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Sadomania - Hölle der Lust (1981)

Eine Kritik von Randolph C. (Bewertung des Films: 5/10)
eingetragen am 14.05.2011, seitdem 751 Mal gelesen


Kein Genre eignet sich besser für eine zünftige Portion Sexploitation als der "Women in Prison"-Film. Frauen im Gefängnis, dem sadistischen Personal hilflos ausgeliefert, zum Objekt degradiert, als Spielzeug mißbraucht... ja, der Gefängnisalltag in einem Frauenknast ist kein Streichelzoo. Daß das WIP-Genre einen solch schlechten Ruf hat, liegt weniger an den (Mitbe)Gründern, sondern vor allem an späteren und mittlerweile berüchtigten Beiträgen, die die Grenze für niederträchtige Geschmacklosigkeiten genüßlich nach unten traten. Umstrittene Filme wie Ilsa, the Wicked Warden (Greta - Haus ohne Männer, 1977), A Prisão (Prison of Dead - Mädchen schutzlos hinter Gittern, 1980) und Sadomania - Hölle der Lust (1981) appellieren - und das überaus erfolgreich - an die niedersten Instinkte im Menschen und sorgen in ihrer offensiven Zurschaustellung von unstilisiertem (Soft-)Sex und plakativer Gewalt (gerne auch in Kombination) für ein unangenehmes Gefühl im Bauch des Betrachters. Aber hey, es ist natürlich nur ein Film, und spätestens nach dem Duschen fühlt man sich eh gleich wieder besser, nicht wahr?
Na dann, Vorhang auf für Sadomania. Eine richtige Geschichte sucht man in diesem Streifen vergebens; es gibt nur einen grob skizzierten Plot, der unverhohlen als Vorwand für jede Menge Sleaze und Exploitation herhalten muß. Olga Kowalski (Uta Koepke), eine junge Frau auf Hochzeitsreise, gerät in die Fänge der sadistischen Magda Hurtado (Ajita Wilson), die - unterstützt von Gouverneur Mendoza (Antonio Mayans) und seiner dekadenten Gattin Loba (Gina Janssen) - irgendwo im Nirgendwo die Hacienda Blanca, ein privates Frauengefängnis, führt. Als einer Frau die Flucht gelingt, wird es jedoch eng für die grausame Despotin und ihrer Gefolgschaft... Kultregisseur Jesus Franco macht sich bei Sadomania nicht mal die Mühe, dem Geschehen einen realistischen Anstrich zu verpassen. Wenn es Francos Ziel war, eine willkürliche Aneinanderreihung spekulativer Exploitationszenen in rund einhundert Minuten Film zu packen, dann ist ihm das bravourös gelungen. Auf Kleidung wird weitgehend verzichtet; wer sich auf ein Trinkspiel einläßt und bei jedem Paar unverhüllter Titten einen Schluck zu sich nimmt, wird bereits nach wenigen Minuten lallend unter dem Tisch liegen. Nein, ein Feingeist ist der gute Herr Franco wirklich nicht, aber immerhin besitzt er genug Humor, um im Film als schwuler Besitzer eines schäbigen Bordells aufzutreten, der sich von einem Schwarzen (Ajita Wilson mit kurzen Haaren und Schnauzbart) "analisieren" läßt.
Des Weiteren präsentiert Franco, assistiert von seiner Lebensgefährtin Lina Romay, drollige Gummikrokodile, lesbische Techtelmechtel, eine angekaute Brust, Spielzeugpistolen, eine Graf-Zaroff-Gedächtnis-Menschenjagd, ein Nippelpiercing, und einen geilen Hund. Letzterer steht im Mittelpunkt der wohl haarsträubendsten Szene des Streifens: um dem Schlappschwanz vom Gouverneur auf die Sprünge zu helfen, läßt sein holdes Weib eine nackte, an einen Stuhl gefesselte Frau (Andrea Guzon) von einem Schäferhund besteigen! Angesichts des perversen Schauspiels regt sich selbst beim impotenten Gouverneur etwas, was seine Frau Loba nach geglücktem Beischlaf entsprechend zufrieden kommentiert: "You're a man. You did it!" Wahnsinn! Schauspielerisch gibt es bis auf Ursula Buchfellners sagenhaften Abgang (eine der unglaublichsten Sterbeszenen der gesamten Filmgeschichte!) kaum etwas zu berichten, aber immerhin sticht Ajita Wilson, eine kaffeebraune, herbe, statueske Schönheit mit maskulinen Zügen, aus dem Ensemble hervor, nicht etwa, weil sie gut spielt, sondern weil sie Charisma en masse versprüht und Sex aus jeder Pore zu atmen scheint. Sadomania ist ein absurd-derber aber leider wenig mitreißender Sexploiter, der mit seiner rabiaten Grundstimmung und seinen geschmacklosen Set-Pieces wohl nur von beinharten Genrefans goutiert werden kann, auch wenn es mir aufgrund der fast schon comichaften Überzeichnung unmöglich war, das Spektakel ernst zu nehmen. Für Otto Mainstreamgucker somit gänzlich ungeeignet... dem könnte glatt das Popcorn im Halse stecken bleiben.

