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Life and Death of Peter Sellers, The (2004)
Eine Kritik von Moonshade (Bewertung des Films: 7/10) eingetragen am 11.05.2005, seitdem 899 Mal gelesen
„Es hat einmal eine eigene Persönlichkeit gegeben. Aber ich hab sie entfernen lassen!“
Kein Ausspruch Peter Sellers ist so oft zitiert worden und keiner beschreibt den Eindruck, den die Welt von ihm hatte, besser und treffender.
Kein Wunder also, daß der Film „The Life and Death of Peter Sellers“ sich hauptsächlich darum dreht, genau dieses Zitat zu illustrieren.
Sellers war ein menschliches Fragezeichen und es ist bis zu seinem Tod vor einem Vierteljahrhundert niemanden gelungen, dieses Rätsel zu entschlüsseln.
Er schlüpfte in eine kaum faßbare Anzahl von Rollen, im wahren Leben jedoch blieb er ein schier unausstehliches Kuriosum, mal liebevoll und ausgelassen, mal neurotisch, aufbrausend und tyrannisch, bisweilen widerwärtig und beleidigend, stets in akuter Haßliebe zu seiner Arbeit, seinem Können, seinen Fähigkeiten und seinen Kollegen und Regisseuren.
Folglich versucht auch Stephen Hopkins sich nicht daran, den Menschen Sellers zu entschlüsseln, sondern präsentiert den Film als eine Reihe von Anekdoten und Vignetten, die dem Zuschauer, der Sellers Biographien nicht kennt, die Eindrücke plakativ präsentieren.
Natürlich liefert der Film Hinweise darauf, was alles auf ihn Einfluß genommen haben könnte, aber die tatsächlichen Gründe sind hier nicht mal Gegenstand von Mutmaßungen.
Hopkins spannt den Bogen ausgehend von den 50er Jahren, als Sellers noch mit der „Goon Show“ im Radio erfolgreich war, zeigt die dominante verehrt wie bisweilen gehaßte Mutter, den schwachen verschwindenen Vater, die Familie mit Kindern, präsentiert Sellers Einschleichen ins Filmgeschäft.
Die britischen 50er-Jahre überspringt die Story dann und steigt praktisch dann ein, als sich die ersten deutlichen Risse am psychischen Fundament zeigen. Als er mit Sophia Loren „Die Millionärin“ dreht, imaginiert er sich erfolgreich ein, daß die Loren ihn liebt, obwohl sie mit Ponti offensichtlich sehr glücklich ist. An dieser Einbildung zerbricht Sellers Ehe, die in einer bizarren Szene mündet, in der ihn seine Tochter fragt, ob er sie nicht mehr lieb hätte und er liebevoll antwortet: „Natürlich hab ich euch und Mami immer noch sehr lieb, aber nicht so sehr wie Sophia Loren!“
Das Shizophrene, leicht zu Beeinflußende an Sellers wird auch dann Gegenstand der Handlung: die ständige „Führung“ durch den Hellseher Woodruff (Stephen Fry), der bisweilen von Sellers Produzenten bezahlt wird, um ihm etwas zu zeigen, was ihnen wichtig ist (was zu einschneidenden Mißverständnissen führt, als Sellers das prophezeite B.E. (Blake Edwards für eine weitere Pink-Panther-Fortsetzung)) mit Britt Ekland verwechselt und sie heiratet); seine Haßliebe zu Blake Edwards, der gleichzeitige Reiz und das Ausgenutztsein im Verhältnis zu Stanley Kubrick.
Als seine verehrte Mutter die tödliche Erkrankung des von ihr ignorierten Vaters verschweigt, läßt er sie eiskalt fallen, um sich bei ihrem Tod nur neue Schuldgefühle zu holen.
Episode reiht sich an Episode, stets unterhaltsam oder aufschlußreich, aber wenig erhellend. In einem der wenigen originellen Momente schlüpft Geoffrey Rush alias Peter Sellers gleich auch noch in die Rollen von Vater, Mutter, Ehefrau oder Kubrick, um dem Zuschauer Verständnis oder vage Erklärungen für sein/Peters Verhalten zu vermitteln, während er durch die Kulissen schreitet. Besonders gelungen in der Passage als seine Mutter, als die er aus dem Krankenhausbett sich erhebt, erklärend durch die Gänge schreitet, um schließlich bei der eigenen Aufbahrung in den Sarg zu steigen, worauf Rush als Sohn einen Heulanfall erleidet.
Im Grunde jedoch ist Rush der einzige Grund, wirklich stolz auf den Film zu sein, denn seine Energie und Wandlungsfähigkeit ist ein Traum. Er bildet Sellers in einem Dutzend seiner Filmrollen ab, deckt 25 Jahre des Privatlebens und der Veränderungen ab und spielt noch die o.a. Zusatzfiguren. Lediglich den jungen Sellers kann er nicht mehr wirklich leisten, aber das beschränkt sich auf wenige Rollen.
Nur Aufschluß, den kann er uns nicht geben. Immerhin ist den Machern ein rührender Abschluß gelungen, wenn Sellers sein „Being There“ endlich in die Kinos bringt, einen Film, dessen Hauptrolle im am Nächsten kam, einen Mann ohne Eigenschaften und Persönlichkeit.
In den letzten Einstellungen „gefriert“ Sellers praktisch auf der Straße vor einem Lokal, in dem Blake Edwards ihm erneut einen Panther-Film (den sechsten) andrehen will, er ist endgültig unnahbar geworden.
So betrachtet, ist auch der Titel des Films ein Fake, denn weder erhalten wir wirklich Aufschluß über sein Leben, noch erfahren wir über seinen Tod, wenn wir mal nicht sein Leben als langsames Sterben betrachten oder seine neun Herzstillstände als kleine Tode.
Mitten im Nachspann verabschiedet er sich dann schließlich, die Kamera folgt ihm bis zu einem Trailer mit seinem Namen, doch er informiert das Team: „Hier dürfen sie nicht herein!“
In dieser kurzen Szene liegt die ganze Essenz, die den Film überflüssig macht und gleichzeitig zu einem trefflichen Stück Eyecandy, getragen von einem einzigartigen Hauptdarsteller und vielen launig agierenden Kollegen.
Wir brauchen ihn nicht wirklich, aber hätten wir ihn nicht gesehen, würde uns doch was fehlen. (7/10)
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