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Rashomon - Das Lustwäldchen (1950)

Eine Kritik von The Bishop (Bewertung des Films: 10/10)
eingetragen am 13.06.2009, seitdem 492 Mal gelesen


Der japanische Film fristet bei uns (mal abgesehen von der jüngsten Anime-Welle) nach wie vor ein Nischen-Dasein, was jedoch angesichts der völlig anderen Kultur und fremdartigen Sichtweise auf die Dinge nicht weiter verwunderlich ist. Dennoch gibt es ein paar japanische Klassiker, Regisseure und Darsteller, die auch unserer westlichen Sichtweise gefällig sind. Akira Kurosawa und Toshiro Mifune zählen zweifellos dazu, und ihre gemeinsamen Werke - allen voran natürlich Die Sieben Samurai - gelten zu Recht zu den einflussreichsten Werken der Filmgeschichte.

Vier Jahre zuvor entstand Rashomon. Eigentlich ein Krimi und Gerichtsfilm, vereint Kurosawa gekonnt philosophische, psychologische und historische Aspekte der Heian-Zeit zu einem heute vielfach zitierten Geflecht von Wahrheit und Lüge, Beobachtung und Spekulation, Gut und Böse. Es gibt lediglich 7 Personen (Bandit, Frau, Samurai, Holzfäller, Mönch, Bürger, Medium), dafür werden gekonnt 3 Handlungsstränge verknüpft (Gegenwart, Gerichtsverhandlung, Verbrechen). Das faszinierende ist die variierende Erzählweise durch die unterschiedlichen Schilderungen der Tat durch die Beteiligten und Zeugen. Mönch und Holzfäller nehmen hierbei die Position des Betrachters ein, die ebenso wenig die Wahrheit erkennen können, wie wir als Zuschauer.

Brillant auch die handwerkliche Perfektion und Ausgewogenheit der Bilder als Einzelne, als auch des Filmes als Ganzes. Wolken, Regen, Wind und Sonne, Bäume, Laubwerk, Holz - nichts wird zufällig eingesetzt, sondern erfüllt immer einen Zweck. Allein die Anfangssequenz strotzt vor Spannung, obwohl man nur 2 Männer unter dem Rashomon-Tor sitzen und in den Regen starren sieht. Oder die Kamerafahrt, die den durch den Wald gehenden, später laufenden Holzfäller begleitet - fantastisch gefilmt. Oder die unterschiedlichen Aussagen vor Gericht, direkt in die Kamera gesprochen. Dazu Kämpfe, die man so sicher noch nie in einem Samurai-Film gesehen hat - weil sie so schlecht sind. Denn nicht jeder, der ein Schwert trägt ist ein Meister, nicht jeder Samurai hat keine Angst vor dem Sterben, und so arten die Kämpfe eher in verhaltene Prügeleien aus, wie sie wahrscheinlich tatsächlich stattfinden würden.

Zu Recht bekam Rashomon1952 den Ehren-Oscar als bester ausländischer Film und begründete Toshiro Mifunes Karriere und Akira Kurosawas Kultstatus als einer der einflussreichsten Regisseure seiner Zeit. Für Freunde des japanischen Films ein Muss, aber auch für andere anspruchsvolle Cineasten ein Genuss.


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