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Collateral (2004)
Eine Kritik von elpadro (Bewertung des Films: 6/10) eingetragen am 04.10.2004, seitdem 446 Mal gelesen
*Viele Spoiler!*
Ich war, im Gegensatz zu vielen anderen, nicht gerade begeistert.
Hier scheint ja bei einigen viel Mann-Bonus im Spiel zu sein.
Verstehe ich eigentlich gar nicht so sehr, denn auch der Heat-Hype ist etwas merkwürdig, denn kurz vor Heat bin ich mal in einer Videothek über Showdown in L.A. gestoßen. War ganz OK. Als dann aber der heiß ersehnte Heat ins Kino kam, war die Enttäuschung groß: im Prinzip der gleiche Film, nur länger und mit bekannteren Darstellern ...
Klar, Thief hatte sich mir schon als Kind wegen seiner irren Optik ins Gedächtnis gebrannt und Miami-Vice kam auch in meiner Kinderzeit und hatte ebenfalls eine ähnliche Bild- bzw. Beleuchtungssprache.
Aber sonst?
Mich hat bei Collateral zu allererst mal dieses super-grobkörnige Bild gestört. imho hat das nicht primär etwas mit HDTV zu tun, sondern ist ein reines Stilmittel um dem Ganzen diesen dokumentar-Charakter zu geben.
Dazu passt dann auch konsequenterweise der fast ausschließliche Verzicht auf Kameraschienen oder Steadycam-Dämpfung, sondern stattdessen die Wahl verwackelter, Handkamera-typischer Bilder.
Ist auch nicht ganz mein Fall.
Und da verstehe ich beim besten Willen auch nicht, wie man für so etwas 65 oder wie viel Millionen Dollar verpulvern kann.
Wenn für die meisten Einstellungen nicht mal Krane oder eben Schienen verbaut werden müssen, ist alles, was der Kameramann machen muss, ein paar mal aus verschiedenen Positionen heraus die geplante Szenerie abzulatschen, anschließend bei einer Zigarette aufm großen Monitor im abgedunkelten Vorführ-Truck die Aufnahme begutachten und ggf. noch mal über eine andere Bordsteinkante mit der DV-Cam zu stolpern.
Kein Filmmaterial nötig, auf dessen Entwicklung gespannt gewartet werden muss, um das Resultat auch in Sachen Licht etc. zu überprüfen, nichts.
Was daran kostet dann bitte so ein Vermögen?
Klar, was eben gerade die Farben und das Licht angeht, die Neonschriftzüge- und Röhren, die sich in Wasserpfützen spiegeln, die horizontale Weite und Ruhe in manchen Szenen, das ist zweifellos spitze und Mann-typisch. Aber ein wenig mehr Ästhetik der Bewegung - nicht im plakativen, übertriebenen "Matrix-Stil", sondern mehr in Richtung Stephen H. Borum, das hätte gut getan.
Was die Disco-Szene angeht: Jahrmarktsspektakel, Budenzauber. Neben an anderer Stelle erwähnten inhaltlichen bzw. Logikfehlern kann ich daran nichts virtuoses in Sachen Komplexität oder Arrangement finden.
Peckinpah oder De Palma (oder sein Jünger Woo) hätten daraus wahrscheinlich etwas Großes konstruiert, inszeniert. Etwas, das auf vielen Schauplätzen beginnt und sich nach und nach in ein Ganzes wandelt oder besser gesagt, aus vielen Fragmenten zu einer abschließenden, überraschenden aber aufklärenden Szene verdichtet (wie beispielsweise die Bahnhofszenen in "Carlito’s Way" oder "The Untouchables").
Und wie glaubwürdig ist beispielsweise der Auftritt vorher, als Foxx die Opferdaten beim großen bösen Gangsterchief abholen soll? Gradezu lächerlich, wie er dasitzt, als zittriger, bebrillter armer Tor. Der Big-Boss sagt zwar nachher auf spanisch, dass er ihn (den vermeintlichen Killer) für eine "Schwuchtel" hält (so meine südamerikanische Begleiterin), aber warum gibt er ihm dann überhaupt die Daten?
Was soll die theatralische Bestürzung der Observatoren beim City-Webcam-Beobachten des derweil vor der Tür stehenden Taxis? "Da sitzt ja noch einer im Wagen!" Was ist das für ein Dilettanten-Verein?
Warum kommt Vincent der Name von Annie nicht bekannt vor, obwohl sie doch auch auf der Opferliste steht? Auch wenn er die Tasche erst bei Ankunft in LA bekommt - einen groben Überblick verschafft man sich doch zu allererst, wenn man solcherlei Aufträge übernimmt.
Warum setzt Annie die Rufumleitung aus ihrem Büro auf die Bibliothek und nicht auf ihr Handy? Warum steht auf den zugehörigen Tasten schön die Etage mit drauf? Die sollte sie ja wohl kennen. Vielleicht, damit ein Vincent daherkommt und sie schneller finden kann ... ?
Warum trifft ein so erfahrener Schütze Max in der Bahn nicht, sondern fängt sich selber eine Kugel ein? Warum ist er so verdutzt, sein Magazin leergeschossen zu haben? Ein wenig Mitzählen sollte man doch wohl erwarten können - als Profi auch in jeder Situation.
Abschließend: warum kippt er nicht von der Sitzbank, als die Bahn losfährt? Hätte man ihn ein paar Zentimeter weiter seitwärts sitzen lassen, hätte er sich ruhig sterbend anlehnen können.
Fazit:
Bei einigen wenigen Szenen stimmungsvolle Bilder, jede Menge Logikfehler und in einigen Szenen mit auffälligen Längen - lohnenswert dennoch, um sich ein eigenes Bild zu verschaffen und zur weiteren Verfolgung des filmischen Werdeganges von Regisseur Michael Mann und Darsteller Tom Cruise.
6 von 10 Punkten.
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