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Village - Das Dorf, The (2004)
Eine Kritik von Blade Runner (Bewertung des Films: 4/10) eingetragen am 25.09.2004, seitdem 1647 Mal gelesen
Wenn es jemandem in den letzten Jahren gelang das Publikum zu erschrecken und zu verblüffen, dann war es M. Night Shyamalan. „The Sixth Sense“ verblüffte mit einem schauspielerndem Bruce Willis und seinem Ende, „Unbreakable“ mit seinem tiefgründigen Abgesang auf das Comicheldentum, während „Signs“ mit seiner dichten Atmosphäre eines wohl meiner intensivsten und schweißtreibendsten Kinoerlebnisse aller Zeiten war. Leider muss sich sein neuster Streich „The Village“ einiges an Kritik gefallen lassen. Der Film kann zwar nichts für die in ihrem Aufbau und Twists ähnlichen Vorgänger, wohl aber Shyamalan selbst, dem scheinbar nichts Neues mehr einfällt und so werden die Abnutzungserscheinungen in seinem vierten Hollywoodfilm leider überdeutlich.
„The Village“ bewegt sich in einem Mikrokosmos. Die Welt scheint in dieser, von einem Wald, umgebenen Siedlung noch ganz in Ordnung zu sein. Sich augenscheinlich am Anfang des 19. Jahrhunderts sieht Covington (Pennsylvania) wie ein unscheinbares, etwas abgelegenes Nest aus. Mit dem Unterschied, dass diese Idylle ihren Preis hat. Rund um das Dorf, im Wald, wohnen „Die Unaussprechlichen“. Es sind Monster, mit denen ein Abkommen getroffen wurde. Die Bewohner überschreiten nicht die Grenze in den Wald, worauf die Ungetüme sich bereit erklärt haben, nicht das Dorf zu betreten.
Mit gewohnter Sorgfalt und ganz ohne Hast stellt Shyamalan mit ruhiger Hand die Bewohner vor, klärt die Beziehungen untereinander und deutet die altmodische Regierungsweise an. Hier herrscht ein Ältestenrat, der Entscheidungen trifft, Regeln aufstellt und für deren Einhaltung sorgt. So muss zum Beispiel grundsätzlich alles mit der verbotenen Farbe Rot vergraben werden, weil es „Die Unaussprechlichen“ anlockt.
Was für den kenntnislosen Zuschauer noch funktioniert, wird bei Kennern von Shyamalans Vorgängerfilmen nur ein müdes Lächeln sorgen. Zugegeben, der Endtwist ist noch überraschend, aber alles andere was er sich diesmal einfallen lassen hat, kann man recht schnell vorhersehen. Der erste Twist, nämlich dass die Gemeinschaft auf Aberglaube, Schrecken und Angst basiert (Soviel darf, ohne zu spoilern, gesagt werden), kann man sich nach 10 Minuten denken. Findige Kritiker dürfen da dann auch gern Parallelen zu George W. Bushs Innen- und Außenpolitik sehen und ein Statement Shyamalans hineininterpretieren. Ich wage aber zu bezweifeln, dass das die Intention des Inders war.
Das Problem von „The Village“ ist, dass er es nie schafft, trotz unwirtlicher „Herbst-Optik“ und Spiel mit Urängsten, die charakteristische, dichte Shyamalan-Atmosphäre aufzubauen. Obwohl James Newton Howard („Collateral“, „Dreamcatcher“) auch hier wieder den Score beisteuerte und der Regisseur seinem ruhigen Inszenierungsstil treu bleibt, stellt sich hier recht schnell lange Weile ein. Der Trailer versprach Grusel vom Allerfeinsten und der ist lange nicht gegeben, obwohl die allgegenwärtige Bedrohung stets spürbar ist. Über einen zu langen Zeitraum beschäftigt sich der Plot mit seinen Figuren - hauptsächlich mit der blinden Ivy (Bryce Dallas Howard) und dem introvertierten, schüchternen und etwas eigenartigen Lucius (Joaquin Phoenix, „Signs“, „Ladder 49“). Der lehnt Ivys Schwester ab, weil er seit seiner Kindheit in Ivy verliebt ist, es sich aber nie getraut hat, es ihr zu gestehen. Dieses Beziehungsdrama soll schließlich auch der Auslöser für die anbahnende Katastrophe sein, denn Lucius übertritt die Grenze und wenig später finden sich erste Zeichen im Dorf...
Obwohl der Plot zu zäh erzählt wird und seine Zeit braucht um in Gang zu kommen, gelingt es Shyamalan ein paar (es sind leider wirklich wenige) Schocks zu platzieren. Wie er es dabei schafft den Zuschauer zu überraschen, obwohl er genau weiß was ihn erwartet, ist immer noch eine Klasse für sich. Insbesondere das Finale im Wald ist klasse inszeniert und besitzt dann auch die Stärke, die ich mir für den gesamten Film gewünscht hätte.
Stattdessen beschäftigt sich das Skript mit der Gemeinschaft und analysiert die Gesichte. Wer genau auf die Worte von Alice (Sigourney Weaver, „Alien“, „Heartbreakers“) und Edward (William Hurt, „Lost in Space“, „Dark City“) achtet, wird dabei früh auf des Rätsels Lösung stoßen. Es wird gefragt in wie fern man diese, von der bösen Außenwelt abgeschottete, Gemeinschaft in Gefahr bringen darf, entdeckt zu werden. Darf das Wohl eines einzigen für das vieler auf’s Spiel gesetzt werden? In diesen Momenten ist „The Village“ tiefgründiger als es auf den ersten Blick scheint, wärmt dabei letztlich aber nur altbekannte Motive wieder auf. Es findet eine Analyse dieser Gesellschaft statt, ohne das sich das Publikum dem bewusst wird und das ist eins der Hauptprobleme des Films. Shyamalan versucht hier den Schritt in eine andere Richtung, ohne dabei die an ihn gestellten Erwartungen vernachlässigen zu wollen. Vielleicht wäre ein klares Drama hier von Vorteil gewesen. Das hätte zwar nie die Kohle gebracht, hätte aber der Idee gut getan.
Wenn „The Village“ beeindruckt, dann durch sein stark spielendes Ensemble. Bryce Dallas Howard ist in ihrer ersten großen Hauptrolle die Entdeckung des Films, während man von Joaquin Phoenix diese etwas strangen Rollen nun fast schon gewohnt ist. Der mit bekannten Gesichtern besetzte Supportcast um Sigourney Weaver, William Hurt, Brendan Gleeson („Troy“, „28 Days later“) und dem etwas unglücklich spielenden Adrien Brody („The Pianist“) liefert fast durchweg gute Leistungen ab.
Fazit:
Mit „The Village“ gelang Night Shyamalan kein weiterer Geniestreich. Die eigenwillige, markante Inszenierung ist unverkennbar und die Schauspieler mühen sich redlich, aber letztlich krankt das Skript einfach zu sehr an seiner Unentschlossenheit und dem erwarteten Twist. Entweder eine spannende Gruselgeschichte, wie im letzten Drittel, oder die intelligente Analyse einer auf Aberglauben und Angst bauenden Gemeinschaft, die mit ihren Regeln um ihren Fortbestand kämpft. Den mutigen Schritt wollte oder durfte Shyamalan sich hier nicht trauen und so bleibt eine knapp unterdurchschnittliche Gruselmär, die ihr intellektuelles Potential beschränkt und alle Kritiker in der Meinung bestärkt, dass der Regisseur zwar neue Ideen hat, sie aber immer im gleichen Schema ablaufen lässt.
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