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Ticket für zwei, Ein (1987)
Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 6/10) eingetragen am 20.02.2011, seitdem 385 Mal gelesen
Mit vier Regiearbeiten und noch mehr Drehbüchern war John Hughes zum Teencomedyspezialisten der 80er avanciert, weshalb „Ein Ticket für zwei“ zumindest teilweise einen Aufbruch zu neuen Ufern darstellen sollte.
Denn dem Genre der Komödie blieb Hughes auch weiterhin treu, in diesem Falle in der bekannten Konstellation um zwei gegensätzliche Typen, die vom Schicksal aneinandergeschweißt werden. Zuerst macht „Ein Ticket für zwei“ den Zuschauer mit Neal Page (Steve Martin) bekannt, der Heiligabend nur schnell zur Familie will, von einem nicht enden wollenden Meeting, Verkehrsinfarkten und vor der Nase weggeschnappten Taxis aber aufgehalten wird. „Ein Ticket für zwei“ kostet das Pech schadenfroh aus, was Steve Martin wiederum Raum für seine cholerischen Tiraden gibt, die man von ihm kennt.
Sein späteres Anhängsel ist der Vertreter Del Griffith (John Candy), gutmütig und eine Laberbacke vor dem Herren, was dem wenig geduldigen Neal natürlich ein Dorn im Auge ist. Doch das ist nicht sein größtes Pech: Der geplante Heimflug gen Family wird umgeleitet, weil das Wetter zu schlecht ist, mit Neal und Del an Bord. Klar ist das Ziel der Reise formuliert, die Strecke, welche der Held zurückzulegen hat, ist eine geographische, doch man ahnt es bereits: Der Weg ist das Ziel.
Verschiedene Umstände machen Neal und Del nämlich zu Reisegefährten, deren Pläne jedoch nie lang gut gehen: Immer wieder müssen die Vehikel gewechselt werden, um die nächste Etappe zu überbrücken, ehe das nächste Missgeschick die Reise unterbricht…
Mit diesem episodenhaften Konstrukt ist das Gerippe geschaffen, das Hughes nun noch mit Fleisch füllen muss. Die Katastrophen, die er seinen beiden Hauptfiguren dabei auftischt, sind durchaus amüsant, arbeiten immer wieder mit dem Konzept der heiteren Schadenfreude und werden zunehmend abstruser: Geradezu köstlich die Szenen, in den das Auto des unfreiwillig zusammengeschweißten Gespann erst in Flammen aufgeht, danach aber immer noch als fahrbarer Untersatz dienen muss.
So kreativ das Drehbuch beim Ausdenken der Pannen auch ist, so wenig fällt ihm allerdings zur Komik zwischen bei den beiden Figuren ein, die immer wieder in die gleichen Manierismen verfallen: Neal wird cholerisch und versucht seinem Ärger Luft zu machen, prallt mit seinem verstockten Pedantentum aber immer wieder an naiven Frohnatur Del ab. Del wiederum ist immer wieder für die etwas derbere Komik zuständig, wenn er Socken im Waschbecken wäscht (welches Neal natürlich unwissend benutzt) oder Bier im Bett verschüttet, der dicke Trottel halt.
Und so drohen die Maschen mit der Zeit ins Leere zu laufen, würde nicht irgendwann Hughes’ Gespür für Figuren zünden und den Film wieder gerade biegen. Einzelne Momente des Menscheln sorgen dafür, dass man Neal nicht einfacher Stock-im-Arsch-Träger abkanzelt, z.B. wenn er nach einer Zugpanne Del beim Tragen dessen schweren Koffers hilft, obwohl dieser ihn so nervt. Del hingegen geht dem Zuschauer über weite Strecken fast ebenso auf den Keks wie er es Neal tut, doch auch da kann Hughes gegensteuern: Die durchaus absehbare, aber trotzdem herzerwärmende Szene am Ende, in der Del sein Seelenleben offenbart und damit eine schlüssige Begründung für sein Handeln liefert, ist sicherlich der schönste Moment des Films.
Zudem gibt ebenjene Szene John Candy die Möglichkeit auch mehr als nur den Dösbaddel vom Dienst zu geben und sein schauspielerisches Talent einzubringen. Steve Martin ist solide, erbringt aber keine Glanzleistung, wobei sein verkniffenes Gesicht und der mit dem Wahnsinn kokettierende Blick gegen Ende der Reise urkomisch sind. Als Schmierlappen, mit dem sich Neal um ein Taxi duelliert, tritt übrigens Kevin Bacon auf.
Dank Hughes Figurengespür ist „Ein Ticket für zwei“ eine durchaus amüsante Komödie mit Herz, deren simples Rezept zwar nur teilweise aufgeht, da die Komik durchaus etwas ausgewogener sein könnte (gerade was die Interaktion der Hauptfiguren angeht), aber nicht zuletzt dank des rührenden Ende ein ganz netter Spaß.
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