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Gilbert Grape (1993)

Eine Kritik von ad noctum (Bewertung des Films: 9/10)
eingetragen am 20.01.2007, seitdem 1070 Mal gelesen


Die titelgebende Person ist ein junger Mann, der mit 3 Geschwistern immer noch bei seiner übergewichtigen Mutter auf dem Land lebt. Er arbeitet im örtlichen Supermarkt und weiß nicht so recht, was er mit seinem Leben anfangen soll. Nebenbei unterhält er eine Affäre mit einer verheirateten Frau und kümmert sich liebevoll um seinen geistig behinderten Bruder Arnie, der bisweilen eine große Belastung für die Familie darstellt. Als Becky in Gilberts Leben tritt und er sich in sie verliebt, muss er sich und seine ganze Umwelt hinterfragen, und dieses persönliche Problem wird durch die durchweg gute Darstellerriege absolut glaubwürdig rübergebracht.

Die beste Leistung legt dabei eindeutig Leonardo Di Caprio hin.
Er spielt den zurückgebliebenen Arnie mit einer derartigen Intensität, dass man kaum glauben kann, hier einen im realen Leben völlig gesunden Menschen vor sich zu haben.
Wirklich beeindruckend!
Und die Lebensfreude, die in Arnie steckt, geht unweigerlich auf den Zuschauer über, um sogleich in Melancholie umzuschlagen, weil man sich bewusst wird, wie gut es einem doch im Vergleich zu Menschen geht, die weniger Glück hatten.

Di Caprio ist in meinen Augen eh ein genialer Schauspieler, der sein Talent nun schon mehrfach unter Beweis gestellt hat, auch wenn das einige Leute anders sehen und ihn auf sein Äußeres oder seine Rollen reduzieren. Wer nach Sichtung dieses Films immer noch an seinem schauspielerischen Können zweifelt, braucht sich wirklich nicht wundern, wenn er als „Filmkenner“ nicht ernstgenommen wird.

„Gilbert Grape“ stellt jedenfalls eine kleine Perle der frühen 90er Jahre dar, welche auf jegliche Action verzichtet und dafür umso mehr auf Gefühl setzt, ohne dabei auch nur einmal ins Kitschige abzudriften. Selbst wenn die 250 Kilo schwere Mutter nach 7 Jahren Hausaufenthalt zum Polizeirevier fährt, um Arnie – der mal wieder auf den örtlichen Wasserturm geklettert ist – abzuholen, bleibt einem das Lachen im Halse stecken, weil ihre Mutterliebe stärker als die Angst vor gesellschaftlichem Spott ist. Der Film beinhaltet ohnehin jede Menge Kritik, aber die soll jeder für sich selbst entdecken, sofern er gewillt ist, über das Offensichtliche hinauszublicken.

9 / 10


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