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Fetten Jahre sind vorbei, Die (2004)
Eine Kritik von sebolon (Bewertung des Films: 8/10) eingetragen am 16.07.2006, seitdem 316 Mal gelesen
Ein Film beginnt mit "One Inch Punch". Diese Band hat wohl eine der bedeutensten und besten Platten in den 90ern geschmiedet. So viel Individualismus, das macht neugierig...es ist schon wirklich nicht einfach, gute deutsche Filme zu finden, doch "Die fetten Jahre sind vorbei" ist wirklich einer von denen!
Individualismus und Idealismus, das sind wohl die Schlagwörter, um diesen Film auszudrücken. Ein Bewußtsein, dass in Zeiten des Massenkonsums und der totalen Abstumpfung und Reizüberflutung keineswegs mehr an der Tagesordnung ist. Viel mehr ist es doch so, dass Leute, die sich aus guten Gründen gegen das System stellen von vorne herein außen vor sind.
Jan und Peter stellen sich trotz allem Widrigkeiten gegen das System der "Fetten". Die "Fetten", all die Aufsichtsratschefs und Manager und was weiß ich noch für Wasserköpfe, beeinflussen unser aller Leben. Sie beuten uns aus, schröpfen uns, ja melken uns, wie eine Herde Kühe - und wofür?? dafür, dass sie noch einen Mercedes in ihre Garage stellen können, oder ein 35 Meter Boot irgendwo vor Anker liegen haben.
Dieses System versucht der Film "Die fetten Jahre sind vorbei" anzuprangern. Er sucht irgendwo eine Insel zu finden, eine Insel für Individualisten, für Menschen, die noch an andere Sachen glauben, die noch fühlen, dass es mehr auf der Welt gibt, als Reichtum und Macht. Es irgendwo ein Anknüpfen an die Zeit eines Rudi Dutschke, an eine Bewegung der Studenten in einer Zeit, in der auch ein gewisser Überdruß war.
Der Film prangert die konventionellen Regeln an. Kann es sein, dass ein Bonze, der Millionen auf der Bank hat, sich von einer armen Studentin sein Auto bezahlen lässt, nur weil sie zufällig für den Unfall schuld war, bei dem das Auto zerstört wurde? Ist dies in irgendeiner Weise gerechtfertigt?? Warum ist es so, dass Menschen, die vorher auch auf irgendeine Art idealistisch waren, sobald sie in die Position der Macht gelangen, ihr Leben vergessen, ihre Ziele, ihr menschlich sein? Ist es nicht traurig, dass es nicht mehr Zusammenhalt und Menschlichkeit unter den Menschen gibt, dass es kein Zusammenleben ist, sondern ein bitterer Kampf zwischen Alpha-Tieren um die Vorherschafft. Warum sind viel mehr Mensch darauf aus, anderen Menschen zu schaden, als sie zu unterstützen und sie weiter zu bringen??
Es gibt noch 1000 Fragen des Idealismus, die der Film aufgreift.
Er versucht ein besseres Gefühl für Recht und Unrecht zu geben, er versucht, ein Stück Idealismus, Menschlichkeit und Zusammenhalt dem Denken zurückzugeben, dadurch, dass er aufzeigt, dass es besser sein kann, manchmal gegen das System zu kämpfen, das es Spaß machen kann, den "Großen" ein Schnippchen zu schlagen...vergleichbar damit ist auch irgendwo der Film "Was tun, wenn's brennt?"
Es ist wirklich traurig, dass die Menschheit zum Teil schon so abgestumpft ist, dass man entweder mit der Herde läuft, alles so macht, dass man in der heutigen Welt ankommt und deswegen versucht, irgendwann auch ein "großes Alpha-Tier" zu sein, oder dass man am Filter hängt, man nur einstecken muss, nur abgeschröpft wird, aber man nichts mehr dagegen unternimmt, sondern den Kopf in den Sand steckt...
"Das Rebellieren ist einfach schwieriger geworden!", "Es gibt einfach keine Jugendbewegung mehr!", "Revolution, Che-T-Shirts, all das kann man mittlerweile in jedem Laden kaufen!"
Doch wie soll es auch anderst sein, dass keine Revolution mehr gestartet wird? Die Menschen haben so eine Reizüberflutung, dass sie überhaupt keine Zeit mehr haben, sich Gedanken über eine Revolte zu machen. Sie haben Play Stations, 500 Fernseh-Programme, sind einfach viel zu müde, um irgend eine Revolution zu starten.
"Die fetten Jahre sind vorbei" sollte ein Anstoß sein, damit sich in all den fetten Ländern, wozu Deutschland mit Sicherheit immer noch gehört, endlich mal etwas bewegt...es sollte endlich mal jemand à la Rudi Dutschke auf die Straße gehen und dem Establishment zeigen, wo der Hammer hängt...
In diesem Sinne..."Ihr habt zu viel Geld" - Die Erziehungsberechtigten...
Aber es ist einfach nur noch eine Frage der Zeit, bis dieses korrupte System zusammenbricht und die Leute auf die Straße gehen...
8.5/10 Punkte
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