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Wild Bunch - Sie kannten kein Gesetz, The (1969)
Eine Kritik von MäcFly (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 17.08.2004, seitdem 524 Mal gelesen
Jeder große Regisseur hat seinen großen Film, mit dem er sich unsterblich macht. Bei Peckinpah ist das zweifellos „The Wild Bunch – Sie kannten kein Gesetz“, ein Western, der vor knapp 35 Jahren kontrovers diskutiert wurde: Manche hielten ihn für einen meisterhaften Abgesang, doch im puritanischen Amerika hatte der Film aufgrund seiner exzessiven Gewaltdarstellung einen schweren Stand.
Sogar heute kann der Film gerade aufgrund dieser Szenen elektrisieren, der Beginn und vor allem der blutgetränkte Schluss schrieben Filmgeschichte. Peckinpah verzichtet in seinem Western auf eine Heroisierung der Hauptdarsteller, die für die gute Sache kämpfen, es gibt keinen Idealtypus des Cowboy mehr. Das Leben ist ein einziger harter Kampf, der oft mit unfairen Mitteln ausgefochten wird, wobei der einzige Grund, einen Guten von einem Bösen zu unterscheiden, darin liegt, seine Ehre zu bewahren und den Seinen treu zu sein. Sympathieträger finden sich nicht, jeder Charakter schießt hier auch auf Kinder, wenn es sein muss, kauft sich Nutten und kommt keine Minute ohne Hochprozentiges aus. Das macht es schwer, Identifikationsmöglichkeiten zu finden, doch Peckinpahs Mut, das Ende des Wilden Westens so zu zeigen, wie es wirklich war, nämlich dreckig und gewalttätig, verdient Bewunderung.
Weil die Moderne in Form von Automobilen und neuen Feuerwaffen, wie dem Maschinengewehr, den Wilden Westen ablöst, symbolisieren die Outlaws auf ihren Pferden den Geist vergangener Tage, stehen aber trotzdem vor einem Nichts, weil sie für sich in der neuen Welt keinen Existenzsinn mehr sehen. So ist der Showdown eine logische Konsequenz, in dem sich die vier übrig gebliebenen der „Wilden Horde“ in einem fulminanten Todesballett überraschend lange gegen eine feindliche Übermacht behaupten können, ohne Aussicht auf eine Überlebenschance. Peckinpah lässt das Blutbad phasenweise in Zeitlupe ablaufen, nur um dann schnelle Schnitte hinterherzuschicken, die den Zuschauer aus der Gewaltästhetik sofort wieder auf den harten Boden der Realität herunterreißen. Das Gemetzel ist zu ästhetisch inszeniert, um wegzuschauen – und fast zu hart, um hinzuschauen. Nie wieder hat Peckinpah eine Schiesserei derart ausufernd und elektrisierend in Szene gesetzt wie beim Finale in „The Wild Bunch“.
Obwohl dieser Abgesang seine inhaltlichen Hänger hat – manchmal hat man den Eindruck, es werden zu viele Saufgelage und Nuttenbesuche gezeigt, als nötig – ist Peckinpahs umstrittenstes Werk neben „Straw Dogs“ ein Pflichtfilm für jedermann, der sich mit Western halbwegs auskennt und sich nicht scheut, der ungeschminkten Realität ins Auge zu sehen, aber ein paar Spannungshänger in Kauf zu nehmen bereit ist. Wer „Winnetou“ oder „Die glorreichen Sieben“ mag, könnte damit durchaus seine Probleme haben.
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