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Wild Bunch - Sie kannten kein Gesetz, The (1969)

Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 16.08.2004, seitdem 2066 Mal gelesen


Neben Sergio Leones einflussreicher „Dollar“ – Trilogie zählt Sam Peckinpahs zur gleichen Zeit entstandener „The Wild Bunch“ zu den wichtigsten Beiträgen des Western. Der Name Peckinpah war nach diesem Film ein Begriff, seine Inszenierung mitunter revolutionär, seine Figuren unsympathische Lumpen. Ende der Sechziger wurde eine neue Art von Western geboren, die gegen die Saubermänner, die amerikanischen Cowboys, rebellierte und einen ganz anderen „Wilden Westen“ zeigte.

In dieser Welt gibt es keine strahlenden Helden, hier reagiert der Egoismus und die Geldgier. Kein Platz mehr für idyllische Marlboro-Romantik, ein knallharter Überlebenskampf ist der sich kurz vor dem ersten Weltkrieg im Umbruch befindliche Westen. Wer hier gut und wer böse ist, ist längst nicht mehr auszumachen, denn die Grenze ist längst verschwommen. Der Bandit Pike Bishop (William Holden, „The Devil’s Brigade“, „The Towering Inferno”) zieht mit seinen Männern durch das Land, raubt Banken und Eisenbahnen aus, ist dieses Lebens aber längst überdrüssig. Diese desillusionierten Figuren prägen den Film. Keiner der noch ein klares Lebensziel vor Augen hat. Seine Bande hurt sich lieber durch die Betten und besäuft sich, wohl wissend das kein anderes Leben jemals wieder für sie in Frage kommen wird. Eingestehen wollen sie es sich nicht, sie mimen Fröhlichkeit – alles nur gespielt. Aber ein letztes Mal, wollen sie es noch mal wissen. Ein letzter großer Coup, um sich dann mit Stil aufs Altern vorzubereiten. Die Welt verändert sich gerade rasend schnell, für diese Art von Männern bietet seinen keinen Platz mehr. Eile ist gefragt.

Doch sind die vermeintlich Bösen auch wirklich die, für die man sie hält? Auch ihre Verfolger, unter der Führung des ehemals zu Pike gehörenden Deke Thornton (Robert Ryan, „The Dirty Dozen“), sind keine Musterknaben. Ganz im Gegenteil, sie sind noch abstoßender als ihre Beute. Deke muss einen Haufen von zusammengekauften Halsabschneidern und Strauchdieben anführen, die ohne mit der Wimper zu zucken auch den Tod von Zivilisten in Kauf nehmen oder Soldaten über den Haufen knallen – nur die Gier nach Belohnung treibt sie voran. Dieser Pessimismus Peckinpahs dringt bis in die letzte Figur vor, Frauen sind durchweg Huren und Verräterrinnen, nicht mal vor den vermeintlich unschuldigen Kindern macht er halt. Sie ereifern sich nach einer blutigen Schießerei selbst als Revolverhelden, spielen den Tod nach und lassen metaphorisch zwei gegeneinander kämpfende Skorpione in einem Ameisennest die Geschichte des Films erzählen – am Ende verbrennen sie den ganzen Haufen.

Peckinpah geht mit seinem ersten „großen“ Film gleich in die Vollen. „The Wild Bunch“ hat alle Elemente, die seine späteren Filme wie „Getaway“ so unverwechselbar machten. Dazu gehört natürlich vor allem die Action. Sie rahmt den Plot eigentlich ein, denn nur zu Beginn und vor allem im Finale werden ausufernde Shootouts geboten und die haben es, wer hätte es anders erwartet, auch in sich. Wegweisend, grandios, versiert und einzigartig, wie der Mann seinerzeit inszeniert hat. Spektakuläre Stunts und blutige Shootouts werden mit dieser eigenen Schnitttechnik (3643 Schnitte, war damals ein Rekord) kombiniert, dazu gesellt sich der nicht aufdringliche aber vortreffliche Score Jerry Fieldings (ebenfalls verantwortlich für Kompositionen zu „The Killer Elite“ oder „ Bring Me the Head of Alfredo Garcia“). Das blutige Ende ist höllischer Wahnsinn, trotz seiner Gewalt nicht ekelerregend oder abstoßend, sondern auf seine Art edel und ästhetisch - ein Gemetzel, das Filmgeschichte schrieb. Die Choreographie dieser ausufernden Schießerei ist schon allein für sich ein Meisterwerk.

Hat „The Wild Bunch“ Mängel? Ja, zumindest was den Plot angeht. Der Film ist vielleicht 10 Minuten zu lang und bremst mit manchen Szenen den Film einfach zu sehr aus, nimmt ihm das Tempo wenn es gerade interessant wird. Peckinpahs Charakteranalysen bleiben meist zu oberflächlich. Wie gern hätte ich mehr über Pike, Deke, Dutch (Ernest Borgnine, „Airwolf“) und vor allem den alternden Freddie (Edmond O'Brien) erfahren. Warum sind sie zu dem geworden, was sie jetzt sind? Hier verschenkt Peckinpah eindeutig Potential und präsentiert die Figuren in wilden Saufgelagen und verruchten Etablissements, anstatt Informationen Preis zu geben. Die Rückblenden sind da einfach unbefriedigend.
Seine narrativen Fähigkeiten sind hier noch nicht so ausgeprägt, in seinen späteren Filmen sollte das besser funktionieren. „The Wild Bunch“ wird nie zum Langweiler, aber eine straffere Inszenierung zwischen der Flucht Pikes und dem neuen Auftrag hätten dem Film insgesamt gut getan.

Fazit:
Sam Peckinpahs „The Wild Bunch“ ist ein wegweisender, einflussreicher, zutiefst pessimistischer Western, der die Fassade diverser Cowboymythen gnadenlos einreißt und eine hässliche Welt präsentiert. Die Schießereien sind wie gewohnt von Peckinpahs genialer Inszenierung geprägt, der namhafte Cast kann sich mit seinen Figuren identifizieren, wirklich in ihnen aufgehen sollen aber nur die Hauptdarsteller. Wäre „The Wild Bunch“ etwas straffer erzählt worden und würde er mehr über seine Charaktere Preis geben, wäre er wohl Genrespitze. So bleibt der zweite Platz hinter Sergio Leone, aber nur ganz knapp.


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