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Eraser (1996)

Eine Kritik von movieguide (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 20.01.2008, seitdem 306 Mal gelesen


Auch wenn Arnold Schwarzenegger bis zu seiner Vereidigung zum Gouverneur von Kalifornien regelmäßig neue Actionfilme für seine immer noch treue Anhängerschaft ablieferte, so begann der Stern des Actionsuperstars Mitte der 90’er langsam zu sinken. Junge und smarte Schauspieler schoben die steierische Eiche immer mehr aufs Abstellgleis, muskelbepackte Haudegen wie sie in den 80’ern das Maß aller Dinge waren, fristeten nur noch ein Nischendasein. Zwar blieb Schwarzeneggers Ruf von alledem relativ unangetastet, doch auch bei ihm zeigten sich immer mehr Abnutzungserscheinungen, was auch den immer schlechter werdenden Drehbüchern zuzuschreiben war. Die Endzeitapokalypse in End of Days oder Klonexperimente in The Sixth Day konnten das Publikum nur noch schwer bei der Stange halten. Glücklicherweise durfte er zum Abschluß seiner Schauspielerkarriere noch einmal in die Rolle des stählernen Cyborg zurückkehren, die ihm seinerzeit zum Durchbruch verhalf. Sieht man aber einmal von dieser Fortsetzung ab, muss man ins Jahr 1996 zurückgehen als Schwarzenegger mit „Eraser“ seinen letzten wirklich guten (eigenständigen) Actionfilm drehte.

„Eraser“ ist Schwarzenegger auf den Leib geschrieben und wäre in anderer Besetzung gar nicht vorstellbar. Als Agent für das Zeugenschutzprogramm der Vereinigten Staaten ist es seine Aufgabe Menschen zu schützen, die sich in akuter Lebensgefahr befinden. Schon allein der Name John Kruger klingt nach geballtem Testosteron, was durch die stämmige Statur von Arni natürlich noch deutlich an Profil gewinnt. Schwarzenegger erfindet in „Eraser“ das Schauspielern sicher nicht neu und bewegt sich ausschließlich auf bekanntem Terrain. Diese Spielfläche beherrscht er dafür wie kaum ein anderer, was er auch hier wieder eindrucksvoll unter Beweis stellen kann.

Als Agent gerät er auch hier wieder in die Schußbahn zwielichtiger Gestalten. Die bezaubernde Lee Cullan (Vanessa Williams) hat für das FBI streng geheimes Material eines privaten Waffenproduzenten gestohlen und steht nun auf der Abschußliste. Der Einsatz wird zum gefährlichen Manöver für Kruger, da auch Mitarbeiter der Regierung und Polizei mit in die verräterischen Machenschaften verstrickt sind…

In vielerlei Hinsicht erinnert die Geschichte stark an Arnies vorherigen Welterfolg True Lies, erreicht aber erwartungsgemäß nicht die gleiche Güteklasse wie unter der Führung eines James Cameron. Dennoch oder vielleicht gerade weil der Film recht einfach gestrickt ist, macht „Eraser“ einen Heidenspaß. Zwar wird weit weniger auf parodistische Elemente gesetzt, das hat aber keine Auswirkungen auf den Unterhaltungswert. Arni präsentiert sich gut in Form, bekommt einige sehr passende On-Liner auf dem Leib geschrieben und darf die Muskeln spielen lassen. Im Gegensatz zu einigen Folgeprojekten nimmt man ihm die „One Man Show“ ab, was aber auch daran liegt, das „Eraser“ sich zu keinem Zeitpunkt ernst nimmt und bewusst seinen Hauptdarsteller mit scheinbar übermenschlichen Kräften ausstattet, wenn auch nicht ganz so überzogen wie in Phantom Kommando.

Die Handlung ist erwartungsgemäß simpel, aber eigentlich sowieso nur schmückendes Beiwerk um Schwarzenegger Agententätigkeit zu betrachten. Interessant sind dann doch einige inhaltliche Wendungen, denn der von James Caan gespielte Partner von Schwarzenegger ist gleichzeitig auch für finstere Waffenschieber tätig. Caan darf dabei nicht nur vortrefflich in die Rolle des korrupten Beamten schlüpfen, sondern sich auch von seiner fiesen und kaltblütigen Seite präsentieren. Mit Vanessa Williams bekommt Arnie außerdem eine bildhübsche Frau zur Seite gestellt, die er vor den eigenen Leuten schützen muss.

In punkto Action setzt „Eraser“ zwar keine neuen Maßstäbe, gefällt aber vor allem durch seine ziemlich altmodische rustikale Art. Es wird nicht nur geballert was die Wumme hergibt, auch fliegen des Öfteren die Fäuste. Das Gezeigte ist zwar nicht übermäßig brutal, zimperlich geht es aber auch nicht nur Sache. Neben diversen Shootouts darf Schwarzenegger auch im Nahkampf punkten, was man bisher nicht allzu oft bewundern durfte. Actionhighlight ist der Einsatz der Railguns, dank moderner Tricktechnik wird hier ein wahres Effektfeuerwerk abgefeuert. Leider sehen nicht alle Spezialeffekte im Film so gut aus wie die Railguns, so enttäuschen beispielsweise die künstlichen Krokodile aus dem Rechner. Teilweise kommt auch animiertes Feuer zum Einsatz, was aber aufgrund der ansonsten ausgereiften Pyrotechnik überhaupt nicht notwendig gewesen wäre. Diese kleinen optischen Ausrutscher stören glücklicherweise nur marginal und schmälern den Gesamteindruck nicht wirklich.

Fazit:
„Eraser“ ist ein guter Schwarzenegger Film, der auch über 10 Jahre nach Erscheinen immer noch frisch wirkt und durch seine geradlinige Action und einen guten Score von Alan Silvestri zu Gefallen weiß. Schwarzenegger überzeugt einmal mehr als knallharter Macho, erreicht aber nicht ganz seine Leistung früherer Tage. Sieht man einmal von Terminator 3 ab, ist dies wohl der letzte eigenständige Actionstreifen, der hält was das Prädikat Schwarzenegger verspricht.


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