Ein paar Worte zur charismatischen Ajita Wilson seien mir noch gestattet. Den meisten Quellen zufolge (und diese Quellen sind bitte mit Vorsicht zu genießen, da sich viele der Behauptungen nicht verifizieren lassen) wurde sie um 1950 in Brooklyn bzw. in Michigan als George Wilson geboren. Ihr Vater war Amerikaner, ihre Mutter Brasilianerin. Über ihr Leben als Transsexuelle ist kaum etwas bekannt. Sie trat als Transvestit in einigen New Yorker Shows auf und posierte für Erwachsenenmagazine. Dank eines reichen Freundes konnte sie in den 1970er-Jahren in Europa eine Geschlechtsumwandlung vornehmen lassen. Nach der Operation drehte sie in Europa angeblich einige Porno-Loops, bis sie von italienischen Produzenten entdeckt und für die Hauptrolle in Cesare Canevaris La Principessa Nuda (Black Magic, 1976) engagiert wurde. Es folgten viele weitere, ihr Image als Erotikqueen bzw. Exploitationprinzessin zementierende Filme wie z. B. Gola Profonda Nera (Die schwarze Nymphomanin, 1976) von Guido Zurli, Mavri Afroditi (Schwarze Aphrodite, 1977) von Pavlos Filippou, Femmine Infernali (Die Liebeshexen vom Rio Cannibale) und Orinoco: Prigioniere del Sesso (Das Foltercamp der Liebeshexen) von Edoardo Mulargia (beide 1980), Eva Man (Due Sessi in Uno) (1980) von Antonio D'Agostino, Sadomania - Hölle der Lust (1981) von Jesus Franco, Erotiki Ekstasi (Kaffeebraun & Nymphoman, 1981) und Erotiko Pathos (Die schwarze Nymphomanin II, 1982) von Ilias Mylonakos, Apocalipsis Sexual (1982) von Carlos Aured und Sergio Bergonzelli, und Macumba Sexual (1983) von Jesus Franco. Danach begann ihr Stern zu sinken, die Rollenangebote wurden spärlicher, die Filme schlechter und obskurer. Sie drehte wieder Pornos, doch einen glücklichen Eindruck macht sie in den Hardcore-Szenen nicht. Ihr Abstieg ging weiter, und sie verdiente sich ihren Lebensunterhalt schließlich in einem Bordell (anläßlich einer Razzia in besagtem Etablissement nahm sie die Beine in die Hand und flitzte splitternackt durch die Straßen von Florenz; es nützte nichts, sie wurde trotzdem verhaftet). Ihre letzten Auftritte vor der Kamera absolvierte sie in den Pornos Bocca Bianca, Bocca Nera und La Bottega del Piacere von Arduino Sacco, ein mehr als unwürdiger Abschied vom Film des einstigen Erotikstars. Ajita Wilson starb am 26. Mai 1987 in Rom nach einem Autounfall an einer Gehirnblutung (Jesus Franco sieht das anders: er meint, sie starb an AIDS; er denkt aber auch, Ajita stammte aus Äthiopien). Von den Schauspielkollegen, mit denen sie im Laufe ihrer Karriere zusammenarbeitete, ist kein böses Wort über sie bekannt. Die meisten beschrieben sie als lustigen, liebenswerten, charmanten Menschen, einige meinten aber auch, daß sie bisweilen sehr traurig und unglücklich zu sein schien. Laut Jesus Franco war sie keine gute Schauspielerin, glich dieses Manko aber mit ihrer einzigartigen, phantastischen Präsenz aus. Angesprochen auf Ajita Wilson sagte Carlos Aured, unter dessen Regie sie im Film Apocalipsis Sexual spielte, zu einem Interviewer der (leider nicht mehr existierenden) Website Sinister Tales: "She was charming, beautiful and very professional. The rest is not important." Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.


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