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Fahrenheit 9/11 (2004)

Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 6/10)
eingetragen am 07.11.2004, seitdem 276 Mal gelesen


„Fahrenheit 9/11“ ist Michael Moores persönliche Abrechnung mit George W. Bush – aber leider weniger objektiv als andere seiner Werke.
Sicherlich hat auch „Fahrenheit 9/11“ seinen Unterhaltungswert, das muss ganz klar gesagt werden. Vor allem Moores Aktionen den Patriot Act über die Lautsprecheranlage eines Eiswagens den Abgeordneten vorzulesen oder die Senatoren vor laufender Kamera dazu überreden wollen, ihre Kinder in den Irak-Krieg als Soldaten zu schicken, sind herrlich dreist und beweist Moores Engagement.
Leider vernachlässigt Moore dabei die Präsentation überzeugender Fakten, die vor allem sein sehr gelungenes Buch „Stupid White Men“ zur treffenden Bush-Kritik machen. Schon der Auftakt erzählt kurz etwas vom Wahlbetrug, aber wirkt nicht so aufwühlend wie ein Kapitel mit gleichem Inhalt aus dem Buch, da Moore die entscheidenden Fakten weglässt und mehr auf Bilder wie süffisante Kommentare setzt, aber seiner Kritik so die Substanz fehlt. Zumal er an vielen Stellen (Berichte über den 9.11. oder den Irakkrieg) viele Bilder ohne Kommentar zeigt; interessante Fakten also wohl nicht aus Zeitgründen ausgelassen wurden. Dabei ist der Film in jenen Momenten am besten, wenn er wirklich etwas aufdeckt (z.B. die Verbindungen der Familien von Bush und Bin Laden oder die Ignoranz der Bush-Regierung den Terrorwarnungen gegenüber).

Zudem merkt man diversen Szenen auch an, dass hier Interview-Ausschnitte mit Bedacht gewählt wurden, um Bush dumm erscheinen zu lassen – wahrscheinlich dümmer als er wirklich ist. Am überzeugendsten sind die sicherlich jene Schnipsel, die am wenigsten aus dem Kontext gegriffen sind (z.B. bei der Kinderbuchlesung am 9.11.).
Auch vor ziemlich krassen Bildern schreckt Moore nicht zurück, vor allem bei seiner Schilderung des Irakkrieges. Hier bleibt er zudem sehr fair und zeigt, dass es auf beiden Seiten US-Soldaten wie Irakis sowohl rational denkende Menschen als auch tumbe Kämpfer mit Spaß am Töten gibt.

Sicherlich ist „Fahrenheit 9/11“ recht unterhaltsam und zeugt vom aufrichtigen Engagement Michael Moores, aber leider vernachlässigt er hier die Fakten zugunsten seiner persönlichen Abneigung und verschenkt Potential.


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