Eine Kritik von Abakus (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 18.07.2005, seitdem 910 Mal gelesen
Um dem Titel des Films gerecht zu werden wurde er auch so produziert. Die fetten Jahre sind vorbei. Vorbei die Zeiten, in denen ein Film mit einer teuren Panavision oder Arriflex auf 35mm oder 65mm gedreht wurde. Nein, dieser hier entstand vollständig in einer Panasonic DVC 50P Digitalkamera im Format DV. Das erklärt die zumeist homevideoähnliche Bildqualität mit einer Helligkeitsregulierung, die zum Schreien ist. Aber das hat alles seinen tieferen Sinn, denn schließlich: Die fetten Jahre sind vorbei.
Was wir hier sehen ist ein äußerst intelligent gefertigtes gesellschaftskritisierendes Drama um drei Freunde, die in den Rollen der unteren Mittelklasse in die Villen der reichen Leute einbrechen, um sie wachzurütteln, ihnen ein schlechtes Gewissen zu verschaffen. Diese Szenen in dem Haus sind wirklich pervers spannend gemacht. Man fühlt so richtig mit den Leuten mit und ist total aufgeregt, als wäre man selber bei diesen Streichen dabei. Die wackelige Combat-Kamera (so nenne ich sie seit "Private Ryan") trägt einen großen Teil dazu bei. Sie bestimmt fast den ganzen Film.
Aber auch ein Paar Kontinuitätsfehler haben sich hier eingeschlichen, wobei ich nicht weiß, ob sie gewollt sind: In der Sequenz, wo Daniel Brühl und Julia Jentsch die Wohnung renovieren, raucht er eine Zigarette, die schon dreiviertelst abgebrannt ist. Nach dem nächsten Schnitt sieht man deutlich, dass die Zigarette gerade angezündet wurde und noch lang ist. Und des weiteren erleben wir den Fakt, das bei drei Männern, die eine Woche lang auf einer einsamen Berghütte wohnen der Bartwuchs wohl mal eine kleine Pause einlegt. Am Ende ist der Manager sogar glatt rasiert, obwohl er gar nicht die Gelegenheit dazu hatte.
Aber das sind zwei Kleinigkeiten, die dem Film nicht schaden. Er macht einen Menschen nachdenklich und wird über 122 Minuten von nur 4 Schauspielern wundervoll inszeniert. Sollte man sich ansehen.
Das gibt eine 9/10.