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Collateral (2004)

Eine Kritik von Gargoyle (Bewertung des Films: 5/10)
eingetragen am 11.03.2005, seitdem 571 Mal gelesen


"Collateral" - ein ambitionierter Psychothriller, dem es vor allem an einem fehlt: echter Spannung.

Eine Nacht in Los Angeles: Der Auftragskiller Vincent zwingt den harmlosen Taxifahrer Max, ihn durch die Stadt zu chauffieren. Auf Vincents Liste stehen 5 Namen, und kaltblütig bringt er eine Person nach der anderen um die Ecke. Max´ Situation wird immer aussichtsloser, seine Flucht- und Sabotageversuche scheitern kläglich. Vielmehr wird er selbst zum Spielball für Vincent. Und zu allem Überfluss ist die Polizei ihm auf den Fersen, denn sie hält ihn selbst für den Mörder...

"Collateral" bietet eine klassische Konstellation für einen Psychothriller, indem er zwei völlig verschiedene Charaktere miteinander konfrontiert. Auf der einen Seite Vincent, skrupelloser und kaltblütiger Killer, der sich Moral und Ethik nach eigenen fragwürdigen Regeln zurechtbiegt. Auf der anderen Seite Max, der mit seinem Leben unzufrieden ist, und nur von vagen Träumen und Illusionen einer besseren Zukunft lebt. Einen Großteil des Films verbringen die beiden zusammen im Taxi, lernen sich dabei genauer kennen, und sezieren sich gegenseitig auf ihre Fehler und Schwächen. Wenig überraschend, dass solche Vorwürfe beim kalten Vincent abprallen, der sensible Max aber gegen Ende vor Wut über sich hinauswächst und zum großen Helden mutiert. Selbst dem unbedarftesten Zuschauer dürfte diese Charakterwandlung vorhersehbar erscheinen. Und das ist auch das Problem, das "Collateral" runterzieht: Zu leicht vorhersehbar ist die Charakterisierung der Figuren, und dementsprechend spannungsarm plätschert die Handlung für zwei Drittel der Zeit vor sich hin.

Parallel zur Taxihandlung wird gezeigt, wie die Polizei Vincents Taten hinterherermittelt. Die Cops bekleckern sich leider nicht gerade mit Ruhm, verstricken sich in Kompetenz-Streitigkeiten und vermuten in Max den Mörder. Letztlich werden sie allesamt von Vincent über den Haufen geschossen, wodurch das ganze vorherige Ermitteln eigentlich überflüssig wird. Immerhin ist dieser Shootout in der Disco eine packende Szene, die überraschen kann. Und das konnte man von allem vorherigem nicht gerade behaupten, da legte Vincent die Leute um, Max moserte rum, Vincent droht Max, wenn er nicht still sei, müssten noch mehr sterben, und weiter gehts. Zumindest versteht es der Film aber, Max vom Fahrer zum richtigen Handlanger Vincents zu treiben, das Dilemma, in dem der Taxler steckt, ist überzeugend. Weniger überzeugend ist da schon der Tropfen, der Max´ Fass zum Überlaufen bringt, steht doch ausgerechnet (welch Zufall) eine Anwältin auf Vincents Programm, die er kurz zuvor kennengelernt hatte (und sich in sie verknallt hatte). Ein sehr konstruierter Anlass also, durch den Max gegen den Killer antritt, und sich aufschwingt, die Dame zu retten. Es folgt nun ein rasanter Wettlauf zur Anwaltskanzlei, der erstmals im Film echte Spannung bietet. Max wird zwar durch allerlei Probleme der Marke "Is´ Klar" behindert (kein Handynetz in L.A., kein Handyakku), kann aber Vincent noch rechtzeitig stellen. Es folgt eine temporeiche Jagd durch die U-Bahn, bei der Vincent leider jeden Killerinstinkt ablegt und sich von Max abknallen lässt, was nun wirklich erstaunt, ebenso wie eine solche Auflösung eines Films, der zum Großteil auf Action verzichtet.

Die Inszenierung von "Collateral" ist wahrlich genial, das Nachtleben des Stadtmolochs wird wunderbar eingefangen. Großartige Hubschrauberaufnahmen, Panoramafahrten vor den Lichtern der Stadt lassen den Wunsch verspüren, selbst vor Ort zu sein. Auch die musikalische Untermalung lässt keine Wünsche offen, vor allem die Sinfonie von Bach, die schon viele Filme veredelte (Sieben, Battle Royale) bleibt im Gedächtnis. Jamie Foxx spielt den Antihelden Max überzeugend, kann die vorhersehbare Charakterisierung der Figur aber nicht abwenden. Tom Cruise dagegen als Vincent spielt seinen Stiefel herunter und hat keinerlei Charisma für die Rolle übrig. Der Rest des Casts ist beliebig austauschbar.

"Collateral" ist ein ambitionierter Film, der aber sehr vorhersehbar und lange Zeit unspannend ist. Für einen Thriller gibts zu wenig Überraschungen und Wendungen, auch das Psychoduell ist nicht so interessant, wie es anfänglich zu werden verspricht. Das Drehbuch hat die eine oder andere Handlungsschwäche (dämliche Bullen, Anwältin als Opfer), und die Schauspielerleistungen sind sehr wechselhaft. Besser ist es, beim weitaus gelungeneren "Heat" vom selben Regisseur zu bleiben.
5/10


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