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Appleseed (2004)
Eine Kritik von McClane (Bewertung des Films: 6/10) eingetragen am 17.12.2009, seitdem 287 Mal gelesen
Nicht zuletzt aufgrund seiner technischen Finesse wurde „Appleseed“ als neue Animehoffnung gefeiert, im punkto Story blieb das Lob dann eher verhalten.
Ein gelungener Auftakt kann den Zuschauer fesseln und in dem Bereich verdient sich „Appleseed“ eine Eins mit Sternchen: Extrem großartig animierte Bilder einer Cyberpunk-Zukunft füllen die Leinwand, anschließend wird man Zeuge einer Schlacht zwischen Deunans Rebellentruppe und einer Horde hochgerüsteter Widersacher, bei der die animierte Action alle Register zieht. Beeindruckende Explosionen, Geballer, stilvolle Nahkämpfe, die jedoch auf ein realistisches Physikmodell zurückgreifen – das ist eine wirklich runde Sache.
Am Ende des Kampfes wird Deunan von einer weiteren Kriegergruppe gerettet, gerade als ihr letzter Augenblick gekommen scheint. Die Krieger, zu denen auch das Bewusstsein von Deunans ehemaligen Weggefährten Briareos, jetzt in einen Roboterkörper gestopft, gehört, bringen Deunan nach Olympus, ein Utopia von einer Metropole, fernab der sonstigen Kriegshandlungen. Neben Menschen wird die Stadt von Bioroiden, menschenähnlichen Robotern, bevölkert, deren Status nicht so ganz klar ist: Sie sind nützlich und friedfertig, aber trotzdem werden sie von einigen argwöhnischen beäugt.
Argwohn ist es aber nicht allein, was die Bioroiden erwartet, eine immer stärker werden Terrorgruppe attackiert sie und ihre Lebensgrundlagen. Deunan wird ungewollt zur Schlüsselfigur des Konflikts…
Technisch ist „Appleseed“ tatsächlich ein Vorzeigewerk des Animationskinos, offizieller Verlautbarung zufolge der erste komplett am Rechner erstelle Anime, wobei die Figuren nicht auf die Plastizität eines „Final Fantasy“ gepeitscht wurden, sondern tatsächlich wie klassisch gezeichnete Anime-Figuren aussehen. „Appleseed“ setzt aufs visuelle Umhauen, in diesem Dienst steht auch die erwähnte Eingangssequenz, an die ironischerweise keine nachfolgende Szene mehr herankommt – und oft wirkt die Animation der Figuren in schlichten Alltagsbewegungen unnatürlicher als in elaborierten Kampfszenen, da merkt man, wo die Mühe hin floss.
Was allerdings nicht bedeutet, dass „Appleseed“ einfach nur die dicke Actionkeule auspackt, um den Zuschauer damit niederzuknüppeln. Stattdessen werden die Actionszenen als pointierte Akzente eingesetzt, fürs Finale hebt man sich dann die megadicke Schlacht auf und es gibt stets was fürs Auge, wenn man Probleme auf die dialogarme Weise aus der Welt schafft. Da gibt es dann auch die ganze Palette von Nahkämpfen mit eigenwilliger Bewaffnung über derbes Geballer bis hin zur finalen Materialschlacht, bei der große Teile der Metropole kräftig lädiert werden.
Doch so bildgewaltig „Appleseed“ auch ist, dramaturgisch runde Werke sehen anders aus. Subtexte und philosophische Ansätze in allen Ehren, doch wenn die Kontrahenten inmitten von Kampfszenen und kurz vorm Finale (wo man eigentlich Tempo erwarten darf) noch ein Schwätzchen über Leben, Tod, Universum und Fisch halten, dann zerstört „Appleseed“ seine aufgebauten Spannungsbögen ein ums andere mal. Oft stimmt das Pacing des Films einfach nicht, da ist er zu schnell, wo er sich Zeit lassen sollte, und dort langsam, wo er zackig sein müsste. Außerdem tun sich hier und da Probleme in der Erzählstruktur des Films auf: Da quasselt Deunans Führerin durch Olympus über Bioroiden, als ob schon längst etabliert wäre, um wen oder was es sich dabei handelt, der Film liefert die entsprechenden Erklärungen aber erst einige Zeit später.
Unbedingt originell ist die Mär von künstlichen Menschen und deren (Nicht-)Anerkennung auch nicht, „Blade Runner“ und Co. haben das ja bereits Jahre vorher durchgekaut, doch immerhin erzählt „Appleseed“ seine Geschichte mit Ambition, macht sich Gedanken darüber, wie man wohl mit derartigen Geschöpfen umgehen würde. Nur leider, wie gesagt, hätte man darüber hinaus lieber noch ein paar Gedanken daran verschwendet, wie man die Geschichte auch entsprechend spannend und flott erzählt.
Technisch und visuell ist „Appleseed“ eine Wucht, keine Frage, im Subtext schwingen die bekannten Fragen zum Thema Mensch-Sein mit, doch Tempoprobleme und ein immer wieder abbrechender Spannungsbogen verderben den Spaß etwas. Aber die Auftaktszene, die ist ein echter Hammer.
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