenten des Mensch-Seins. Diese Szenen wirken umso mehr, wenn man sich rückblickend den Showdown ins Gedächtnis ruft, der, einem Inferno gleich, über die Charaktere herfällt. Am Ende ist auch der Zuschauer beeindruckt. Ebenso wie Robert Ryan´s Thornton, der nur noch müde das Ergebnis betrachten kann. Ausgelaugt dürfte auch der Zuschauer sein, ist "The Wild Bunch" doch ein fesselnder, von Meisterhand inszenierter Kraftakt, an dem es so gut wie nichts auszusetzen gibt. Ein in höchstem Maße wirkungsvoller Streifen, der sich seinen Platz in der Filmgeschichte redlich verdient hat.
Fazit: Großartige Darsteller wie William Holden, eine innovative Kameratechnik (Peckinpah nutzte mehrere Highspeed-Kameras), ein toller Schnitt (dessen Abruptheit das Chaos der Gewaltszenen besonders gut hervorhebt) und ein fulminanter Showdown, eingebettet in eine ungeheuer packende Inszenierung- das ist der Stoff aus dem (Western-)Meilensteine sind. Ein absolutes Muss!
9,5/10 Punkten
 | "Surprise me!" BETA |
Zur Übersichtsseite des Films Liste aller lokalen Reviews von Cinecritic
Zurück
 |
 |
|