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Collateral (2004)
Eine Kritik von Der Sittenstrolch (Bewertung des Films: 9/10) eingetragen am 29.09.2004, seitdem 384 Mal gelesen
Obwohl Taxifahrer Max (Jamie Foxx) sein Taxi nicht vermieten darf, läßt er sich von dem freundlichen Vincent (Tom Cruise) mit 700 Dollar dazu überreden, ihn einen ganzen Abend lang zu insgesamt fünf verschiedenen Punkten in Los Angeles zu fahren. Eine Entscheidung, die er besser nicht getroffen hätte. Schon an der ersten Adresse fliegt ihm aus dem vierten Stock eine Leiche aufs Auto. Der Mörder: Vincent. Nun sitzt Max in der Patsche, denn Vincent zwingt ihn, die Tour bis zum Ende durchzuziehen, damit der Auftragskiller seinen Job zuende bringen kann. Wie kann Max ihn stoppen?
Was für ein guter Thriller-Regisseur Michael Mann ist, das hat er schon mit Heat bewiesen. Mit Collateral bestätigt er seinen Ruf. Er hat es wieder geschafft, einen modernen, aber zeitlosen und intelligenten Krimi zu drehen, der den Zuschauer voll in seinen Bann zieht. Dabei ist Collateral nie reißerisch. Mann legt vor allem Wert auf die genaue Zeichnung seiner Charaktere. Max ist ein an sich schlauer Zeitgenosse, der es zu weit mehr als zum Taxifahrer bringen könnte. So hat er auch einen Lebenstraum, seinen eigenen Limousinenservice zu gründen. Sein Problem ist aber, daß er sich von anderen Leuten auf der Nase herumtanzen läßt und wenn es darauf ankommt untätig bleibt und keine Risiken eingeht. Nur deshalb fährt er schon 12 Jahre Taxi. Seine Schwächen werden ihm von Vincent in ihren Diskussionen genau aufgezeigt.
Der mit Abstand interessanteste Charakter ist jedoch Vincent. Ein eiskalter professioneller Auftragskiller mit guten Manieren, der sein ganz eigenes sehr philosophisches Weltbild hat, das dem von Max so zuwider läuft. Es ist faszinierend, wie locker Vincent durch die Welt geht und dabei auf jegliche gesellschaftlichen Verhaltensregeln pfeift. Dementsprechend fesselnd sind die brillanten Dialoge zwischen Vincent und Max. Man ist sich auch nie im Klaren, ob man Vincent nun sympathisch oder unsympathisch finden soll.
Die Rolle des Vincent lebt vom tollen Tom Cruise. Ich bin normalerweise beileibe kein Cruise-Fan, doch hier macht er seine Sache ausgezeichnet und der ganze Film wird von ihm getragen. Auch über die anderen Schauspieler kann man sich nicht beklagen. Sie spielen ihre Rollen glaubwürdig und realistisch.
Zur Machart des Films kann man nur sagen, daß Michael Mann sein Handwerk wirklich beherrscht. Die Kameraführung und Atmosphäre sind sehr gelungen. Die Situation von Max absolut beklemmend. Die Dialoge sind brillant. Die Filmmusik ist sehr gut. An Action wird auch nicht gespart. Ihr Anteil steigert sich parallel zur Spannungskurve im Laufe des Films kontinuierlich.
Zwei Szenen sind besonders erwähnenswert: Sehr beeindruckend war das Gespräch zwischen Vincent und einem Jazzclub-Besitzer über Miles Davis und die Musik. Dann stellt sich heraus, daß der Mann das nächste Opfer ist. Die zweite ist die beste Actionszene, eine große Schießerei in einer gefüllten asiatischen Diskothek, die einfach hervorragend gemacht ist und musikalisch genial untermalt ist.
Fazit: Collateral ist ein 1A-Actionthriller mit gutem Drehbuch und einem noch besseren Bösewicht Tom Cruise. Es würde mich nicht wundern, wenn der Film noch so manchen Preis abstaubt.
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