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Whisky (2003)

Eine Kritik von nici1980 (Bewertung des Films: 8/10)
eingetragen am 30.12.2005, seitdem 325 Mal gelesen


„Sagt: Whisky“ - „Whisky“ – Klack - „Danke sehr“. Schon sind der Sockenfabrikant Jacobo (Andres Pazo) und seine treuherzige Mitarbeiterin Marta (Mirella Pascual) (schein-) verheiratet. Jacobo bekommt anlässlich der Grabbeisetzung seiner Mutter Besuch von seinem Bruder Herman (Jorge Bolani), der einst aus dem heimischen Montevideo nach Brasilien ging, um sein Glück zu suchen. Jacobo überredet Marta für diese Zeit seine Frau zu spielen und Herman überredet das „Ehepaar“ zu einer Reise ans Meer. Ein neuer Impuls im Leben der Figuren?

Mit Detailversessenheit inszenieren die beiden Regisseure Rebella und Stoll den monotonen Alltag ihrer Figuren. Jeden morgen wartet Marta, wenn Jacobo ankommt, bereits vor dem Stahlrollo, der Schlüssel ins Vorhängeschloss, Innenansicht, das Tor wird hochgeschoben, die Maschinen werden eingeschaltet, die fertigen Socken werden über Plastikfüße gestülpt und auf Löcher geprüft, die beiden Arbeiterinnen betreten die Fabrik. Abends: die beiden Arbeiterinnen verlassen die Fabrik, Martas inspizierender Blick in die Taschen, „bis morgen, so Gott will.“ Schon die Tatsache dass das klemmende Rollo repariert werden muss ist ein außergewöhnliches Ereignis in diesem grauen Einerlei, dass die beiden Regisseure in den immergleichen Einstellungsfolgen der immergleichen Abläufe unnachgiebig sezieren. Nebensächlich und alltäglich wird uns auch die deutsch-jüdischen Abstammung der Brüder und die Verarmung des uruguayischen Bürgertums (Jacobos Auto das nur mit Ach und Krach anspringt, die veralteten Maschinen, etc.) vermittelt. Die Tristesse des Gezeigten wird immer wieder mit herrlich unaufdringlichem Humor aufgelockert, so etwa gehört zu den Ritualen des „Ehelebens“ von Marta und Jacobo nun auch, wie er immer wieder die Betten auseinender- und sie sie wieder zusammenrückt. Weiterhin besitzt Marta die Gabe rückwärts zu sprechen.

Der Titel, so die Regisseure, spielt an auf das fingierte Lächeln beim Photographen, weil es in ihrem Film eben genau um die Vortäuschung von Gefühlen und Zuständen gehe, zumindest Jacobo bricht bis zum Schluss nicht aus dieser Täuschung aus.


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