Review
von Con Trai
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Wie in vielen anderen Werken, die einem Undercover - Cop in die Kreise der Gangsterwelt folgen, wird auch in Psychedelic Cop die Infragestellung bestehender Ordnungssysteme angesprochen, die beiderseitig ritualisierte Praxis auf den verschiedenen Seiten des Gesetzes, die aus dem Individuum inmitten dieser Grenzen eine Betäubung des Souveräns macht. Die ständige Verstellung vor seinen neuen Kollegen und den alten zugleich, das Verschweigen der wahren Berufung vor Familie und Freunden und die ewig präsente Gefahr von ebenfalls beiden Seiten der Gewalt lassen jede seiner Taten und Worte mit einem symbolischen Gehalt auszeichnen, in der die nächste Aktion schon die letzte sein kann. Zusätzlich zur eh schon verabreichten Identitätskrise noch das Leben mit der Bedrohung, wie beim Schwert des Damokles. Nur dass er hier selber zur Schnittwaffe greift. Als Ninja.
Denn das, was den Film auszeichnet und ihn somit trotz der eigentlich von vornherein vernichtenden Herkunft aus der Matrix Productions Company Limited Klitsche abhebt, ist die Andersartigkeit des Ganzen, der Versuch einer Abgrenzung von der Urszene der Undercover - Geschichten, die in HK schon lange vor Infernal Affairs Usus waren und hinterher natürlich auch weiteren Auftrieb erhielten. Regisseur und Co - Autor Bosco Lam, der Anfangs der Neunziger die Category III Welle als aktives Mitglied mit einigen namhaften Produkten bediente, setzt hierbei keine gänzliche entzaubernde Gegentendenz zu den sonstig konventionell ablaufenden Geschichten und weist sowohl der Initiation, der Integration und der Konstitution eine Beobachtung zu, transformiert sich aber schnell in die Instabilität seiner Hauptfigur und damit auch eine eben nicht auf das Genaueste festgelegte Abfolge der Ereignisse:
Polizist Dee [ David Lee ] wurde im Auftrag von Inspector Lee [ Danny Lee ] in die Xin Hai Triade von Boss Cha [ Kau Man-lung ] und seinem Assistenten [ Wayne Lai ] eingeschleust, wo er momentan zusammen mit dem Frischling Wan Zhong-fa [ Ken Chung ] für die Eintreibung von Schutzgeldern verantwortlich ist. Eines Tages trifft er dabei auf Wans Schwester BB [ Sharon Chan ], die zusammen mit einer Freundin [ Samantha Chu ] als Masseuse arbeitend ihr Zubrot verdient und sich aus Sorge um ihren kleinen Bruder auch emsig für ihn interessiert. Als nach der Liquidation eines anderen unterwanderten Polizisten auf Chas Yacht nur wenig später ein komplett in Schwarz gekleideter Attentäter mit Samuraischwert das Blut der Anwesenden verteilt, wird auch die Reporterin Jesse [ Claire Yiu ] neugierig auf die Angelegenheit, winkt doch die große Schlagzeile. Nach einem zweiter verheerenden Zwischenfall blasen sowohl Obrigkeit als auch die Kriminellen zur Hetzjagd auf den Selbstjustizler.
Aus den vorgegeben historischen Ursprüngen wird hier rasch eine unseßhaft umherziehende Mischform, die ohne die Problemrealität zu ignorieren gar nicht erst versucht, einen verlorenen Zustand zurückzugewinnen, sondern sich seine eigenen eigentümliche Bedingungen erfüllt und so auch selber einen neuen Wirkungskreis, mit dem Raum für ein Ausspielen subversiven Verhaltens bildet. Aus der üblichen komplexen Wahrheit, deren dunklen Seiten, die Abgründe, die Tabus, die Bedrängnis schon getreu des Titels von Man on the Brink über City on Fire und On the Edge bis hin zum aktuellen [gar das Shaw Brothers Kinoprequel Laughing Gor - Turning Point auslösenden] Serienhit Emergency Unit beschrieben wurden, wird hier ein durchaus vielfältiger, sicherlich nicht automatisch vielschichtiger Prozess der Klärung. Getauschte Beziehungen und übertragene Rechte, zwischen Dämpfung und Erregung, in Gestalt einer death squad Aufräumarbeit, die eine moralische Sensibilität vollständig außen vor und nur die mitschaffende Phantasie in die Präsentation herein lässt.
Ernst nehmen kann man das Ganze überhaupt nicht, und auch wenn es von innen heraus nie ausdrücklich oder gar mit einem Zwang auf Verballhornung angelegt wird, so sind die kontrastierten Widersprüche doch zu derb, die Textpassagen mit hysterischen ausfallenden Postulaten gestopft, eh wie unter psychotropen Substanzen stehend agiert, das Normbewußtsein ignoriert und eine vollständige entkoppelte Medienschelte mit haarsträubender Satire eingebunden. Schon das alles auslösende Trauma des Masked Prosecutor ist ein Streich für sich [ – ein Krankenwagen, der über eine Coladose fährt und diese zerquetscht, was wunderweise genauso auch mehrmals im Film vorkommt – ], hinzu kommt die Tatsache, dass die live zugeschalteten Reporter bei den Mordtaten diese wie bei einem Abend im Heimkino kommentieren und vom Vigilante als Interessensvertreter kurz darauf gar eine action figure doll für die Kinder erscheint.
Inszeniert ist dies in dem gleichfalls identischen Ton, sicherlich formal nicht an der oberen Leistungsspitze ansetzend, aber für Zweck und vor allem Mittel auf jeden Fall mit dem erforderlichen Geschick, sowohl in der rationalen Erscheinungsform als auch der der zugrunde liegenden Störung und insgesamt der empathischen Steigerung. Dramatische Szenen kurz vor Liebesschwüren oder Trennungen sind ein wenig zu lang gehalten, finden nicht den richtigen Moment zum Absprung, drücken bis dahin aber die elementaren Aussagen ohne weitere Peinlichkeiten aus. Action ist relativ rar, wird meist mit dem rasenden Schwertkämpfer im Affektzustand, einer knappen Martial Arts Einlage innerhalb einer Unterführung und der anschließenden Verfolgungsjagd Motorrad gegen Auto gefüllt; alles nicht wirklich erwähnenswert, weiß aber auch dort um die geeignet schmissigen Bilder. Bis auf greenhorn Wan, der aufgrund seines jugendlichen Alters und der noch herrschenden Begeisterung für die Hak Se Wui ständig ein wenig zu aufgedreht in die zwischen Lakonie, Absonderlichkeit und Relevanz schwingenden Szenerie hereinschneit, werden auch die restlich vorherrschenden Personen kollektiv widergespiegelt. Ein Trupp Nebendarsteller, die die Chance als Wirkungsträger in einem ausnahmsweise vorteilhafter produzierten Werk mit genug Würde, Überraschung und Tatendrang dankend und dafür revanchierend annehmen.